Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Staat fördert Porno-TV

Maesi, Tuesday, 24.08.2004, 23:24 (vor 7835 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Staat fördert Porno-TV von Garfield am 24. August 2004 12:03:45:

Hallo Garfield

"Allerdings würde ich dem Herrn Geschäftsfuehrer scharf auf die Finger gucken; nur für den Fall, dass sich die ach so tolle Geschäftsidee nicht rechnet und nach einigen Monaten ein "gesunder Konkurs" mit etlichen verschwundenen Milliönchen hingelegt wird."
[...]Es wäre ja nicht das erste Mal, daß ein windiger Geschäftemacher eine Pleite dafür nutzt, sich mit sämtlichem noch vorhandenen Geld aus dem Staub zu machen und es sich dann auf den Bahamas oder sonstwo gut gehen zu lassen.

Wir sollten schon unterscheiden zwischen einem Betrueger und einem Geschaeftsmann, der sich verkalkuliert. Ersterer plant einen Konkurs mit ein, waehrend letzterer das nicht tut. Nicht jede Geschaeftsidee ist erfolgreich, aber auch nicht jeder der Pleite geht, ist deshalb gleich ein Verbrecher.

Solche Geschenke aus Steuergeldern dürfte es gar nicht geben. Wenn der Staat schon Geld in ein Unternehmen steckt, dann müßte er auch entsprechend am Gewinn beteiligt sein. In der freien Wirtschaft wird schließlich auch nirgends Geld ohne irgendeine Gegenleistung verschenkt.

Naja, grundsaetzlich laesst sich (fast) immer Geld auf dem Kapitalmarkt beschaffen; es ist halt immer eine Frage des Preises. Wenn der Staat Geld in privatwirtschaftliche Projekte steckt, kann er das auf verschiedene Arten tun. Er kann ein zinsguenstiges (oder gar zinsloses) Darlehen gewaehren, er kann Geldgeschenke machen (à fonds perdu oder Subventionen), oder er kann auch Defizitgarantien uebernehmen. Eine marktgerechte Finanzierung von Staates wegen wird nahezu nie vorkommen, weil der Kapital-/Geldmarkt dies wesentlich besser und effizienter zu tun vermag als es der Staat je koennte. Eine (staatliche) Beteiligung am Gewinn ist unueblich, denn dann koennte der Staat ja gleich Aktien bzw. Anteile des betreffenden Unternehmens kaufen und so zu dessen Eigenkapital beitragen.

Wenn ich das richtig verstehe, geht es in diesem speziellen Fall darum, mit staatlicher Hilfe Arbeitsplaetze zu schaffen; die staatliche Unterstuetzung scheint also einen gewissen Investitionscharakter zu haben. Eine Investition ist immer mit einem gewissen Risiko behaftet, dass sie sich nicht auszahlt.

Aber wir haben's ja so dicke. Und wenn das Geld mal wieder nicht reicht, dann erhöht man eben irgendeine Steuer oder man kürzt irgendeine Sozialleistung, selbstverständlich ohne die dafür zu zahlenden Beitrage auch entsprechend zu senken. Hauptsache, den deutschen Millionären geht es gut.

Tja, die boesen Millionaere mal wieder. Die Crux ist ein voellig undurchdringlicher Dschungel im Steuer- und Subventionswesen mit vielen Foerderungen, Sonderleistungen, Sonderhilfen, Subventionen usw. usf.; viele Sonderregelungen bedeuten eben auch viele Schlupfloecher - die alle stopfen zu wollen, ist voellig aussichtslos. Und im Gegensatz zu den Normalverdienern koennen Millionaere sich Berater leisten, die ihnen diese Schlupfloecher zeigen. Die Welt ist nun mal ungerecht...

Ich sehe das Problem eher darin, dass unter der Regierung Kohl viele Steuergeschenke an Unternehmen gemacht wurden in der Hoffnung, dass diese dann Arbeitsplaetze in Deutschland schaffen oder wenigstens nicht ins Ausland verlagern; diese Rechnung ist offenbar nicht in dem Masse aufgegangen, wie man sich's erhofft hat - das Steuerdomizil ist eben nicht notwendigerweise auch der Produktionsstandort. IMHO waere es gescheiter gewesen, die Lohnnebenkosten moeglichst tief zu halten; dies haette sich viel direkter auf die Arbeitsplaetze ausgewirkt. Fairerweise muss man eingestehen, dass die Regierung Schroeder keine leichte Aufgabe uebernommen hat - dass er (bei beiden Wahlen) Wahlversprechen abgegeben hat, die er unmoeglich erfuellen kann, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Daß da ein Unternehmen unterstützt wird, das in der Erotik-Branche tätig ist, sehe ich auch nicht als problematisch an. Die Menschen, die in dieser Branche tätig sind, wissen schon, was sie tun. Und die Menschen, die ihre Produkte konsumieren, wissen es auch. Wir sind nicht mehr in Mittelalter, als man den Menschen tatsächlich einreden wollte, daß Sex zur reinen Lustbefriedigung Sünde wäre. Und wir sind auch noch nicht in einer radikalfeministischen Diktatur, in der alles, was irgendwie mit heterosexuellen Geschlechtsverkehr zu tun hat, als Unterdrückung der Frau gebrandmarkt wird.

Der Geschaeftszweck ist voellig irrelevant solange er legal ist. Wenn man Subventionen/Unterstuetzungen im Giesskannenprinzip gewaehrt, muss man natuerlich damit rechnen, dass es Leute gibt, die das opportunistischerweise ausnutzen - das ist systemimmanent.

Gruss

Maesi


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