Re: Sind Jungen in der Schule benachteiligt?
Als Antwort auf: Re: Sind Jungen in der Schule benachteiligt? von Ekki am 28. Januar 2004 13:03:54:
Dieser Text geistert jetzt schon seit etlichen Jahren quer durchs gesamte deutschsprachige Internet. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon über ihn gestolpert bin.
Nun, ich muß sagen, ich nehme ihn immer wieder mit gemischten Gefühlen auf. Ich habe nämlich ein wenig das Gefühl, daß dieser Kucklick einer von der ganz schlauen Sorte ist oder sich das zumindest einbildet. Ich habe nämlich den Eindruck, daß er die Wurst von beiden Seiten her anschneiden will. Soll heißen, daß er sich - weils schick ist - einerseits an der derzeit laufenden Männerverteufelung beteiligt und sich auf der anderen Seite gleichzeit als Männerrechtler aufspielt - gewissermaßen um vorzusorgen, wenn es mal andersrum kommt. Ich will mal versuchen, das anhand von ein paar Textbeispielen zu belegen.
Frauen sind benachteiligt, Männer privilegiert - stimmt das noch? Die >Zweifel wachsen, weil Frauen mächtig aufholen.
Soweit kann man auf jeden Fall mal zustimmen.
Und weil sich eine »Krise
der Männer« immer deutlicher abzeichnet.
Hier beginnt sich bereits ein bitterer Beigeschmack einzustellen. Diese abgenudelte, ausgelutschte, abgedroschene Phrase von einer angeblichen Krise des Mannes - ich kann sie nicht mehr hören! Ich kann sie nicht mehr hören! Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr mir dieser Spruch bereits auf das Geschlechtsteil geht. Einfach weil er bösartig, gehässig und unsachlich verpauschalierend ist. Viele Männer, die tagtäglich bemüht sind, beruflich und privat ihr Bestes zu geben, werden dadurch samt und sonders als Schlappschwänze, Nieten und Versagen abqualifiziert. Widerlich!
Es war einmal eine Wahrheit. Die lautete: Frauen - und nur Frauen - sind >benachteiligt. Pauschal, global.
Hier wieder Zustimmung.
Die Wahrheit hat Konkurrenz bekommen. Durch die Wirklichkeit, in der vor >allem die Frauen der Industrienationen einen beeindruckenden Aufstieg >geschafft haben.
Das mag sachlich stimmen. Was allerdings die Formulierungen betrifft, so habe ich das Gefühl, daß er sich hier wieder bei den sogenannten "Powerfrauen" einschleimen will. Ich glaube unterschwenglich spielt hier ein bißchen dieses abgedroschene Klischee mit, das Matussek vor Jahren in seinem genialen Spiegelartikel angegriffen hat: "Frauen sind alle großartig, Männer Triebtäter mit Erbsenhirnen. Frauen sind alle im Aufsteigen begriffen, Männer gehen geschlossen den Bach herunten."
Und durch neue Erkenntnisse über den Mann. Dem es bei weitem nicht so >blendend geht, wie es das Klischee vom privilegierten Patriarchen >suggeriert.
Wieder Zustimmung. Das ist irgendwie so ein Heiß-Kalt-Bad.
Frauen können, so die Berliner Publizistin Katharina Rutschky, "als die >eigentlichen Gewinner der Modernisierung in den westlichen >Industriegesellschaften gelten". Besonders die jüngere Generation >profitiert von verbesserten Lebenschancen.
Etwa in der Schule. Dort haben Mädchen ihre männlichen Klassenkameraden >deutlich abgehängt. Als Faustformel gilt: Je anspruchsvoller der >Schultyp, desto höher der Anteil der Mädchen. Bei Jugendlichen ohne >Schulabschluss, Sonderschülern, Hauptschülern stellen Jungen die große >Mehrheit. Auf den Gymnasien und den Fachschulen dominieren dagegen >Mädchen, bei Studienanfängern herrscht nahezu Geschlechterparität. In >puncto Leistung liegen Schülerinnen ebenfalls vorn, sie bringen die >besseren Noten nach Hause: Jahr für Jahr bleiben mehr als doppelt so >viele Jungen wie Mädchen sitzen.
Allerdings: Nachdem das Dogma von den diskriminierten Mädchen lange die >schulpädagogische Debatte beherrschte, seien heute Studien über und >Förderprogramme für Jungen dringend erforderlich, moniert etwa der >Berliner Erziehungswissenschaftler Ulf Preuss-Lausitz: "Schulversagen ist >vor allem ein Jungenproblem. Wer sich als Geschlechterforscher darum >nicht kümmert, dem muss man sagen, dass er - oder sie - sich vor der >wichtigsten schulischen Thematik drückt."
Jenseits der Klassenzimmer setzen sich die Nöte der Jungen fort. Sie sind >die modernen Sorgenkinder. Sie leiden öfter unter Sprach-, Lese- und >Schreibstörungen, sind häufiger geistig behindert, zeigen mehr >Verhaltensauffälligkeiten. Sie sind doppelt so häufig Bettnässer wie >Mädchen, stottern viermal so oft, und siebenmal wahrscheinlicher ist, >dass bei einem Jungen das "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom" (ADS) >diagnostiziert wird. Was unter anderem zur Folge hat, dass mehr Jungen >medikamentös "ruhig gestellt" werden. Auch die Gewalt, die sie - weit >mehr als Mädchen - ausüben, stecken sie überwiegend selber ein: Jungen >erleiden doppelt so oft wie gleichaltrige Mädchen Körperverletzungen und >werden achtmal häufiger beraubt.
Auch hier muß man sagen: Sehr gut, daß er daß entgegen dem herrschenden Zeitgeist einmal sehr deutlich zur Sprache gebracht hat.
Vor allem Männer zeigen sich halsstarrig, in für das andere >Geschlecht "typische" Berufe zu wechseln - eine unvernünftige Weigerung, >denn solchen Berufen gehört die Zukunft.
Das muß man, glaube ich, sehr viel differenzierter sehen, was den Vorwurf der angeblichen Halsstarrigkeit betrifft. Instinktiv weigere ich mich dagegen, den bösen, bösen Männern die Schuld dafür allein in die Schuhe zu schieben. Ich glaube, da sollte man sehr genau untersuchen, inwieweit da nicht auch Frauen mit beteiligt sind. Die Welt ist nicht schwarz und weiß.
Und dann habe ich mit dieser Aussage insofern ein wenig ein Problem, da ich sie für eine unreflektierte Anbiederung an das feministische Dogma Die-Zukunft-ist-weiblich halte.
Für die USA ermittelte das "Bureau of Labor", dass die am schnellsten >expandierenden Gewerbe "weiblich" sind:
Was ich eben geschrieben habe. Das übliche "Die Zukunft ist weiblich"-Gewäsch.
Die einstigen Malocher der Industriegesellschaft werden nicht mehr gebraucht, weil ihre Qualitäten vor allem: Muskelkraft - nicht mehr gefragt sind,
Na, na, na, hier wirds aber wirklich unsachlich. Diese ebenfalls schon sehr abgedroschene Phrase von den in Zukunft angeblich nicht mehr benötigten männlichen Berufen regt mich inzwischen gewaltig auf. Jede Arbeitsmarktstatistik belegt ja wohl das Gegenteil! Extrem gefährliche, anstrengende oder schmutzige Berufe werden nach wie vor zu einem übergroßen Teil von Männern wahrgenommen! Wer rackert sich denn in Kanalisationen, bei der Müllabfuhr, auf Bohrinseln oder unter Tage ab und büßt dabei oftmals einen Teil seiner Gesundheit ein? Wer riskiert in Autobahnmeistereien nahezu täglich, bei seiner Arbeit überrollt zu werden? Wer marschiert denn bei der Feuerwehr ohne Rücksicht auf das eigene Leben oder die eigene Gesundheit geradewegs in brennende Häuser hinein, um Menschenleben zu retten? Wer riskiert in Munitionsentschärfungskommandos und Anti-Terror-Einheiten, bei jedem Einsatz durch die Tat eines Irren sein Leben zu verlieren? Das sind größtenteils Männer! (In Bezug auf diese Tatsache und darauf, daß die höhere Zahl von Arbeitsunfällen unter Männern von Pseudo-Feministinnen seit einiger Zeit in zynischer Weise als Zeichen für die Blödheit von Männern gewertet wird, kursiert in Männerrechtskreisen seit einiger Zeit ja schon der Witz von der feministischen Unternehmerin, welche räsoniert, daß in ihrer Modeboutique noch niemals eine Angestellte von einem umkippenden Bulldozer zerquetscht worden sei, was ohne Frage auf die geistige Überlegenheit von Frauen zurückführen sei.)
Das soll nicht heißen, daß zu einem Teil dieser Arbeiten Frauen nicht ebenso in der Lage wären bzw. würde es an dieser Stelle zu weit führen, darüber zu spekulieren, warum das nach wie vor hauptsächlich Männerdomänen sind. Das sei jetzt mal dahingestellt. Mir war es nur einmal wichtig, festzuhalten, daß es eine Reihe von gesellschaftlich wichtigen, aber äußerst undankbaren Berufsfeldern gibt, in welchen fast ausschließlich Männer tätig sind und daß es fast schon eine menschenverachtende Perversion ist, diese ohnehin schon unbedankten, entbehrungsreichen Jobs auch noch als 'überflüssig' und 'aussterbend' zu beschimpfen.
Der Anteil der Männer am gesamten Arbeitsmarkt sinkt stetig. Die >Erwerbslosigkeit von Männern zwischen 25 und 45 Jahren hat sich in den >letzten 30 Jahren in Deutschland verdreifacht; EU-weit nehmen heute 22 >Prozent der Männer im Erwerbsalter nicht mehr am Arbeitsleben teil, 1968 >waren es nur acht Prozent.
Hier wieder volle Zustimmung, dafür daß er sich traut, das lange tabuisierte Problem der männlichen Arbeitslosigkeit beim Namen zu nennen.
Die Informations- und Servicegesellschaft erfordert Qualitäten, die >Frauen aufgrund ihrer Sozialisation eher mitbringen als Männer: Talent >für Kommunikation und Teamwork, Dienstleistungsbereitschaft, hohe soziale >Kompetenz.
Frauen sind ja alle sooooo sozial, blablabla, das kennen wir auch schon das Geschwafel ...
Außerdem schwinden Vollzeit-Arbeitsplätze. Waren 1970 noch 83,6 Prozent >aller Jobs wochenfüllend, so sind es heute nur rund 68 Prozent. Der Beruf >auf Lebenszeit ist eine Sache der Vergangenheit, die Zukunft >wird "Patchwork-Biografien" gehören: diskontinuierlichen Lebensläufen, >die durch verschiedenste Tätigkeiten, Ausbildungen, Babypausen, >Nachschulungen, "Sabbatjahre" gekennzeichnet sind. Auch dafür, sagen >Berufsforscher, seien Frauen besser gewappnet.
Dieser Zusammenhang, also warum Frauen dafür angeblich besser geeignet seien sollen, leuchtet mir überhaupt nicht ein. Wenn ich hier jetzt aufzählen würden, wo ich mich beruflich schon alles herumgetrieben habe, da würde das Forum explodieren ...
Ein unaufhaltsamer Aufstieg der Frauen also? Endlich Gleichstand? Noch >nicht ganz. Es halten sich hartnäckig weibliche Begrenzungen im >Berufsleben, Problemzonen, die sich der Entwicklung bislang versperrt >haben. Immerhin aber sind sie auf drei deutlich umrissene Felder >zusammengeschrumpft: die Unvereinbarkeit von Karriere und Kind, die >ungleiche Bezahlung und die mangelnde Präsenz von Frauen in >Führungspositionen.
Diese angeführten Punkte könnte man im einzelnen durchaus auch noch hinterfragen, aber ich will mein Post nicht so sehr in die Länge gehen lassen.
Birgit Breuel kann eine Expo ebenso schlecht organisieren wie ein Mann, >Margaret Thatcher ebenso energisch Krieg führen wie Bill Clinton.
Fast revolutionär. Hier wagt es doch tatsächlich mal jemand zu sagen - noch dazu ein Mann - daß Frauen auch unfähig oder böse sein können. Wo Frauen doch sonst immer überirdische Wesen sind. Also, dieser Kucklick ist eine seltsame Mischung.
Spitzenpositionen locken junge Frauen offenbar weniger als ihre >männlichen Konkurrenten: Einer Umfrage zufolge waren nur 28 Prozent der >Frauen, aber 40 Prozent der Männer auf hohen sozialen Status erpicht. Für >eine knappe Mehrheit der jungen deutschen Frauen, ermittelte das Institut >für Demoskopie Allensbach, gilt zudem "Mutter mit Teilzeitbeschäftigung[/link]als die attraktivste Lebensform - und nicht der Vorstandsvorsitz.
Auch ziemlich revolutionär.
Gemeinhin wird daraus geschlossen, dass Frauen für die gleiche Arbeit >weniger Geld bekommen. Das aber stimmt nicht, wie eine Untersuchung des >Statistischen Bundesamtes ergab: Bei vergleichbarer Qualifikation, >Tätigkeit und Berufserfahrung verdienen die meisten Frauen auch etwa >gleich viel. Der Abstand im Durchschnittseinkommen ergibt sich vor allem >daraus, dass a) Frauen eher in Branchen mit insgesamt niedrigerem >Lohnniveau arbeiten, sie b) häufiger Teilzeitstellen besetzen und sie c) >aufgrund von Babypausen meist weniger Berufsjahre vorweisen oder nach dem >Wiedereinstieg oft viel schlechtere Beförderungschancen haben. Der >schlechte Durchschnittslohn spiegelt also vor allem die Unvereinbarkeit >von Kind und Karriere.
Ebenfalls ziemlich mutig, diesbezüglich herrschende Dogmen zu hinterfragen.
Hier hat sich nicht viel getan. Noch immer fehlen Kindergärten, noch >immer bieten Arbeitgeber nur wenige familien-freundliche, flexible >Arbeitsmodelle an.
Kann man unkommentiert zustimmen.
In Norwegen, zum Beispiel, nehmen 80 Prozent aller Väter mindestens vier >Wochen Kinderpause - weil sonst der Anspruch auf den großzügig bemessenen >Erziehungsurlaub teilweise verfällt. Und da Väter nicht mehr exotisch >wirken, wenn das fast alle Männer tun, nehmen 13 Prozent der Norweger >dann auch eine längere Auszeit, Tendenz steigend.
Na, ihr feministischen Politikerinnen und Politiker, warum führt ihr dann nicht das norwegische Modell ein? Dann habt ihr genau das, was ihr immer fordert. Ihr habt wohl Angst, daß euch das Feindbild Mann abhanden kommt, weil ihr dann nicht mehr wißt, auf wen ihr eure Unfähigkeit abwälzen könnt?
Die Regelung in dem skandinavischen Land soll ausdrücklich das Recht der >Väter auf Kontakt zu ihren Kindern stärken. In Deutschland aber wird die >Debatte vor allem mit Blick auf die Frauen geführt, obwohl unbestritten >ist, dass die Diskriminierung in beide Richtungen wirkt: Der >wirtschaftliche Druck benachteiligt die Mütter in der Arbeitswelt - und >die Väter in den Familien.
Auch das mußte mal gesagt werden.
Einige Eckdaten der "Männerkrise":
Mein schwerwiegendes Gewäsch von einer angeblichen Männerkrise habe ich ja schon geschildert.
Männer leben weniger lange als Frauen - in Deutschland und den meisten >anderen Industrieländern durchschnittlich um rund sieben Jahre;
Männer sind - alles in allem - öfter krank als Frauen;
Männer begehen dreimal häufiger Suizid als Frauen, im Alter von 20 bis >25 Jahren sogar mehr als viermal so oft;
Männer sind das Gewaltgeschlecht. Als Täter - und als Opfer. Rund 84 >Prozent aller verurteilten Straftäter sind Männer. Und weil sie öfter >schwerere Delikte verüben, also auch härter bestraft werden als Frauen, >stellen sie 96 Prozent aller Gefängnisinsassen. Auch das Risiko, Opfer zu >werden, ist bei praktisch allen Delikten für Männer weitaus höher (Ausnahme: Sexualstraftaten);
83 Prozent aller Arbeitsunfälle - und fast 95 Prozent der tödlichen - >treffen Männer, weil fast ausschließlich Männer in gefährlichen Jobs >arbeiten;
Männer leiden überdurchschnittlich oft an Alkohol- oder Drogensucht;
schätzungsweise 70 Prozent aller Obdachlosen sind Männer.
Höre ich bei all diesen Punkten eine gewisse Gehässigkeit des Autors heraus? Und bei dem Punkt mit den Arbeitsunfällen kann ich nur auf das bereits weiter oben geschriebene mit den angeblich nicht mehr benötigten "männlichen" Berufen verweisen. Vor allem Männer müssen sich in sehr schmutzigen, gefährlichen und gesundheitsschädlichen Berufen abrackern. Diese Berufe besitzen darüber hinaus oftmals noch ein sehr geringes soziales Ansehen. Und weil sie dadurch eine geringere Lebenserwartung haben und öfters krank werden, müssen sie sich noch mit dem Scheiß mit der "Männerkrise" anrüpeln lassen? Das ist ja widerlich! Pfui Teufel!
"Mannsein ist eine hochriskante Lebensform", kommentiert Walter >Hollstein, Professor für Politische Soziologie in Berlin. Denn was einen >Mann landläufig zum Mann macht, schadet ihm zugleich: gefährliche Jobs, >Rauchen, Trinken, riskanter Sport, Aggressivität, Gewaltneigung - >Verhaltensmuster, denen Männer sich fügen, um gesellschaftlich als "ganze >Kerle" zu gelten.
Mag sicher stimmen. Aber sind da nicht zum Teil auch die Frauen dran schuld, indem sie sich zu solchen Kerlen hingezogen fühlen?
In Wirklichkeit laufen die Männer heutzutage in eine Falle: Sie eichen >sich auf Erfolg, Leistung, Macht, Karriere, Konkurrenz - mit allen >negativen Konsequenzen für die Lebensqualität: Entfernung von der >Familie, soziale Vereinsamung, schlechte Gesundheit, Sinnkrisen.
Na ja, das kann man so auch nicht verallgemeinern.
Wie die "Produktion" von Männern funktioniert, zeichnet sich immer >deutlicher ab. Der amerikanische Anthropologe David Gilmore hat in einer >weltumspannenden Studie die Konzepte von Männlichkeit in zahlreichen >Gesellschaften untersucht. Gemeinsam ist allen, dass Mannsein hart >erkämpft werden muss, es stets "unsicher und prekär ist, eine >Auszeichnung, die man gewinnen oder erobern muss". Zum Test der >Männlichkeit unterziehen viele Kulturen ihre Jungen brutalen >Initiationsriten.
Die wichtigste Lektion sei, so Gilmore, in allen Gesellschaften >stets: "Um zum Mann zu werden, müssen Männer die Tatsache akzeptieren, >dass sie entbehrlich sind." Männer werden von jeher getrimmt, ihre >eigenen Bedürfnisse einzuschränken, ihr Leben gering zu achten, es >notfalls für andere einzusetzen, wie es etwa das Kommando "Frauen und >Kinder zuerst" auf einem sinkenden Schiff nahe legt. Alle Erziehung zielt >auf diese Selbstaufgabe, und der Katalog männlicher Imperative - Sei >hart! Beiß dich durch! Weine nicht! - ist ein ins Heroische gewendeter >Befehl zur eigenen Abwertung.
Darin besteht der tiefere Zusammenhang zwischen Selbstbild und >Selbstzerstörung der Männer. Sie werden angehalten, ihre Existenz aufs >Spiel zu setzen: im Beruf, im Krieg, um zu retten, um zu verteidigen, um >zu ernähren. Männliche Rituale auf Schulhöfen, auf Sportplätzen, in der >Armee dienen, vor allem dazu, die Bereitschaft zur Selbstaufopferung >wachzuhalten und das zugleich durch eine lärmende Unerschrockenheit zu >artikulieren. Das Patriarchat mag viel zerstören - vor allem aber seine >Söhne.
Kritik daran lasse ich mir bis zu einem gewissen Punkt sicherlich einreden.
Wie tief diese archaische Haltung ins kollektive Unterbewusstsein >gebrannt ist, zeigt sich heute noch etwa an der Bundeswehr. Denn die >Wehrpflicht ausschließlich für Männer ist ein offensichtlicher Sexismus: >Nur junge Männer sind gezwungen, ihren Körper dem Staat zur Verfügung zu >stellen, nur sie werden auf ihre Bereitschaft hin gemustert, notfalls für >die Gemeinschaft zu sterben. Weigern sie sich, sowohl beim Bund als auch >beim Zivildienst zu dienen, können sie kriminalisiert und eingesperrt >werden.
Volle Zustimmung!
Anders als Frauen bietet sich Männern kein klar definiertes Feindbild. >Der Gegner sind immer auch sie selbst und ihre eigenen Verhaltensweisen.
Nein, nein, nein. Ganz so simpel ist es nicht. Klar definierte Feindbilder gibt es durchaus. Etwa jene biologistischen Ar......... und Faschistenschweine, die diesen unhaltbaren Y-Chromosom-Unsinn faseln. Diese Metrosexualitätsspinner, die diesen Unsinn labern von wegen der Mann soll seine weibliche Seite ausleben und so einen Schwachsinn. Die Aufzählung könnte ich noch eine Weile fortsetzen.
... wünschen sich Mütter eher Töchter.
Nach Lage der Dinge haben Mütter den richtigen Riecher. Ein Junge, ein >Mann in spe - das könnte heute in der Tat die schlechtere Wahl sein. In >jedem Fall: eine schwierige.
Ich kann nur hoffen, daß er diese Geschmacklosigkeit in allererster Linie auf sich bezieht.
gesamter Thread:
- Sind Jungen in der Schule benachteiligt? -
reinecke54,
28.01.2004, 14:05
- Re: Sind Jungen in der Schule benachteiligt? -
Ekki,
28.01.2004, 15:03
- Re: Sind Jungen in der Schule benachteiligt? - Christoph, 28.01.2004, 22:21
- Re: Sind Jungen in der Schule benachteiligt? JA! - Bruno, 28.01.2004, 16:12
- Re: Sind Jungen in der Schule benachteiligt? -
Ekki,
28.01.2004, 15:03