Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Sind Jungen in der Schule benachteiligt? JA!

Bruno, Wednesday, 28.01.2004, 16:12 (vor 8044 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Sind Jungen in der Schule benachteiligt? von reinecke54 am 28. Januar 2004 12:05:52:

Maedchen scheinen bundesweit in Mathe & Naturwissenschaften

schlechter zu sein. <

...Nein. Sieh nach in der PISA-Studie unter geschlechtsspeziofische Unterschiede (mit Google gbts da verschiedene Angebote).

In Deutschland: In Naturwissenschaften kein signifikanter Unterschied.

In Mathematik die Jungen besser

Im Lesen die Jungen erheblich schlechter.

Da in allen PISA-.Ländern die Jungen wesentlich schlechter sind als die Mädchen, betont PISA, dass die größeren Probleme der Jungen eine beondere bildungspolitische Herausforderung darstellten. Kümmern tut´s offensichtlich kaum jemand.

Du kannst natürlich auch den Gender Mainstreaming Ansatz nehmen. Schau mal nach, wie hoch der Anteil der Jungenateil in Gymnasien, der Hauptschulen und der Schulabrecheranteil der Jungen ist. (z.B. "Mädchen und Jungen in der Schule" von der GEW). Nach Gender mainstreaming eine klare Geschlechterdifferenz, deren Ursache erforscht und bekämpft werden müsste. In der Realität freuen sich alle über die besseren Leistungen der Mädchen und das war´s dann.

Zurück zu PISA:

Zitat aus http://www1.oecd.org/deutschland/Dokumente/pisasummary.doc

"Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen
Im Bereich Lesekompetenz liegen die Mädchen deutlich vorn, während geschlechtsspezifische Unterschiede in den anderen Bereichen deutlich geringer sind.
PISA 2000 zeigt ein mehr oder weniger konsistentes Muster der geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern: In allen Ländern erreichen Mädchen in der Lesekompetenz im Durchschnitt ein höheres Leistungsniveau als Jungen. In Deutschland ist dieser Vorsprung mit 35 Punktion etwas größer als im OECD Mittel (29 Punkte) (vgl. Tabelle 5.1a). Im Bereich der mathematischen Grundbildung bestehen in etwa der Hälfte der Länder, darunter auch Deutschland, statistisch signifikante Unterschiede, wobei die Jungen im Mittel die besseren Ergebnisse aufweisen. Im Bereich der naturwissenschaftlichen Grundbildung sind die Differenzen zwischen Jungen und Mädchen geringer, und das Muster der Unterschiede ist uneinheitlich (vgl. Tabelle 5.1a). Auch in Deutschland lassen sich im Bereich naturwissenschaftliche Grundbildung keine signifikanten Unterschiede feststellen.
Die Unterschiede in der Lesekompetenz zwischen Jungen und Mädchen sind zumeist ausgeprägter auf der höchsten Kompetenzstufe „Reflektieren und Bewerten“, also bei Aufgaben, die eine kritische Einschätzung erfordern und bei denen es darum geht, Texte mit eigenen Erfahrungen, Kenntnissen und Vorstellungen zu verknüpfen. Im Durchschnitt machen die geschlechtsspezifischen Unterschiede auf der Skala „Reflektieren und Bewerten“ 48 Punkte zu Gunsten der Mädchen aus (OECD Mittel 45 Punkte), im Vergleich zu 33 Punkten auf der Skala „Textbezogenes Interpretieren“ (OECD Mittel 29 Punkte) und 26 Punkten auf der Skala „Informationen ermitteln“ (OECD Mittel 26 Punkte) (Tabelle 5.1b).
Die Leistungsschwäche der Jungen im Bereich Lesekompetenz stellt in Deutschland wie auch in den meisten anderen OECD Staaten ein gravierendes Problem dar, ...
Die politischen Entscheidungsträger haben Fragen der Gleichstellung von Jungen und Mädchen eine erhebliche Priorität eingeräumt, wobei den Benachteiligungen von Mädchen besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Ergebnisse von PISA weisen einerseits darauf hin, dass viele Länder in ihren Bemühungen erfolgreich waren, andererseits aber auch auf zunehmende Probleme männlicher Schüler vor allem im Bereich Lesekompetenz und am unteren Ende des Leistungsspektrums. In allen OECD-Ländern ist die Wahrscheinlichkeit für Jungen, zu den leistungsschwächsten Schülern zu zählen, also auf der Gesamtskala Lesekompetenz auf Leistungsstufe 1 und darunter zu liegen, höher als für Mädchen, wobei das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen auf dieser Stufe in den OECD-Ländern von 1,3 bis 3,5 reicht (Deutschland 1.5) (vgl. Tabelle 5.2a).
... und in der mathematischen Grundbildung ist der durchschnittliche Vorsprung der Jungen offenbar nur auf die herausragenden Leistungen einiger zurückzuführen.
Auf der Skala für mathematische Grundbildung schneiden Jungen im Allgemeinen besser ab als Mädchen. Ein Großteil dieser Unterschiede ist jedoch nur auf die größeren Differenzen zu Gunsten der Jungen bei den leistungsstärkeren Schülern und nicht auf einen niedrigeren Anteil an Jungen unter den leistungsschwächsten zurückzuführen (Tabelle 5.2b).
Diese Ergebnisse zeigen, dass die schwachen Leistungen der Jungen in den meisten OECD Staaten eine ernste bildungspolitische Herausforderung darstellen, der besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte, um den Anteil der Schülerinnen und Schüler auf dem untersten Leistungsniveau zu verringern.
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind möglicherweise auch eine Folge der Selektions- und Selbst-Selektionsmechanismen in stark gegliederten Bildungssystemen.
Die Selektions- und Selbst-Selektionsmechanismen in stark gegliederten Bildungssystemen sind möglicherweise ein Faktor, der für die geschlechtsspezifischen Unterschiede mit verantwortlich ist. Mit Ausnahme Koreas sind Mädchen in den anspruchsvolleren Sekundarstufe-II-Programmen, die zur Hochschulreife hinführen, überrepräsentiert. In den 16 Ländern, deren Bildungssysteme unterschiedliche Schulzweige aufweisen und die Angaben zur Schülerbeteiligung an den einzelnen Programmen machen, liegt der Anteil der Mädchen in hochschulorientierten Programmen um 8% über dem der Jungen, in Polen beträgt der Abstand mehr als 20%. Unter den Schülerinnen und Schülern von Zweigen, die zur Hochschulreife hinführen, sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Bereich Lesekompetenz generell geringer (zu Gunsten der Mädchen), während sie tendenziell in der mathematischen Grundbildung (zu Gunsten der Jungen) im Vergleich zur Gesamtpopulation der 15-jährigen Schüler doppelt so groß sind.
Motivation und Interesse sind wesentliche Einflussfaktoren.
PISA deutet auch darauf hin, dass die Motivation und das Interesse von Jungen und Mädchen an den jeweiligen Fachgebieten von Schule und Gesellschaft unterschiedlich wirksam gefördert werden. Während die Jungen in Deutschland unterdurchschnittliches Interesse am Lesen zeigen, zeigen die Mädchen in Deutschland überdurchschnittliches Interesse (vgl. Tabelle 4.1). Außerdem liegt der Anteil der Jungen die angeben generell nicht zum Vergnügen zu lesen mit 52% deutlich über dem OECD Mittel (40%) während er bei den Mädchen mit 29% nur knapp über dem OECD Mittel liegt (23%) (Tabelle 5.3).
Die enge Wechselbeziehung zwischen dem Interesse an einem bestimmten Fach und den Lernerfolgen (vgl. Tabelle 4.1 und 4.2) weist darauf hin, dass die unterschiedlichen Gewohnheiten und Interessen von Jungen und Mädchen weitreichende Konsequenzen für das Lernen haben und dass die Bildungspolitik hierauf eingehen muss."

Gruß

Bruno


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