Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Über "Sind Frauen bessere Menschen?"

Texaco, Tuesday, 16.12.2003, 14:52 (vor 8087 Tagen)

Ich lese gerade Arne Hoffmanns "Sind Frauen...?" Auch ich möchte dem Autor mein Feedback geben, das aber noch etwas hastig ausfällt.

Es sind wohl zwei Ausgangspunkte, die einen zum Lesen animieren:

1. Mann fühlt sich in der Defensive. Die Anklagen des Feminismus stehen im Raum, ihnen wird aber nicht widersprochen. Wer dies doch tut, gerät in eine Kommunikationsfalle: Männer wenden sich mit Grausen ab, Frauen machen einen zur Sau, und im Ergebnis stehen die Feministinnen paradoxerweise gleichzeitig aufgewertet (als inhaltlich diskussionswürdig) und unangreifbarer denn je da.

2. Man verspürt nicht nur ein Unbehagen am Feminismus (und gibt sich damit der Lächerlichkeit preis), sondern man ist durch Scheidung etc. zum "Opfer" gemacht worden. Man hat darunter dann nicht nur direkt zu leiden, sondern auch indirekt darunter, daß man nicht als solches anerkannt wird, sondern als "Loser" oder "Frauenfeind", wenn man sich darüber beklagt.

Der Autor hat sich dem Risiko ausgesetzt, und hat zu meiner (und vermutlich allgemeiner) Überraschung einige Fakten aufgestöbert, die zwar einzelnen bekannt waren, aber durch ihre Tabuisierung die weite Welt nicht erreichen konnten. Ich habe Feministinnen nie gemacht, aber ich wußte zuvor nicht WIE unrecht sie haben. Diesen oft beschriebenen umwälzenden Aha-Effekt verspüre ich nicht mehr, weil ich vorher im Internet viel gelesen habe.

Früher war der für mich entscheidende Aha-Effekt - ich habe das auch schon mal in einem anderen Forum geschrieben - dieser: Es geht gar nicht um einzelne Fehler, Lügen und Überspannheiten. Vielmehr haben diese Lügen System. Letzten Ende geht es nicht mehr um irgendwelche empirischen Daten, sondern um die Erkenntnis, wie einfach Männer durch Frauen manipulierbar sind, und wie selbstverständlich sich (manche?) Frauen dessen bedienen. Der Feminismus ist letztlich nur eine Spielart dessen. Zu diesem Fazit kommt man aber erst, nachdem man einmal erfahren hat, wie wirklich ein Mythos nach dem anderen gestürzt wird.

In den Foren kommt es immer wieder zur Sprache: Diese Erfahrung oder Einsicht unterscheidet die hier Versammelten praktisch vom Rest der (männlichen) Gesellschaft. Das ist kein Wunder: Die meisten Männer wissen nicht viel über ihre Frauen, die aus ihrer Aufklärung folgende Weltsicht ist nicht unbedingt attraktiv, die Widerlegung einzelner Mythen wird bagatellisiert oder abgestritten, das ganze Paket will sich aber auch keiner anhören, und überhaupt beweist diese ganze Faktenkenntnis doch nur, daß man zuviel Energie in die falschen Sachen steckt, was doch nur mit Frauenfeindlichkeit erklärt werden kann.

Wenn es einen Kritikpunkt an Arne Hoffmanns Buch gibt, dann ist es dieser: Der Durchschnittsmann wird nicht, wie man so sagt, "dort abgeholt, wo er steht". Schon der Titel schreckt ab. Welcher Durchschnittsmann muß sich denn wirklich vergessern, nichts schlechteres zu sein als eine Frau? Gleiches gilt für die Kapitelüberschriften mit ihren zugespitzten Thesen plus Fragezeichen. Schreibt sich da jemand frei, der peinlicherweise einmal Emma ernst genommen hat? Gehöre ich dazu? Nein.

Man vermißt eine Erzählerstimme wie sie "Magnum" immer hatte: "Ich weiß, was sie jetzt denken... (Sie werden jetzt sagen: So und so. Aber das ist es nicht. Sie müssen noch einen Schritt weiter denken. Es ist nämlich außerdem so, daß ...)"

Arne Hoffmann hat es geschafft, durch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit feministischen Thesen, die umfassend zu widerlegen bzw. zu zeigen, daß ihre Widerlegung längst existierte, aber totgeschwiegen wurde. Einige Leute haben aus dem Buch sehr viel gelernt. Damit es mehr werden, braucht es vermutlich eine andere Form der Vermittlung. Keine Kampflesben-Zitate als Schocker. Sondern die fortwährende Versicherung, daß man aus der Mitte der Gesellschaft stammt, daß man letztlich um ihrer Willen schreibt, und daß man auch ÜBER sie - und nicht über ein paar Genderbiotope - schreibt.

(Das alles findet sich natürlich auch in dem Buch. Aber die Aufmachung deutet in eine andere Richtung. Mir ist auch klar, daß ich eigentlich über zwei verschiedene Aufgaben schreibe: Die sachliche Arbeit einerseits und ihre Vermittlung an bestimmte Gruppen andererseits.)


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