Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Hey, hey :-)

Maesi, Friday, 21.11.2003, 21:33 (vor 8112 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Hey, hey :-) von Arne Hoffmann am 21. November 2003 10:28:19:

Hallo Arne

herzlichen Dank für den Link! Unsere Anliegen werden ja allmählich wirklich Thema.

Ja, so langsam wird's schon. Immerhin werden einige bisher unangenehme Wahrheiten (z.B. Haeusliche Gewalt, benachteiligte Jungen in der Ausbildung, fragwuerdige selektive Quotenregelungen) thematisiert und einige interessante Links von Maennerrechts-Sites angegeben.

Es freut mich auch, dass dieser Artikel von Frau Florin stammt. Sie hatte mich schon auf der Buchmesse zu einer Podiumsdiskussion unter anderem mit Amelie Fried eingeladen, schien dabei unserer Position aber nicht besonders hold zu sein. (Vielleicht war sie auch nur gestresst durch die Messe.) Insofern finde ich es natürlich schön, dass sie hier unsere Themen noch einmal aufgegriffen hat.

Wenn ich diesen Artikel lese, scheint sie mir auch jetzt noch den Maennerrechtlern nicht besonders hold zu sein. Ihr Artikel trieft v.a. in der zweiten Haelfte von einer gewissen Ironie ('Verbissenheit statt Biss'). So schreibt die Autorin zum Bleistift von 'www.maskulist.de, als einem 'Forum wider die feminine Macht'. Dies ist aber definitiv fschla. Wenn schon, dann handelt es sich dabei um ein 'Forum wider die feministische Macht'. Auf der besagten Web-Site wird nicht weibliche (feminine) Macht kritisiert sondern die ideologisch-feministische Macht; ein feiner, aber halt sehr wesentlicher Unterschied. Frau Florin begeht damit einen Fehler, den auch viele Feministinnen begehen: sie verwechselt weiblich mit feministisch (boese Zungen behaupten sogar, dass sich die beiden Begriffe gegenseitig ausschliessen *fg*). Dabei haette ein einziger Blick auf den Header der Homepage von www.maskulist.de genuegt: 'Die Webseite zur Wahrung des maskulinen Ansehens - eine Abrechnung mit Begriffen, Thesen und Methoden radikalfeministischer Manipulation in Medien, Kultur und Gesellschaft'.

Frau Florin stellt desweiteren zwar fest, dass die meisten jungen Frauen mit dem orthodoxen Feminismus wenig anfangen koennen und laesst diesbezueglich auch Prof. Bock zu Wort kommen ('Es bestimmt eine Generation von Feministinnen die Politik, die junge Frauen gar nicht mehr repraesentieren. Aber die jungen Frauen tun eben nichts dagegen'). Tatsache ist aber auch, dass genau jener orthodoxe Feminismus die Schalthebel der Gleichstellungspolitik okkupiert hat und somit einen realen Machtfaktor darstellt. 10'000 25-jaehrige nichtfeministische Frauen (oder Maenner) haben eben wesentlich weniger Macht als eine einzige feministische Gleichstellungsbuerokratin, die in einer nahezu unkuendbaren Stellung die Bevoelkerung mit Desinformation und/oder die staatliche Verwaltung mit sexistisch-frauenfreundlichen Weisungs- und Quotenvorschlaegen ueberzieht; ob letztere sich tatsaechlich im Gebaerstreik befindet, eine Jutetasche mit der Frauenhaus-Telefonliste mitfuehrt und lila-Latzhosen oder topmodische Hosen, eine schicke Bluse und womoeglich noch hochhackige Pumps traegt, ist dabei voellig irrelevant (ausser vielleicht fuer Frau Florin selber zur Bestaetigung ihres billigen Klischees).

Und ob ein 'Damenfahrrad das Radwegschild ziert' ist nicht nur fuer die 25-jaehrige nichtfeministische Frau sondern auch fuer den Maennerrechtler weitgehend irrelevant; es zeigt aber den real existierenden Surrealismus in der feministischen Gleichstellungsszene, die sich mit solchen Nebensaechlichkeiten nicht nur abgibt, sondern womoeglich noch eine 'wissenschaftliche' Abhandlung darueber mit oeffentlichen Geldern sponsert (hoechstwahrscheinlich mit einer 25-jaehrigen Studentin oder Doktorandin als Autorin). Frau Florin uebt sich hier recht geschickt im Ablenken vom eigentlichen, wichtigen Thema.

Die Petition ueber eine gleichberechtigte Krebsvorsorge ist zugegebenermassen ein Mosaikstein; ebenso die Monierung eines Tagesschau-Beitrags, in dem die im OECD-Bildungsbericht als Verlierer skizzierten Jungen nicht genannt wurden, oder dass Roland Koch sich rechtfertigen muss, weil in Hessen unter Chancengleichheit nur Frauenfoerderung verstanden wird. Jeweils einzeln betrachtet, sind sie eher unwichtig; man beachte aber, dass viele Mosaiksteinchen ein ganzes Bild ergeben. Und zumindest das letzte dieser drei Beispiele ist hochpolitisch, zeigt es doch exemplarisch den in der praktischen staatlichen Gleichstellungspolitik innewohnenden Sexismus auf.

Dass die Maennerbewegung das eine oder andere von Alice Schwarzer lernen koennte, stimmt durchaus. Fragt sich bloss, ob man(n) das will. Gerade Frau Schwarzer legt naemlich nicht nur Biss sondern in erster Linie Verbissenheit an den Tag; auch wenn sie voellig moderat zwecks Imagepflege bei Alfred Biolek kocht und sich damit, fuer eine Feministin politisch voellig unkorrekt, in eine Kueche begibt - dem Eckpfeiler 'patriarchalischer Unterdrueckung' der Frau.

Insgesamt weckt der Artikel in mir als Maennerrechtler eher gemischte Gefuehle, und ich kann den Enthusiasmus von Dir und den anderen nur teilweise nachvollziehen. Frau Florin scheint die Anliegen der Maennerbewegung als politisch eher unbedeutend und teilweise gar als laecherlich zu empfinden, obwohl sie sich andererseits etlichen thematisierten Problemen nicht verschliessen kann und will. Aber sie kann ja noch ein wenig ueben, das naechste Mal klappt's vielleicht besser...

Auch ansonsten läuft es übrigens gut, ich bekomme momentan per Mail alle paar Tage Anfragen von verschiedenen Forschern, Studentinnen, die über häusliche Gewalt gegen Männer schreiben, und anderen Interessierten. Lange verschwiegene Probleme kommen immer mehr aufs Tapet.

Das freut mich und macht mir Mut. Viel Erfolg weiterhin!

Gruss

Maesi


gesamter Thread:

 

powered by my little forum