Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Das Warren Farrell-Phänomen? (n/t)

Andreas (der andere), Sunday, 13.06.2004, 22:57 (vor 7908 Tagen) @ michail

Als Antwort auf: Das Warren Farrell-Phänomen? (n/t) von michail am 13. Juni 2004 18:54:30:

Möglich. Oder zumindest wünschenswert.

Ich las allerdings einige der früheren Hollstein-Bücher, da er mir an der Uni - groteskerweise - als Männer-spezialisierter Geschlechterforscher empfohlen wurde, obwohl seine Positionen durch und durch feministisch sind - oder zumindest waren. Ohne die Bedeutung seiner Bücher jetzt überbewerten zu wollen, wäre festzuhalten, daß er die Zustände, die er heute beklagt, zumindest intentional mitzuerrichten half.

Ein Problem mit Hollstein ist, daß er aus teilweise richtigen Beobachtungen sehr seltsame Schlüsse zieht. Z.B. stellte er im "Kampf der Geschlechter" bereits die Abwertung der Männer/ des Männlichen allgemein fest: "Heute gelten Männer als Zerstörer der Natur, als Hersteller tödlicher Waffen, als bornierte Technokraten, als Vergewaltiger von Frauen und Kindern, als im tiefsten liebesunfähig und neuerdings auch noch als die mißbrauchenden Verführer ihrer Töchter. Diese Etikettierungen haben natürlich Folgen. Auf der psychisch bewußten Ebene heißt das für alle Männer, daß die traditionellen Selbstbilder und die klassischen Orientierungen von Männlichkeit brüchig geworden sind (S. 204-205)" Seine Schlußfolgerung daraus lautet dann seltsamerweise, daß sich die Männer eben ändern müßten.

Ein anderer Kritikpunkt ist, daß Hollstein über Menschheitsgeschichte schreiben möchte, dabei allerdings nicht historisch, sondern psychologisch vorgeht. Dabei geht er von einem dem Geschlecht inhärenten Charakter aus und spekuliert sich dann entlang dieses Modells. Seine Herleitungen verlaufen dann ungefähr so: Die ersten Lebensjahre erziehe die Mutter den Sohn voller Liebe und Güte, ohne jeden Zwang und Forderungen; dann kämen die Väter und forderten, der Junge möge sich doch dem patriarchalen Rollen-Modell entsprechend verhalten, was ihn dazu bringt, seine Mutter und die ihr aufgrund ihres Geschlechts zugeschriebenen pazifistischen und gefühlvollen Eigenschaften sofort und absolut als minderwertig abzulehnen. Aus diesem Grund müßten Männer dann eben die Frauen ein Leben lang unterdrücken, und Beziehungen gingen deswegen in die Brüche, weil männliche Identität keine Gefühle zulasse. Frauen verlassen Männer also, weil sie nicht gefühlvoll genug sind.

Mag aber sein, daß er seinen Blickwinkel mittlerweile geändert hat. Ich müßte dazu mal was Neueres von ihm lesen; vielleicht, um mein Urteil über ihn zu revidieren. Reizt mich aber auch gerade nicht sonderlich.

Herzlichen Gruß, Andreas


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