Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Amnesty an Einseitigkeit nicht zu überbieten...

Arne Hoffmann, Thursday, 27.05.2004, 13:33 (vor 7923 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Amnesty an Einseitigkeit nicht zu überbieten... von Manfred am 26. Mai 2004 23:12:25:

Du meinst, man versucht, männliche Cash-Cows zum Spenden zu bewegen, indem man an ihren Beschützerinstinkt appelliert, dann aber die erzielten Erlöse doch für geschlechterneutrale Aktivitäten verwendet?

Ein schöner Gedanke eigentlich, dem ich -schon um besser schlafen zu können- nur allzu gerne Glauben schenken würde. Vorstellen kann ich mir es indessen nicht wirklich. Diese Kampagne ist so einseitig und extrem männerfeindlich verfaßt, dass ich mir deren Entstehung nicht ohne Mitwirkung ebenso extrem sexistisch geprägter, interner Kräfte erklären kann. Wenn die aber vorhanden sind, dann ist nicht anzunehmen, dass die derlei "erpropagierten" Geldmittel nicht geschlechtsspezifisch verwendet werden.

Die Logik meiner Vermutung erfordert einen gewissen Grad an Zynismus, fürchte ich: Wie mir meine amnesty-Ansprechpartnerin berichtete, sind die Mehrzahl der Personen, für die sich amnesty einsetzt, immer noch männlich. Das wird von mir nicht bestritten: Männer sind ja auch stärker als Frauen von Todesstrafe, Folter usw. betroffen. Also kommt ihnen die Arbeit von Amnesty auch am stärksten zugute. Hilfsinstinkte werden aber stärker angesprochen, wenn man auf weibliche Opfer aufmerksam macht.

Ich glaube nicht, dass Amnesty hier bewusst so kalkulierend vorgeht. Es könnte aber das Endergebnis dieser verrückten Kampagne sein, dass mehr Männern faktisch geholfen wird, indem der breiten Öffentlichkeit ein "weibliches Opfergeschlecht" suggeriert wird. Wenn es eine bewusste Entscheidung WÄRE, wäre es ein ethisch interessantes Dilemma, ob man sowas tun darf oder nicht. Ich persönlich wäre dagegen, weil ich als Journalist den Wert der Wahrheit/Wahrhaftigkeit ziemlich hoch ansiedele: Ich brauche das ja als Richtschnur für andere ethische Entscheidungen. Andere mögen aber anders urteilen und dem akuten Retten von Menschenleben den Vorrang geben.

Herzlicher Gruß

Arne


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