"Stupid white women"
Als Antwort auf: Michael Moore "Das Ende des Mannes" von Indiana Jones am 16. Oktober 2003 21:40:19:
Ich finde grundsätzlich schon, daß Michael Moore einen guten Job macht, in dem er gravierende Mißstände im "Land of the Free" benennt und gekonnt satirisch verarbeitet:
- den hochgerüsteten Sicherheitsfanatismus der Middle-Class-Spießer in den Vororten (und dahinter ihr schlechts soziales Gewissen)
- die prekären Verhältnisse, in denen die Unterschicht lebt
- der Einfluß der Industrie- und Finanzlobby auf die Politik
- die reine Middleclass-bezogenheit der Wahlkämpfe (die Unterschichten kommen weder als Thema noch als Wähler vor!)
- der Hurra-Patriotismus
- die Medien-Verdummung.
Interessanter Weise dokumentiert selber er in seinen Filmen (wohl ungewollt), daß an allen diesen Mißständen längst auch Frauen beteiligt sind, und zwar nicht nur als Betroffene, sondern auch: Als verlogen drumrum-redende Pressesprecherinnen, als volksverdummende Moderatorinnen, als patriotisch scharfmachende Lehrerinnen, als antisoziale und Law&Order-erpichte Middle-class-Tussies in den Vorstädten, ja sogar auch Mitglieder in Waffenclubs! (Und gleichzeitig zeigt er auch reihenweise Männer negativ betroffene!)
Daß Moore dennoch von "Stupid white MAN" spricht, zeigt wohl, wie tief sich feministische Stereotypen ins Denken gerade auch unter Linken eingeraben haben. Die Feministinnen haben sich seit Mitte der 70er Jahre konsequent und hartnäckig bei JEDEM sozialkritischem Thema sozusagen "dazwischengequetscht" und gerufen: "Jaja, aber besonders betroffen sind dabei wiiirrrr Frrraaauen, und Schuld sind v. a. die Männer!" Das haben sie Jahre und Jahrzehnte durchgezogen und v. a. den neuhinzukommenden jungen Männern und Frauen eingeimpft.
Ironie der Geschichte: Damals in den 70ern war die Agitation der Feministinnen noch PUNKTUELL zutreffend (wegen Erziehung der Mädchen nur zur Hausfrauen&Mutter-Rolle, Frauen im Film nur als hübsches Beiwerk). Während aber die Klischees in den 70er und 80ern relativ zügig und erfolgreich abgebaut wurden, nahm der Einfluß der Feministinnen und das Gewicht ihrer Themen im linken/liberalen Spektrum aber nicht ab, sondern irrsinniger Weise zu!
Um den Bogen zu Michael Moore zurückzuschlagen: Er spricht viel von der Neigung der weißen (*) Mittelklasse zur Hysterie und Saubermann-Attitüde. Wieso ist er eigentlich nie auf die Idee gekommen, die Sexualitäts- und Männerfeindlichkeit der US-Feministinnen genau in diese Linie einzuordnen?*g*
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(*) = Auch die Charakterisierung der Mittelklasse als "weiß" trifft heute wohl nur noch sehr bedingt zu.
gesamter Thread:
- Michael Moore "Das Ende des Mannes" -
Indiana Jones,
17.10.2003, 00:40
- "Stupid white women" -
Lars,
17.10.2003, 20:40
- Die Amis waren schon immer prüde -
Der Eman(n)ze,
18.10.2003, 14:57
- Re: Die Amis waren schon immer prüde - Jolanda, 18.10.2003, 15:08
- Re: Die Amis waren schon immer prüde -
Manfred,
18.10.2003, 15:15
- Re: Die Amis waren schon immer prüde - Der Eman(n)ze, 18.10.2003, 15:30
- Re: Die Amis waren schon immer prüde -
Jolanda,
18.10.2003, 15:36
- Re: Die Amis waren schon immer prüde - Manfred, 18.10.2003, 16:12
- *nun.doch.mal.die.Amis.in.Schutz.nehm* - Lars, 18.10.2003, 17:35
- Die Amis waren schon immer prüde -
Der Eman(n)ze,
18.10.2003, 14:57
- Re: Michael Moore "Das Ende des Mannes" -
Michael Moore,
17.10.2003, 21:30
- Re: Michael Moore "Das Ende des Mannes" - Jörg , 18.10.2003, 00:22
- "Stupid white women" -
Lars,
17.10.2003, 20:40