Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Wende in der Verteidigungspolitik

Peter, Monday, 10.05.2004, 22:14 (vor 7942 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Wende in der Verteidigungspolitik von Garfield am 10. Mai 2004 18:17:17:

Hallo Garfield,

mein Beitrag hat wenig mit Männerdiskriminierung zu tun, aber ich will deine Aussagen zur Geschichte kommentieren.

Tatsächlich haben sich gerade deutsche Berufsoffiziere vor allem in den ersten Jahren des Dritten Reiches immer wieder gegen Hitlers Abenteuer ausgesprochen. (...)
Hitler mußte erst einmal die Generäle von Blomberg und Fritsch mit fadenscheinigen Begründungen entlassen, selbst das Oberkommando der Wehrmacht übernehmen und Keitel in "Lakeitel" verwandeln, indem er ihm finanziell unter die Arme griff und ihn sich so zu Dank verpflichtete, um seine Pläne ohne größeren Widerstand aus der militärischen Führung Deutschlands verwirklichen zu können.

Die deutschen Offiziere waren gegen Abenteuer, aber Polen aufzuteilen, war der Plan auch des Offizierskorps. Seit spätestens 1923 nach der Ruhrbesetzung wurden Pläne ausgearbeitet fuer einen neuen Angriffskrieg gegen Frankreich.
Hitler bedachte die meisten höheren Generäle mit großzuegigen Schenkungen aus seinem persönlichen Verfuegungskonto. Auch seine Kritiker wurden bedacht und haben es nicht ausgeschlagen. Dazu gibt es eine interessante Buchveröffentlichung aus den letzten Jahren, ich kenne gerade den Titel nicht.

Die treibende Kraft, die letztendlich zum Zweiten Weltkrieg führte, war nicht der so oft beschworene preußische Militarismus, sondern Hitler ganz allein.

Die Generäle waren bescheidener und wollten durch die Isolierung Polens und anschließende Kriegsdrohung die Abtretung der verlorenen Gebiete erzwingen.

Zwar sind die Militärs ihm dann letztendlich in alle seine Abenteuer gefolgt, aber wer das nicht tat, mußte im Nazi-Reich mit überaus ernsten Konsequenzen rechnen.

Kein General ist ins KZ gekommen vor 1944. Die Generäle, die Bedenken hatten, wurden in Ehren entlassen, verloren damit aber oft ihren Lebensinhalt.

Wenn hier jetzt wieder irgendein Psychopath an die Macht käme, dann würde unsere Wehrpflichtarmee den wahrscheinlich auch an nichts hindern. Und wenn doch, dann würde sie das nicht tun, weil sie eine Wehrpflichtarmee ist. Die Führung besteht ja immer aus Berufssoldaten, und die bestimmen die Richtung, in die die Truppe marschiert. Ein kleiner Wehrpflichtiger hat da gar nichts zu bestimmen, sondern nur zu gehorchen.

Die Wehrpflichtigen können nicht die Richtung bestimmen, aber sie können ihren Unmut äußern und in die Luft schießen statt auf Menschen, und wenn tausende das tun, registriert das auch die Fuehrung und muss ihre Befehle ändern, wie im November 1918.

Das alles ändert natuerlich nichts daran, dass eine Wehrpflicht heute in Deutschland unnötig ist und abgeschafft gehört.

Gruß,

Peter


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