Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Das Jahr 2003 - Tendenzwende im Geschlechter-Diskurs?

Odin, Tuesday, 16.12.2003, 13:28 (vor 8087 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Das Jahr 2003 - Tendenzwende im Geschlechter-Diskurs? von Emmalein am 15. Dezember 2003 21:20:50:

Nicht korrekt sind die unseriösen Reisser hinsichtlich der ach so hohen Frauengewalt. Sie liegt statistisch betrachtet unter der der der Männer, vor allem,was körperliche Gewalt angeht.

Die Hauptschwierigkeit ist die, daß sich Männer selten als Opfer FÜHLEN.
Warum gibt es z.B. keine Männerparkplätze, obwohl weitaus mehr Männer als Frauen überfallen werden? Frauen reklamieren ihr Opferdasein und schlachten es sowohl politisch als auch gesellschaftlich besser aus. Dies tun Männer kaum. Es entsteht auch Druck, wenn Männer dies versuchen. Der Druck ist vielseitig und ich habe ihn persönlich erlebt, wenn bekannt wird, daß ich Männerarbeit mache:
1) Ihr seit Jammerlappen - so oder ähnlich bereits mehrmals gehört
2) Wußte gar nicht, daß Du schwul bist - sogar von einem Freund habe ich den Satz gehört.
3) Du mußt persönlich stark betroffen sein, sonst tätest Du sowas nicht. Aber ICH bin nicht betroffen - bei den meisten Aktionen, um die ich mich kümmere (beispielsweise Väterarbeit) bin ich selbst nicht betroffen, ich sehe nur ein Ungleichgewicht und eine Benachteiligung und reagiere darauf.
4) Bist Du Frauenfeind? Tausendmal gehört!
5) Aber jeder weiß doch......

usw.

Öffentlichkeitsarbeit bedeutet für mich, gerade erstmal Männer klarzumachen, daß sie Opfer und benachteiligte sind - ohne, daß dies ihr Selbstbild infrage stellen muß.
Ich habe schon Jugendliche erlebt, die mich GEFRAGT haben, ob sie denn mißbraucht worden sind! Sie schilderten mir dann ein Ereignis, welches EINDEUTIG Mißbrauch war, aber sie bekamens nicht auf die Reihe und wollten sich nicht so sehen.

Gestern hatte ich ein Gespräch in einer Männergruppe und erzählte dort darüber, daß ich gerne mit Männern als Opfer arbeiten würde. Ich erzählte über die Zahlen zur häuslichen Gewalt. Der Mann, mit dem ich redete, war sehr überrascht und konnte nicht glauben, daß es soviele männliche Opfer von häuslicher Gewalt gäbe. Ich sagte ihm, daß man Männer auch nicht fragen darf, ob sie Opfer von häuslicher Gewalt sind, sondern man muß sie fragen: Ist dieses oder jenes mit Dir geschehen und ihnen damit zeigen, daß sie Opfer sind.
Darauf meinte mein Gesprächspartner ganz locker: Naja, ich bin von meiner Frau auch schon mal "gepufft" worden, aber das ist doch nicht (allen ernstes!)
Ich fragte zurück, ob er dasselbe auch mit seiner Frau machen würde und ob diese dann - mit derselben Handlung nur andersherum - seiner Definition nach ein Gewaltopfer wäre. "Ja, dann schon" war seine Antwort und wir mußten nicht weiterreden. Jetzt laß ich es erstmal in ihm arbeiten.

Noch ein letztes Beispiel: Ein befreundeter Therapeut erzählte mir aus seiner Praxis von einem Ehepaar, das jetzt in Scheidung lebt. Im Streit hat die Frau dem Mann eine Ohrfeige verpaßt. Der lies sich das nicht gefallen und gab ihr auch eine Ohrfeige.
Die lief daraufhin zur Polizei und mußte nun SEINE EIGENE Wohnung räumen und versteht die Welt nicht mehr!
Wieder einer mehr!


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