Re: Maesi
Als Antwort auf: Re: Maesi von Marie Juana am 09. November 2003 10:44:22:
Hallo marie juana
eigentlich ist es zum heulen und nicht zum *beifall-klatschen*, wie hier der mann sein *ohnmachtsgefühl* in *macht* verwandelt.
Hat er sein Ohnmachtsgefuehl tatsaechlich in Macht verwandelt? Wie Du selbst bestaetigst, hat er im Grunde genommen auch die letzte winzige Chance sein Kind noch zu sehen verspielt. Er wird weitherum als nicht ernstzunehmender Spinner angesehen. Worin besteht also seine durch die Aktion hinzugewonnene 'Macht'? Waere Dir fuer eine Erlaeuterung dankbar.
ich denke nicht, dass er in dieser situation an sein kind dachte, wahrscheinlich nur an sich selbst, seine wunden und seine ohnmacht. aber das ist legitim und menschlich verständlich.
Woran er dachte, wissen wir im Grunde genommen beide nicht, wir koennen nur Vermutungen anstellen...
nur jetzt beginnt die *instrumentalisierung*, denn das persönliche problem (es gibt auch fälle, wo das umgangsrecht ohne probleme verläuft)wird ihm aus der hand genommen und wird gegenstand einer auseinandersetzung, in der auch extreme positionen laut werden.
Sein persoenliches 'Problem' war ihm schon laengst aus der Hand genommen worden; er wurde durch seine Ex-Freundin, Gerichte, Anwaelte, Verwaltungsbeamte und moeglicherweise auch noch Psychologen in der Rolle von Gutachtern fremdbestimmt. Daran hat sich durch seine Tat ueberhaupt nichts geaendert. Er hoffte wohl, dass die Oeffentlichkeit sich fuer ihn einsetzen oder zumindest sein Umgangsproblem zur Kenntnis nehmen wuerde. Auch das hat (zumindest bisher) nicht geklappt. Er war voellig fremdbestimmt, was die Umgangsvereitelung angeht, und wird es bleiben.
Und die extremen Positionen, wie Du sie nennst, die gibt es ohnehin. Vertreter derselben werden sich auf alles stuerzen, das ihnen Munition liefert. In der vorliegenden Situation hatte sich im uebrigen schon laengst eine extreme Position durchgesetzt: naemlich jene, die dem Vater verbietet, sein Kind noch zu sehen.
solche instrumentalisierungen können doppelt problematisch werden; auf der einen seite, weil auf der handlungsebene der individuelle spielraum enger wird-auf der anderen seite, weil sich das ohnmachtsgefühl verstärken kann.
Du verwechselst Ursache und Wirkung. Chicks Aktion entsprang gerade aus der Tatsache, dass sein individueller Spielraum unertraeglich eng und das Ohnmachtsgefuehl uebergross geworden war; die Mutter hatte das wahre Opfer, das Kind, schon laengst instrumentalisiert. Letzten Endes muss dieser gescheiterte Vater selber mit seiner Situation fertig werden und wird die Konsequenzen fuer sein Tun tragen muessen; die Tatsache bleibt jedoch bestehen, dass seine Ex-Freundin mit Hilfe des Staates ihn in die Enge getrieben hat.
ich bin nicht so skeptisch wie du, wenn es um die `guten ratgeber´geht, denn es wäre besser gewesen, ruhig und beharrlich auf dieses gerichtlich zugestandene umgangsrecht zu bestehen und zu vesuchen, es zu ermöglichen.
Es waere besser gewesen, auf die 'guten Ratgeber' zu hoeren, die sich der Stumpfheit ihrer eigenen Argumente angesichts immer wieder festzustellender Umgangsvereitelung sehr wohl bewusst sind. Es waere besser gewesen, das muetterliche Kontaktverbot nicht in Frage zu stellen. Es waere besser gewesen, mit dieser Frau kein Kind zu zeugen, dann haette er jetzt das Umgangsproblem nicht. Vieles waere besser gewesen, anders anzupacken. Nur eines bleibt momentan immer gleich: wenn die Mutter nicht will, koennen weder Gerichte noch Ratgeber etwas dagegen tun - im Falle von unehelichen Kindern offensichtlich auch in GB.
was sich jetzt abzeichnet, ist gerade das gegenteil. man hört stimmen von renomierten anwälten, die seine chancen auf ein umgangsrecht negativ sehen, da er ja zu *extremen positionen* neigt.
Diese renommierten Anwaelte wissen selber ganz genau, dass Dave Chicks lediglich von 'nahezu unmoeglich, sein Kind zu sehen' auf 'voellig unmoeglich, sein Kind zu sehen' abgerutscht ist. Wie Chicks selber auch, klammern sie sich an jeden Strohhalm des Rechts, dessen Durchsetzung durch eine uneinsichtige Mutter ohne nennenswerte Probleme sabotiert werden kann. Objektiv gesehen, hat der Mann wenig verloren, wenn man mal von der drohenden Verurteilung wegen Stoerung der oeffentlichen Ordnung absieht. Seine Chancen waren einfach zu schlecht, als dass man sie noch 'realistisch' haette nennen koennen.
Einem jedoch bist Du geschickt ausgewichen, naemlich der Problematik der Umgangsvereitelung selber. Wieviele Vaeter bei notorischer Umgangsvereitelung oder -behinderung nach einer Weile den Schlussstrich ziehen, und das Kind von sich aus nicht mehr sehen wollen, wissen wir nicht. Das aendert nichts daran, dass ihnen das dann als Desinteresse ausgelegt und zum Vorwurf gemacht wird. Es aendert auch nichts daran, dass eigentlich Gesetze vorhanden sind, die den Kontakt zwischen Umgangsverpflichtetem und Kind garantieren, diese aber nicht durchgesetzt werden koennen; der Rechtsstaat also vor der Muttermacht kapituliert. Es aendert v.a. nichts daran, dass Vaeter der zweite, mindere Elternteil sind, und das auf absehbare Zeit auch bleiben werden.
Es nuetzt da auch nichts, darauf hinzuweisen, dass es in vielen Scheidungsfamilien zu keinen wesentlichen Problemen komme; eigentlich wissen wir noch nicht einmal, in wievielen Scheidungsfamilien es aus Sicht der Maenner tatsaechlich einigermassen reibungslos ablaeuft, weil der Forschungsstand in dieser Beziehung beklagenswert schlecht ist. Maenner werden seit jeher darauf gedrillt, Unbill fuer die eigene Person einfach klaglos zu akzeptieren; sie haben weder Gleichstellungsfunktionaere noch irgendwelche gesellschaftspolitische Fuersprecher, die ihnen helfend zur Seite springen und ihr Leid medientraechtig in die Welt hinausposaunen. Ihnen wird vielmehr eingebleut, dass die Kinder zur Mutter gehoeren, und das war's dann. Deshalb bleiben viele Vaeter fuer die Gesellschaft als negativ Betroffene unsichtbar, auch wenn sie Probleme mit dem Umgang haben. Und als Untersuchungsobjekte sind geschiedene Vaeter sowie Vaeter allgemein nur in wenigen Studien praesent. Zumindest hier koennte der Staat einiges aendern durch eine bessere Vergabe von Forschungsauftraegen. Dann muessten aber wahrscheinlich eine ganze Reihe von liebgewonnenen Vorurteilen ueber Vaeter ueber Bord geworfen werden, was insbesondere nicht im Sinne der professionellen 'Gleichstellerinnen' ist, die wiederum ein ernstes Woertchen mitzureden haben bei der Vergabe von Forschungsauftraegen bzw. Finanzierung derselben.
Wie aus der Diplomarbeit 'Die psychosoziale Situation nichtsorgeberechtigter Vaeter' herauszulesen ist, sind v.a. jene Vaeter schlimm dran, die sich intensiv um ihre Kinder kuemmern wollen aber wegen Umgangsbehinderungen und -vereitelungen nicht koennen. Der sogenannte 'traditionelle Vater' findet sich in solchen Faellen viel eher mit der Situation ab und zieht sich einfach zurueck (sogenannter 'interesselose Vater'). Letzterer taucht in der Statistik dann auch eher als Scheidungsvater ohne Probleme auf.
Wenn also wieder mal irgendein sich besonders sozial gebender Politiker oder irgendeine feministische Funktionaerin von den Maennern einfordert, sie sollten sich mehr um ihre Kinder kuemmern, damit die Mutter sich staerker im Berufsleben engagieren koenne, dann kann ich nur noch muede laecheln. Solange naemlich die Strukturen nicht geaendert werden, dann sind das nicht weiter ernstzunehmende Statements, die man(n) getrost und ohne jegliches schlechte Gewissen ignorieren kann.
im übrigen freut es mich, dass du mich nicht gleich als *charakterkrüppel* bezeichnet hast.
?
Gruss
Maesi
gesamter Thread:
- Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF -
Mirko,
05.11.2003, 17:34
- Ups... - Mirko, 05.11.2003, 17:36
- Hier ein dt. Link - Pioneer, 05.11.2003, 18:16
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF -
Odin,
05.11.2003, 20:02
- "Brisant" wird am DO um 10.03 wiederholt (n/t) - Martin, 05.11.2003, 22:36
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF -
Marie Juana,
06.11.2003, 01:14
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF -
Nick,
06.11.2003, 13:07
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF -
Marie Juana,
06.11.2003, 15:33
- Re: Laecherlichmachen als Form von verbaler Gewalt - Maesi, 07.11.2003, 20:12
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF -
Marie Juana,
06.11.2003, 15:33
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF - Bruno, 06.11.2003, 14:48
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF - Odin, 07.11.2003, 01:28
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF -
Nick,
06.11.2003, 13:07
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF -
Martin,
06.11.2003, 19:12
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF -
Michael,
06.11.2003, 22:20
- Re: Hat 'Brisant' manipuliert? -
Peter,
07.11.2003, 16:34
- Re: Hat 'Brisant' manipuliert? - Michael, 07.11.2003, 17:11
- Re: Hat 'Brisant' manipuliert? - Odin, 07.11.2003, 20:27
- Re: Hat 'Brisant' manipuliert? -
Peter,
07.11.2003, 16:34
- Re: Pro-Väter Aktion in London medienwirksam im ZDF -
Michael,
06.11.2003, 22:20
- KORREKTUR - Mirko, 05.11.2003, 20:22