Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Wenn´s schon die Dichter schreiben...

Sebastian, Monday, 15.03.2004, 21:55 (vor 7997 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Wenn´s schon die Dichter schreiben... von Emmalein am 15. März 2004 15:16:19:

Es kommt darauf an, aus welchen Motiven man heraus "lügt". Ich sprach davon, dass Du es für richtig hälst, die wahren Motive (ich will nur Sex) jemand anderem vorzuenthalten, der vielleicht glaubt, dies sei der Beginn einer grossen Liebe, weil man sich Sex holen will. Das ist ein Betrug, und es geht um egozentrische Motive.
Es kann auch nicht egozentrische Motive haben, zu "lügen", beispielsweise wenn es darum geht, dass ein Kind sterbenskrank ist und man es nicht mit der Wahrheit (seinem kurz bevorstehenden Tod) belasten will. Es kommt immer darauf an, warum man "lügt".;-). Die Welt ist komplexer, als es sich ein Mathematiker-Gehirn vorstellt.

die welt ist mathematik nichts weiter (per definition). da die welt nun mathematik ist, kann sie zwar komplexer sein als es sich mathematiker vorstellen mögen aber nicht komplexer als mathematik. das ist ausreichend.

ich ziehe in zweifel das es egozentrische und nichtegozentrische verhaltensweisen gibt. der grund hierfür wird wohl darin liegen das ich eine andere weit gefasstere vorstellung von "ego" habe. ein beispiel:

ein mann rettet das leben seiner kinder und gibt sein eigenes dafür her.

normalerweise würde man sagen dies ist eine sehr altruistische handlung, aber das denke ich nicht. er handelt (sofern man überhaupt glauben mag das ein mensch selbst handelt, ich tue das nicht aber nehme es hier mal an, ändert für mich nichts) nun aus seinem willen heraus die kiner zu retten der wille ist für mich das ego schlechthin. wobei der wille selbst etwas komplexes ist, es gibt widerstrebenden "willen" der eine teil könnte z.b. sagen "rette dein eigenes leben" der andere "rette das deiner kinder", was er nun tut hängt davon ab was stärker ist.
aber vollkommen gleichgültig was er tut die quelle seines handelns ist die diesselbe nämlich sein wille (oder für diejenigen die nicht an willen glauben, diese welt dieser wunderbare computer oder dieses schöne regelwerk). und eben das macht mir die "moralische" bewertung einfach, denn es ist völlig einerlei.
das einzige was ich für möglich halte ist das ganze unter einem bestimmten anderen punkt zu bewerten der könnte z.b. lauten "was ist am besten für die kinder?", antwort wäre: "das der vater sich opfert.".
aber all das sind dann persönliche vorlieben welche mich wenig interessieren und das gilt auch für moral, moral ist eine vorliebe ein system unter vielen.

kurz:

der grund warum ich nicht an egoismus glaube ist, weil jede handlung aus derselben quelle entspringt.

und weiterführend:

meine überzeugung ist eigentlich das alle trennungen "willkürlich" sind. mein radikaler glaube ist es an einheit zu glauben. darauf werde ich bei richtig und falsch kommmen.

umgedreht könnte es aber nützlich sein sagen wir eine bank auszurauben weil der angerichtete schaden so gering ist das die vorteile für mich überwiegen.

Ich würde Dir dringendst davon abraten: Die meisten Banken haben kaum noch Barschaft. Es lohnt sich eher, einen Geldtransporter zu überfallen (nur so mal als Insider-Tipp einer Ex-Bankkauffrau - grins!).

war nur ein beispiel, bin ausserdem viel zu faul jemanden zu überfallen. ich denke damit hat man nur ärger.

Wahrheit ist nicht immer egozentrisch und Lüge auch nicht. Es ist alles sehr kompliziert. Ich bezog mich auf Deine konkrete Aussage, da das Einzige, wonach ich Dich beurteilen kann, Deine hier geäusserten Ansichten sind. Ich kenne Dich nicht persönlich. Nur Deine Schreiberei kann ich beurteilen.

beurteilen ja mei.

du lebst doch auch um des lebens willen :). ich meine wenn du immer einen anderen zweck willst, dann ist die frage doch welchen zweck hat das? ist erkenntnis selbstzweck?

Ja! Ich erstrebe die Erkenntnis um der Erkenntnis willen an. L`art pour L`art sozusagen. Kann ich doch machen, wenn es mir Spass macht. Mir macht es jedenfalls mehr Spass als jemanden zu piesacken. Ich bin auch keine Sadistin! (das Einzige, was ich manchmal bin, ist eine Satirikerin, ich habe einen gewissen Spass daran, durch Überzeichnung und Komik gewisse Dinge blosszustellen, über die ich mich ärgere, und daraus ziehe ich eine gewisse Befriedigung.)

und was missfällt dir am streit um des streites willen? ich meine erkenntnis um der erkenntnis willen, das nehme ich dir nicht ab. weil erkenntnis dann nichtmal einen wert haben könnte. erkenntnis ohne bezug ist etwas äusserst wertloses (und mag der bezug noch so klein sein).
weil man nichtmal einen wert einfach definieren würde :-D oder die erkenntis definiert den wert selbst. wenn dem aber so ist, dann ist erkenntnis ein wort für viele kleine dinge.

mhm ok. aber es hat auch oftmals etwas mit durchhaltevermögen zu tun sich richtig zu streiten, niemand sagt das es einfach ist oder (ich zumindest nicht ;)?

Richtig? Falsch? Das sind in diesem Zusammenhang Kategorien, die ich erst einmal definiert haben möchte!

gern. ich denke das richtig und falsch auf trennung beruhende wertigkeiten sind. aber sei beruhigt mit obigen richtig meinte ich eher ein richtig im sinne von "es kracht richtig".

Für mich gibt es weder richtiges noch falsches Streiten, sondern nur etwas, aus dem ich Erkenntnis ziehen kann oder etwas, aus dem ich keine ziehen kann oder etwas, wo ich Erkenntnis eröffnen kann oder etwas, wo ich keine Erkenntnis öffnen kann.

mich würde interessieren was du glaubst was erkenntnis ist? das ist nämlich etwas was ich interessant find, da ich ja nicht an trennung glaube muss "ich" auch alle erkenntnis besitzen. wobei das wort "ich" nicht sebastian als person bezeichnest sondern alles.
wenn ich nun an erkenntnis in bezug auf sebastian denke stelle ich mir lustige muster in seinem hirn vor, die er eben durch sehen, lesen und schreiben verändern kann. wissen ist nicht vielmehr als ein muster, eine menge von informationen. ich weiss ehrlich nicht was erkenntnis sein soll, ein alltäglicher begriff aber kannst du ihn erklären?

Erläutere mir bitte, was Du unter richtigem und falschen Streiten verstehst. So sind mir diese Kategorien unverständlich.

wie gesagt wahr und falsch sind auf trennung beruhende werte, aber das obige richtig ist eher ein beiläufig geschriebenes wort um zu zeigen das ich meine vorstellung von streiten für die bessere halte (aber das sollte dir nichts ausmachen es ist nur meine meinung).

soweit ich weiss ist das ein rat seiner grossmutter (ich schaue bei gelegenheit mal nach, kann sein das ich mich böse irre).

Das ist ein Zitat aus "Also sprach Zaratustra" eines der bekanntesten Werke von Nietzsche. Das solltest Du gelesen haben, wenn Du den Mann cool findest. (Jau, ich kehr wieder das Bildungsbürgertum raus;-)..)

ich habe das buch hier liegen habe aber nur etwa die hälfte gelesen der rest war mir zu langweilig. gefallen hat mir das buch "götterdämmerung" mhm und "die nachgelassen fragmente - eine auswahl". habe irgendwo noch eines. in diesem fragmente buch, war meines wissens nach eine stelle wo er schrieb das ihm dies (ich meine seine grossmutter) geraten hätte.
naja wie auch immer ich lehne körperliche gewalt nicht ab (und du ausser du bist für das abschaffen der exekutiven wohl auch nicht).

Ich definiere mich nicht über Alice Schwarzer oder den Feminismus oder ähnliches. Der Name Emmalein ist sehr provokativ. Ich möchte hier provozieren, um zum Nachdenken zu bringen. Um nachzudenken, muss man zunächst verunsichert werden. Gerade Du als Nietzsche Freund müsstest das doch wissen (man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können - um Dir mal mit einem anderen Nieztsche-Zitat zu kommen;-)). Deswegen verunsichere ich hier auch gelegentlich.

ja das ist etwas was mir von ihm gefällt. wesentlich besser als das ewiger geseiere der arbeiterklasse. bildungsbürgertum lol völliger scheiss. die schlaueste person in meiner umgebung hat einer der minderwertigsten ausbildungen genossen.

Kant hat ein viel stärker gesellschaftsbezogenes Denken. Es geht ihm um den Einzelnen als Teil der Gesellschaft, um das Leben in der Gesellschaft und um den Aufbau der Gesellschaft. Nietzsche denkt nur vom Individuum her, er teilt die Menschen in Herren und Sklaven; die Herren brauchen keine Moralvorstellungen und können tun, was immer sie wollen, da ist jedes Mittel gerechtfertigt, die Sklaven müssen der Moral und den Herren gehorchen. Die, die sich als Indivduen definieren, sind Herren. Ich danke für eine solche Gesellschaft, die nur in einem Sterben und Hauen und Stechen enden kann!

wo schreibt er denn das? kannst du mal bitte konkrete stellen nennen? nietzsche tut im übrigen gut daran nur vom individuum her zu denken, denn das ist auch die quelle deines "altruismus" (welcher auch nur egoismus ist). eine solche gesellschaft endet nicht mehr im hauen und stechen als jede andere auch.

Kant geht es zwar um das Befreien der Menschen aus ihren eigenen Blockaden und Unmündigkeiten (Was ist Aufklärung? Aufklärung ist die Befreiung des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit). Ihm ist aber dennoch wichtig, den Menschen als Teil einer Gesellschaft zu sehen (Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Der kategorische Imperativ etc.). Für mich sehr viel konstruktiver, da der Mensch von Natur aus meiner Ansicht nach, nicht zum reinen Individuum, sondern zum Teil der Gesellschaft bestimmt ist, allein schon biologisch, weil ein Mensch alleine keine Nachkommen zeugen kann, aber auch sonst, weil Menschen unterschiedliche Fähigkeiten haben und daher in der Gemeinschaft besser überleben als als einzelne.

siehst du auch hier regiert das prinzip von taktiken, überleben tut die taktik die vorteilhaft ist. von daher was erzählst du mir von hauen und stechen, begründest doch deine welt selbst mit "vorteilhaften" und "unvorteilhaften" verhaltensweisen. vorteilhaft soll dabei sein was sich durchsetzt.

.>und denk immer daran wegen fanatikern wie marx und engels sind millionen menschen gestorben nicht wegen nietzsche (dem kommunismus sind sogar noch mehr menschen zum opfer gefallen als den faschisten).
So wenig wie Nietzsche was für Hitler kann, kann Marx was für die Marxisten;-). Mir gefällt einfach Nietzsches Denkansatz nicht. Ich bin auch kein Freund der Kyniker, von denen ich sagen würde, dass es eine Art Nietzsche-Vorläufer waren.

mhm das seltsame ist, warum bringst du nietzsche mit hitler in verbindung wenn sie eh nichts mit einander zu tun haben? da ich glaube das die welt ein ganzes ist und nach regeln funktioniert hat die olle schwarzer genausoviel mit hitler zu tun, wie ein sack reis oder du und ich.

Ich weiss, dass es auch im Namen der Aufklärung massenhaft Tote gab, betrachtet man mal Robbespierre und seine Konsorten, die den Terror zum Prinzip erhoben. Ich behaupte aber mal, das wäre nicht in Kants Sinne gewesen.

du behauptest mal? für mich ist kankt jemand der genauso gut oder schlecht ist wie jeder andere auch. wenn nötig würde er genauso morden wie der rest der welt. ob jemand zum mörder wird oder ob er eine freundliche person wird hängt meiner meinung nach davon ab welche eingaben diese person bekommt. menschen sind wie programme, die einen eingaben führen zu netten personen die anderen zu schlechten (was acuh immer man gerade als gut oder schlecht erachtet).

Bei Nietzsche und seinen Theorien bin ich mir nicht so sicher, ob die Sache mit dem Herrenvolk nicht doch seine Zustimmung gefunden hätte.

Zitat:

"Die asiatischen Menschen sind hundert Mal großartiger als die europäischen" - Fragmente

"Die Kleinheit und Erbärmlihckeit der deutschen Seele, ihr theils genüßliches, theils neidisches Im-Winkel-sitzen, ihre eingefleischte "Kleinstädterei", um an Kotzebue zu erinnern, ihre "Forschperspective" für alle hohen Dinge, um mit den Malern zu reden,- wie schmerzlich - "

klingt für mich nicht so als würde er an die arische rasse glauben? ich schätze dein problem mit nietzsche ist, das du versucht ihn zu "verstehen". nietzsche ist für mich nichts zum verstehen, er zeigt mir eher wie unnütz verstehen ist, er tänzelt und macht sich lustig über "verstehen" und "erkenntnis". und das ist bei lieber als erkenntnis, denn erkenntnis fasse ich eben auch nur als glauben als trennung dieser ganzen welt auf.
keine frage ich mag es dinge zu entdecken und auch dinge zu "verstehen" aber eben nur als zeitvertreib, als spiel nicht als zweck.

Nietzsche war in den 1920ern bei Rechtsintellektuellen allgemein sehr beliebt. Seine "Kraft" sehe ich als roh und ungeschliffen an. Da ist mir ein klarer, vielleicht etwas steiferer Denker wie Kant eben lieber.

was ist mit der obigen aussage, nietzsche kann nichts für diese typen (deine aussagen)? brich sie gefälligst nicht wenn du wirklich daran glaubst :-D.

Dennoch denke ich selbständig, ich habe mich ja aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit befreit;-)...

blubb. niemand befreit sich selbst.

Es grüsst mit kategorischem Imperativ

wie ist das eigentlich mit menschen die bereit sind zu sterben es aber als ihre aufgabe sehen alle zu erlösen und diese unglaubliche aufgabe auf sich zu nehmen? dürfen die das weil sie bereit sind selbst zu sterben oder nicht?

das Emmalein


gesamter Thread:

 

powered by my little forum