Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Feminismus/Maskulismus

susu, Sunday, 15.02.2004, 01:17 (vor 8027 Tagen) @ Tran

Als Antwort auf: Feminismus/Maskulismus von Tran am 13. Februar 2004 09:11:

Hallo

Der folgende Beitrag dient nicht dazu Feministen oder Maskulisten ihre Gesinnung abzusprechen. Es geht nur um meine eigene.
Ich habe eine Frage zu den Begrifflichkeiten Feminismus/Maskulismus.
Bislang definiere ich "Feminismus" als Kampf für die Rechte der Frau.
Den Begriff "Maskulismus" kenne ich erst seit ich hier mitlese. Unter Maskulismus stelle ich mir das genaue Gegenteil von Feminismus vor, also den Kampf um die Rechte des Mannes.
Bitte einhaken wenn es hier einen Denkfehler geben sollte!

Ja. Der Denkfehler ist: Geschlecht ist ein Nullsummenspiel. Also quasi: Es gibt eine bestimmte Menge an Rechten, die dann auf Männer und Frauen verteilt werden und Feminismus und Maskulismus streiten um die Verteilung. Dem ist aber nicht so. Nehmen wir zum Beispiel ein Paar an, daß gerne ein Kind bekommen würde. Der Vater würde gerne in den Erziehungsurlaub gehen, daß geht aber nicht, weil seine Frau zu wenig verdient um den Lebensstandard für die Familie zu sichern (oder das Haus abzubezahlen, oder wasauchimmer). Die Frau hätte das gekonnt, wenn sie den Job bekommen hätte, für den sie sich beworben hat, aber nicht gekriegt, weil der Chef Angst hatte, sie könnte in Erzeihungsurlaub gehen. Also bleibt sie zu Hause, er macht seien Job und beide machen nicht das, was sie wollten.

Natürlich hat sie das Recht zu arbeiten.
Natürlich hat er das Recht in Erziehungsurlaub zu gehen.
Die Verhältnisse stehen dagegen (und reproduzieren sich selbt, denn sie sorgen dafür, daß wenige Männer ihr Recht auf Erzeihungsurlaub wahrnehmen und das wiederum führt dazu, daß Unternehmer dieses Risiko nur bei Frauen sehen, was wiederum dazu führt, daß nur wenige Männer...).

Es gibt der Männerforschung zwei Ansätze: Den Männerzentrierten (der fragt, was sich für Männer verändern müsse, damit sie näher an ihren Idealen leben können) und den Frauenzentrierten (der frag was sich für Männer ändern müste, damit sich Männer ändern und Frauen ein besseres Leben führen können). Nach über 15 Jahren Forschung gibt es noch kein Thema, bei dem bei den beiden Ansätzen verschiedene Ergebnisse herausgekommen wären.

Sollte ich bis dahin richtig liegen stehen doch beide Begriffe für den Kampf für die Rechte des einen Geschlechts, während man sich für das andere Geschlecht eher wenig interessiert.
Seh ich das bis dahin richtig?

In der Praxis? Leider oft ja.

Nun kann ich aber in keinem der beiden Begriffe ein Bemühen um Gleichberechtigung erkennen. Wobei ich die Bedeutung des Wortes "Gleichberechtigung" einmal aus dem Wort selbst entnehme.
Wenn ich mich als Mann nun für Gleichberechtigung ausspreche, kann ich mich dann überhaupt als Maskulist bezeichnen?

Das steht dir frei. Die Männerbewegung ist nicht homogen.

Ich weiss nicht wie Ihr das seht, aber ich sehe da irgendwie einen Gegensatz zwischen Gleichberechtigung und Maskulismus.
Ebenso aber auch einen Gegensatz zwischen Gleichberechtigung und Feminismus.
Männerbewegung als solche halte ich für wichtig, denn ich teile die Meinung das Männer in manchen Bereichen wirklich benachteiligt werden.
Es geht mir hier rein um die Begrifflichkeit.

Ich würde das so sehen: Der Feminismus bietet eine einseitige Sicht, ebenso der Maskulismus. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Bewegungen, die Teilaspekte des ganzen beleuchten (Schwule, Lesben, etc.). Läßt man bestimmte Blickwinkel weg, sieht man nur ein Teil des Bildes. Das ist die Momentane Situation, tausend Bewegungen sägen an einzelnen Ästen rum. Wenn wir diese Blickwinkel zusammennehmen, erkennen wir, daß der Baum das Problem ist und alle zusammen wahrscheinlich genügten um ihn zu fällen.

Das Problem ist dieses Sektiererhafte, was diese Bewegungen umgibt und dieses "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns". "Gegen" so definiert, daß es alle einschließt, die nicht am gleichen Ast sägen. Und so wird sich(zumindest virtuell) bekriegt. Man sollte nicht über die Briten im Iraq lachen, die Genderbewegungen werden sich vermutlich per friendly fire selbst besiegen...

susu


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