Elfriede Jelinek hat die Hosen voll
Als Antwort auf: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek von Mic am 07. Oktober 2004 14:18:32:
PIEGEL ONLINE - 07. Oktober 2004, 15:10
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Literaturnobelpreis
Literaturnobelpreis
Elfriede Jelinek hat Angst vor der Auszeichnung[/u]
Überraschend wird der diesjährige Literaturnobelpreis an die österreichische Schriftstellerin und Dramatikerin Elfriede Jelinek verliehen. Die öffentlichkeitsscheue 57-Jährige empfindet ob ihrer Auszeichnung allerdings "mehr Verzweiflung als Freude" und fühlt sich bedroht.
Jelinek fürchtet, dass der Literaturnobelpreis für sie "zu einer persönlichen Belastung" werden könnte. "Natürlich freue ich mich auch, da hat es keinen Sinn zu heucheln, aber ich verspüre eigentlich mehr Verzweiflung als Freude", sagte sie am Donnerstag nach Bekanntwerden der Auszeichnung in einem Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA in Wien. Sie eigne sich nicht dafür, "als Person an die Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Da fühle ich mich bedroht". Jelinek bekräftigte, dass sie den Preis nicht persönlich entgegen nehmen wolle. "Ich möchte mich zurückziehen und habe auch die letzten Preise nicht persönlich entgegen genommen". Zuvor hatte Jelinek bereits angedeutet, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht am 10. Dezember zur Verleihung der Nobelpreise nach Stockholm reisen würde. Sie sei "nicht körperlich krank, aber psychisch nicht in der Lage, mich dem persönlich auszusetzen", sagte Jelinek der Agentur.
Jelinek sagte weiter, es sei ihr bewusst, dass "wenn man den Preis als Frau bekommt, dann kriegt man ihn auch als Frau, und kann sich nicht uneingeschränkt freuen. Wenn Peter Handke, der den Preis viel mehr verdienen würde als ich, den Preis erhalten würde, dann bekommt er ihn eben nur als Peter Handke."
Jelinek: "Böse Ahnungen"
Die neue Nobelpreisträgerin meinte, sie habe "böse Ahnungen", dass der Nobelpreis eine Belastung für sie bedeuten werde, «denn man wird zur öffentlichen Person. Wenn mir das zu viel wird, muss ich weggehen. Was ich aber nicht möchte, denn ich lebe gerne hier", meinte Jelinek. Sie hoffe, dass sie "das damit verbundene Geld genießen (könne), denn damit kann man sorgenfrei leben". Der Nobelpreis für Literatur ist mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert. Im schwedischen Rundfunk hatte Jelinek außerdem gesagt, dass sie ihre Auszeichnung nicht "als Blume im Knopfloch für Österreich" betrachte.
Die Würdigung Jelineks mit dem Nobelpreis ist eine Überraschung. Zwar wurde bereits gemutmaßt, dass in diesem Jahr eine Frau ausgezeichnet würde, als Favoritinnen galten jedoch die Kanadierin Margaret Atwood, die Amerikanerin Joyce Carol Oates und die Britin Doris Lessing.
Jelinek habe den Preis "für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen" erhalten, hieß es am Donnerstag in der Begründung der Schwedischen Akademie für Wissenschaften. Damit habe sie "die Absurdität gesellschaftlicher Klischees und ihrer unterjochenden Macht" offen gelegt. Gelobt wurde ihre "sprachliche Leidenschaft".
Reich-Ranicki: "Höchst nervöse, sehr empfindliche und sensible Frau"
Elfriede Jelinek gilt als eine der unbequemsten Schriftstellerinnen und Theaterautorinnen im deutschsprachigen Raum. Ihre Arbeit umfasst Lyrik, Prosa, Theaterstücke, Hörspiele und Drehbücher. Dafür erhielt die produktive und umstrittene Autorin schon zahlreiche Preise, darunter 1998 den Georg-Büchner-Preis, 2002 den Mülheimer Dramatikerpreis und 2003 für ihr Gesamtwerk den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis. Zu ihren bekanntesten Werken zählen der Roman "Die Klavierspielerin" (1983) und das Theaterstück "Burgtheater" (1985).
Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sagte über die Auszeichnung Jelineks, dass es "hoch erfreulich" sei, "dass wieder einmal eine deutschsprachige Autorin den Literaturnobelpreis erhalte." Jelinek sei eine "ganz ungewöhnliche, völlig aus dem Rahmen fallende, radikale und extreme Schriftstellerin und in Folge dessen höchst umstritten", sagte Reich-Ranicki. Sie habe glühende Anhänger, aber auch Gegner. Die zentralen Motive des Werks der vielseitigen Autorin seien die Rolle der Frau, Gewalt und Macht in der Konsumgesellschaft und Sexualität. Die aus einer slawisch-jüdischen Familie stammende Dramatikerin, sei eine "höchst nervöse, sehr empfindliche und sensible Frau."
Schwedische Akademie: Keine Frauen-Quote
Mit Elfriede Jelinek zeichnet die Schwedische Akademie zum insgesamt zehnten Mal eine Frau aus. Die erste deutschsprachige Trägerin des Literatur-Nobelpreises war 1966 die Lyrikerin Nelly Sachs. Weitere Preisträgerinnen waren unter anderen Pearl S. Buck, Selma Lagerlöf und Toni Morrison. Seit der ersten Vergabe haben 89 Männer die wichtigste literarische Auszeichnung der Welt erhalten.
Der Sprecher der Schwedischen Akademie, der Stockholmer Publizist Per Wästberg, hat die Vergabe des Nobelpreises an Jelinek als "wunderbar" bezeichnet. Wästberg sagte unmittelbar nach der Bekanntgabe: "Sie ist eine Autorin, die mit ihrem Zorn und mit Leidenschaft ihre Leser in den Grundfesten erschüttert." Jelinek habe dabei vor allem "die Konsumgesellschaft Österreich kritisiert, die nicht ihre eigene Vergangenheit aufgearbeitet hat". Jelineks Prosa sei ebenso einzigartig wie ihre Dramen. Die Akademie habe bei der Entscheidung nicht darauf gesehen, dass Jelinek eine Frau ist.
Im vergangenen Jahr wurde der südafrikanische Schriftsteller J.M. Coetzee ausgezeichnet, zum bisher letzten deutschen Literaturnobelpreisträger wurde 1999 Günter Grass gekürt. Die Nobelpreise werden traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) überreicht.
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- Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek -
Mic,
07.10.2004, 17:18
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Peter,
07.10.2004, 17:49
- Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek - Arne Hoffmann, 07.10.2004, 18:22
- Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek - Magnus, 07.10.2004, 18:53
- Elfriede Jelinek hat die Hosen voll -
Ekki,
07.10.2004, 18:29
- Re: Elfriede Jelinek hat die Hosen voll - Arne Hoffmann, 07.10.2004, 20:12
- Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek - Texaco, 07.10.2004, 21:09
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Peter,
07.10.2004, 17:49