Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Robert Merle, Die geschützten Männer

Rüdiger, Friday, 19.12.2003, 20:23 (vor 8084 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Rezension: Y. The last man von Arne Hoffmann am 19. Dezember 2003 17:46:42:

Hallo Arne,

*** SPOILER ALERT:

Ts ts ts, was sind denn das wieder für Ausdrücke!? Ich kenn so was nur als Teil eines Autos.

>Ein besonderes Problem stellen für Yorick bald die sogenannten "Amazonen" dar, die das Massensterben der Männer als einen Akt Gottes interpretieren, um fortan seinen Willen fortzuführen, indem sie die "Symbole des Patriarchats" beschmutzen, sämtliche Samenbanken niederbrennen und im unpassendsten Moment männerfeindliche Statistiken zitieren.

Kennst Du den schon 1974 erschienenen Roman des (kürzlich 95 gewordenen) französischen Autors Robert Merle "Die geschützten Männer"? Inhalt: Eine (allerdings auf die USA beschränkte) Epidemie läßt fast alle Männer im fortpflanzungsfähigen Alter sterben. Die Radikalfeministinnen erringen die Macht und versuchen (insofern typisch USA), den Rest der Welt ebenso zu beglücken. Nur der standhafte französische Macho-Präsident widersteht (fast so wie heute), und Fidel Castro natürlich auch. Religiöse Fanatiker geben, auch typisch USA, das Ganze als Strafe Gottes aus und plädoyieren für Selbstkastration, um der Seuche zu entrinnen und moralisch gut zu sein. Feministinnen beherrschen auch die Rechtsprechung; wenn z. B. mehrere Mädels, sexuell ausgehungert, sich auf einen alten, noch intakten Mann stürzen, so wird das flugs in eine männliche Aggression umgedeutet. In einem Camp arbeiten noch nicht identifizierte männliche Wissenschaftler an einem Gegenmittel, sind aber nichts als Edelgefangene, und weder ihre Chefin, Konzernherrin eines Pharma-Konzerns, noch die Radfem-US-Präsidentin haben in Wahrheit ein Interesse an der erfolgreichen Entwicklung eines solchen Mittels. Schließlich gelingt (mit dem schließlich entwickelten Mittel) der Ausbruch und die Flucht über die nahe kanadische Grenze.

Die Radfem-US-Herrschaft wird schlíeßlich gestürzt, aber mangels Männern etabliert sich dann so was wie ein "Matriarchat light", die wenigen Männer sind umworbene Luxusgeschöpfe (wie einst die Frauen), Bauarbeiterinnen pfeifen ihnen hinterher etc. (ganz amüsant, aber ich würde doch die Emigration nach Frankreich empfehlen).

Näheres bei Amazon. Etliche fanden den Roman nicht so toll, ich habe ihn in einem Zug durchgelesen. Ich hab mir den Roman bei Amazon in einer gebrauchten alten 70er-Jahre-DDR-Ausgabe besorgt; der Klappentext sülzt irgendwas von der "Frau im Sozialismus" und daß man durch diesen verfremdeten Blick erst recht etliche Benachteiligungen (sc. der Frauen) erkenne - hat alles mit dem recht brisanten, Menschenrechte etc. ansprechenden Text rein gar nichts zu tun. Erstaunlich, daß so was in der DDR überhaupt gedruckt werden konnte; Robert Merle war dort überhaupt weitaus geschätzter als hier im Westen, sagte der Deutschlandfunk im letzten Sommer anläßlich der Würdigung seines 95. Geburtstags.

Viel Spaß und Gruß,

Rüdiger



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