Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Quintessenz?

Anti-Sexistin, Thursday, 12.02.2004, 18:51 (vor 8029 Tagen) @ Andreas (der andere)

Als Antwort auf: Re: Quintessenz? von Andreas (der andere) am 12. Februar 2004 14:13:47:

Interessant - das erspart mir vermutlich, ihn mir noch mal ansehen zu müssen. Was ich daraus nicht entnehmen kann, ist eine Quintessenz, bzw. ein formulierbares Ziel. Würde ich diesen Film also als "Wesen" der Gender Studies "lesen", könnte ich jetzt keine positive Zielstellung formulieren, d.h. eine, die nicht nur auf Vermeidung von (nicht vermeidbaren) Aspekten abzielt. Anders: Hat Geschlechterforschung ein Ziel, abgesehen von der Destruktion von Geschlechterbildern? - Sollte dem nicht so sein, wäre zu fragen, welche Heilserwartung an die Destruktion gekoppelt ist. Wenn Geschlecht Identität und Krise in sich vereinte, ergäbe sich daraus die Schlußfolgerung, daß der Mensch unentrinnbar in seinem Schicksal gefangen ist. Er könnte der Krise nur um den Preis der Identität entrinnen, d.h. suizidal werden (geistig oder materiell - was wohl nicht wirklich eine Option darstellt).

Nein, genau darum geht es nicht. Es geht darum, daß die Machtkonfigurationen so verschoben werden, daß es möglich ist Geschlechtsidentitäten nicht mehr entlang einer heterosexuellen Matrix zu konstituieren. Im Idealfall kommen dabei diverse neue Geschlechtsidentitäten heraus, die nicht mehr polarisiert sind.

Kritikpunkt ist, daß "Geschlecht als Krise" bereits eine Interpretation darstellt; "Krise" setzt das subjektive Empfinden einer solchen voraus, da es ansonsten lediglich das Empfinden des Analysierenden ist.

Nein. Das würde nur zutreffen, wenn das Ich der Geschlechtsidentität vorgängig wäre. Butler hat gerade gezeigt, daß Geschlechtsidentität die Voraussetzung für Identität ist, ohne die es nicht lebensfähig ist. Doch in ihrem Verständnis sind solche Geschlechtsidentitäten eben keine vordiskursiven Gegebenheiten, sondern bereits Produkte einer bestimmten Machtkonfiguration (heterosexuelle Matrix).

- Jetzt fällt mir auch wieder ein, warum ich den Film beim ersten Mal nicht durchgehalten habe: Die Figuren waren überzeichnete Stereotypen, mit denen ich mich beim besten Willen nicht identifizieren konnte. Ein solches "Geschlechterbild" ist die Karikatur des wirklichen Lebens, das in jeder Beziehung differenzierter ist. Die Theorie über das Bild ist Theorie über eine Theorie, nicht die Realität.

Ein Zeichen der Krise;-) Geschlechtsidentität (Mann/Frau) sind immer Stereotype. Es wird immer Punkte in jedem Menschen geben, die während der Identifikation als Mann/Frau verworfen werden.

Eine abschließende Bemerkung zum Film: Die "Lösung" des Problems, die Sprengung der (als Phallus-Symbole identifizierten) Wolkenkratzer, ist eine Scheinlösung - die symbolische Vernichtung des Geschlechtsbildes ist nur möglich durch Vernichtung der Kultur (Stadt) als solcher. Und wie die Protagonisten richten wir unser Augenmerk primär auf die ästhetische Seite dieses Fanals, denn eine wirkliche Lösung bietet es nicht ...

Ich sehe in Wolkenkratzern keine Phallus-Symbole und wollte das damit jetzt nicht ausdrücken. Der Film geht jedoch grundsätzlich kritisch mit Gewalt um.

Aber danke für den Hinweis ;-)

Gern geschehen.


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