Re: Wende in der Verteidigungspolitik
Als Antwort auf: Re: Wende in der Verteidigungspolitik von Peter am 10. Mai 2004 19:14:26:
Hallo Peter!
"Die deutschen Offiziere waren gegen Abenteuer, aber Polen aufzuteilen, war der Plan auch des Offizierskorps. Seit spätestens 1923 nach der Ruhrbesetzung wurden Pläne ausgearbeitet fuer einen neuen Angriffskrieg gegen Frankreich."
Kriegspläne werden immer ausgearbeitet, auch wenn man gar keinen Krieg möchte. Man muß eben auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Vor einigen Jahren sorgte in den Medien ja auch die Tatsache, daß es in den USA Pläne für einen Krieg gegen Großbritannien gab, für Aufsehen.
Die Ruhrbesetzung durch Frankreich war durchaus ein triftiger Grund, um einen Krieg mit Frankreich für die Zukunft einzukalkulieren. Also mußten dafür Pläne ausgearbeitet werden. Die deutsche Armee war zu der Zeit noch viel zu klein, um ernsthaft an einen Krieg mit Frankreich denken zu können, und so konnten diese Pläne nur theoretisch sein.
"Hitler bedachte die meisten höheren Generäle mit großzuegigen Schenkungen aus seinem persönlichen Verfuegungskonto. Auch seine Kritiker wurden bedacht und haben es nicht ausgeschlagen. Dazu gibt es eine interessante Buchveröffentlichung aus den letzten Jahren, ich kenne gerade den Titel nicht."
Klar - Hitler mußte das tun, um Kritiker ruhig zu stellen. Er konnte ja nicht sämtliche Kritiker entlassen.
"Die Generäle waren bescheidener und wollten durch die Isolierung Polens und anschließende Kriegsdrohung die Abtretung der verlorenen Gebiete erzwingen."
Ja, aber eben nicht durch Krieg!
"Kein General ist ins KZ gekommen vor 1944. Die Generäle, die Bedenken hatten, wurden in Ehren entlassen, verloren damit aber oft ihren Lebensinhalt."
Ja, Generäle ins KZ zu stecken, hätte zuviel Aufsehen erregt. Das tat man erst nach dem Stauffenberg-Attentat, und zu dieser Zeit hatten die führenden Nazis sowieso schon fast alle Hemmungen verloren. Bei einfachen Wehrpflichtigen hat man jedoch schon 1939 nicht lange gefackelt.
"Die Wehrpflichtigen können nicht die Richtung bestimmen, aber sie können ihren Unmut äußern und in die Luft schießen statt auf Menschen, und wenn tausende das tun, registriert das auch die Fuehrung und muss ihre Befehle ändern, wie im November 1918."
Ja, aber wieso äußerten die deutschen Soldaten ihren Unmut erst 1918? Und wieso zogen 1914 auf allen Seiten keineswegs nur Berufssoldaten freudig in den Krieg?
Propaganda wirkt auch auf das Volk und somit auch auf die Wehrpflichtigen. Daß 1918 die Stimmung unter den Soldaten so mies war, lag gar nicht so sehr direkt am Krieg. Klar waren die Stellungskämpfe im Westen zermürbend, aber es war nicht selten so, daß die altgedienten Frontsoldaten sich zunächst gar nicht an den Unruhen beteiligten. Die Proteste gingen häufig mehr von Soldaten aus, die frisch eingezogen worden waren. Die hatten nämlich miterlebt, wie sich der Krieg auf die Heimat auswirkte. Überall fehlten männliche Arbeitskräfte, durch die Blockade der Westmächte kamen kaum noch Importe ins Land, und das bewirkte überall Mangel und auch eine Hungersnot im ganzen Land. Vor allem deshalb war die Unzufriedenheit in der Bevölkerung so groß.
Anfangs gingen die Unruhen auch vor allem von Matrosen auf Kriegsschiffen aus. Interessant war dabei, daß vor allem die Besatzungen von Großkampfschiffen betroffen waren, während es auf kleineren Schiffen und Booten, wie z.B. U-Booten oder Torpedobooten, kaum Proteste gab.
Das hatte nichts mit Wehrpflichtigen oder Berufssoldaten zu tun. Es gab dafür zwei Gründe: Erstens wurden die deutschen Großkampfschiffe nach der Skagerrak-Schlacht nur noch selten eingesetzt. So langweilten sich die Besatzungen. Kleinere Einheiten dagegen wurden weiterhin häufig eingesetzt, und so hatten deren Besatzungen weniger Zeit dafür, sich z.B. über schlechte Verpflegung zu ärgern. Noch wesentlicher war der zweite Grund: Da es auf kleineren Einheiten keine sehr hohen Offiziere gab und da die Offiziere dort allein schon durch die räumlichen Gegebenheiten viel näher an den Mannschaften waren, gab es dort keine so ausgeprägten Rangunterschiede wie auf den Großkampfschiffen. Auf den Großkampfschiffen gab es höhere und auch mehr Offiziere, die hatten dort wesentlich bessere Unterkünfte, und auch ihre Verpflegung war besser. Da die Offiziere so immer eine gewisse Distanz zu den Mannschaften hatten, bildete sich dann häufig auch noch Standesdünkel heraus und es gab nicht dieses Zusammengehörigkeitsgefühl wie auf den kleineren Einheiten, wo die Offiziere keine schwer gepanzerten Kommandotürme zu ihrem Schutz hatten, sondern im Einsatz tatsächlich denselben Gefahren ausgesetzt waren wie ihre Untergebenen. Dort saß man buchstäblich im selben Boot, und das schweißte alle zusammen. Auf den Großkampfschiffen war das genaue Gegenteil der Fall, und das vergrößerte den ohnehin schon vorhandenen Unmut der Mannschaften noch mehr. So war es nur klar und logisch, daß auf Großkampfschiffen gegen Kriegsende immer wieder Unruhen ausbrachen. Teilweise konnte man diesen Unruhen nur Herr werden, indem man Torpedoboote vor die Großkampfschiffe mit meuternden Besatzungen setzte und damit drohte, die betroffenen Schiffe zu torpedieren. Mit Wehrpflicht hatte das alles wenig zu tun. Auch Berufssoldaten können meutern.
Freundliche Grüße
von Garfield
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- Wende in der Verteidigungspolitik -
Christian,
10.05.2004, 20:14
- Re: Wende in der Verteidigungspolitik -
Garfield,
10.05.2004, 21:17
- Re: Wende in der Verteidigungspolitik -
Peter,
10.05.2004, 22:14
- Re: Wende in der Verteidigungspolitik - reinecke54, 11.05.2004, 12:31
- Re: Wende in der Verteidigungspolitik -
Garfield,
11.05.2004, 12:36
- Re: Wende in der Verteidigungspolitik -
Emmalein,
11.05.2004, 18:19
- Re: Wende in der Verteidigungspolitik - XRay, 11.05.2004, 18:58
- Re: Wende in der Verteidigungspolitik -
Emmalein,
11.05.2004, 18:19
- Re: Wende in der Verteidigungspolitik -
Peter,
10.05.2004, 22:14
- Re: Wende in der Verteidigungspolitik -
Garfield,
10.05.2004, 21:17