Re: Pro-Wehrpflicht von der SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Heß
Als Antwort auf: Pro-Wehrpflicht von der SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Heß von pit b. am 06. September 2003 18:04:41:
Hallo pit
"Denn, so argumentierte die Bundestagsabgeordnete, sei der Dienst egal ob bei der Bundeswehr, Zivildienst im sozialen Bereich oder Ersatzdienst im Katastrophenschutz die Gelegenheit, etwas zurückzugeben."
- Aha! Es ist also eine "Gelegenheit" und kein Zwang!?
Na dann können wir ja froh sein dass uns der Staat diese "Gelegenheit" bietet.
Apropos, was sollten wir noch gleich zurückgeben?
Naja, es ist halt der uebliche Schmus, der uns praesentiert wird...
"Neben ihren militärischen Aufgaben habe die Bundeswehr ihre Bedeutung mit Einsätzen wie bei der letztjährigen Hochwasserkatastrophe bewiesen."
- Hoppla! Dafür sind die Wehrpflichtigen also gut.
Wir erinnern uns:
"Der engagierte Einsatz von Wehrpflichtigen, die während der Flutkatastrophe im letzten Sommer "in einer Bullenhitze, 12 bis 14 Stunden täglich und von Mücken umschwirrt" Sandsäcke geschleppt hätten, sei "ein Hinweis darauf, wie wichtig es ist, dass es die Wehrpflicht gibt".
Aus Gruenden der Imagepflege fuer die Armee werden immer wieder Truppenteile zu nichtmilitaerischen Einsaetzen (z.B. Katastrophen) abkommandiert. Dafuer wurden die Soldaten aber schlichtweg nicht ausgebildet. Die Aufgabe der Armee ist die militaerische Landesverteidigung - und sonst nichts. Ob eine militaerische Bedrohungslage besteht, wie gross und welcher Art sie allenfalls ist, das ist eine militaerpolitische Frage. Wenn tatsaechlich ein Beduerfnis nach einer Katastropheneinsatztruppe besteht, dann sollte diese aus zivilen Kraeften rekrutiert und auch genau im Hinblick auf Katastrophen ausgebildet werden.
Die Aufrechterhaltung einer (indirekten) Wehrpflicht saehe ich in der Praxis hoechstens noch als Allgemeine Dienstpflicht (fuer wirklich alle: Mann, Frau, Einheimischer, Auslaender). Die Dienstpflichtigen haetten dann allenfalls die Moeglichkeit zwischen Zivil- und Wehrdienst zu waehlen, wobei die Armee natuerlich nur die wehrdiensttauglichen Freiwilligen akzeptieren muesste. Aus Zivildienstkraeften koennten dann auch die Katastropheneinsatztruppen gebildet werden.
Ob solche Zwangsdienste (gewissermassen als fronarbeitliche Ergaenzung zur rein pekuniaeren Steuerpflicht) sinnvoll und angemessen sind, ist dann aber wiederum eine politische Frage, die natuerlich in der Gesellschaft diskutiert werden muesste. Wenn nicht, dann muss halt eine Berufsarmee eingerichtet werden, sofern eine Armee ueberhaupt noch als notwendig erachtet wird.
Es ist immer gut wenn man jemanden hat, der für fast null die Drecksarbeit macht bzw. machen muss!"
Eben
"Die klassische Bedrohungssituation des Kalten Krieges gibt es nicht mehr. Demkes Argument: Ginge es heute um die Einführung der Wehrpflicht, wäre ein so tiefer Einschnitt wie ein Pflichtdienst in das Leben junger Menschen kaum denkbar."
- Meine Meinung!
Wenn es die klassische Bedrohungssituation des Kalten Krieges nicht mehr gibt, heisst das natuerlich noch lange nicht, dass es ueberhaupt keine militaerische Bedrohung mehr gibt. In der menschlichen Kulturgeschichte nimmt die Zeit des sogenannten Kalten Krieges nur einen sehr kleinen Zeitraum ein, militaerische Bedrohungen gab es aber zu allen Zeiten. Waehrend frueher die Verteidigung aufgrund der gesellschaftlich unterschiedlichen Aufgabenzuweisungen an Maenner und Frauen den Maennern zugeschoben wurde, werden heutzutage im Rahmen der Gleichberechtigung diese unterschiedlichen Rollen nicht mehr akzeptiert. Konsequenterweise muss man dann natuerlich auch die sexistische Maennerwehrpflicht abschaffen oder halt auf beide Geschlechter ausdehnen.
"Trotzdem wolle er die Wehrpflichtigen nicht missen, konterte Haupt als Kommandeur der Gothaer Friedensteinkaserne. Die internationalen Aufgaben der Bundeswehr sind weitgehender. Haupt sprach von einer Gegenwart mit vielfältigen Bindungen der Bundesrepublik, in deren Armee die Wehrpflichtigen wesentlich zur Leistungsfähigkeit beitragen."
- Genau die Bindungen für die Budesrepublik und die Arbeit für die Unfreiwilligen!
Trotzdem wuerde ich dieses Argument nicht voellig diskussionslos abtun. Eine Allgemeine Dienstpflicht koennte, neben den primaer zu erledigenden Aufgaben, sekundaer durchaus eine Klammer bilden, die in einer immer heterogeneren und individualistischeren Welt die Gesellschaft zusammenhaelt. Im gemeinsamen Arbeitsalltag kaemen sich Menschen naeher; nur gemeinsam waeren sie erfolgreich. Sowas schweisst staerker zusammen, als Dutzende von Begegnungstagen und staatlich initiierten Verstaendigungskampagnen zwischen alt und jung, Inlaendern und Auslaendern, Christen, Moslems, Juden und Atheisten, arm und reich, Mann und Frau usw. Es waere allerdings fatal, wenn das letztendlich die einzige Klammer waere, die die Gesellschaft noch zusammenhielte...
"Unterdessen stellte sich in der Diskussion mit dem Publikum, darunter viele Schüler des Arnoldigymnasium, mehr als nur die Frage nach der Wehrpflicht. Warum nicht das Geld in Bildung und Kultur investieren, fragte eine Schülerin. Auch die Beteiligung der Bundeswehr an internationalen Einsätzen hinterfragten die Jugendlichen kritisch."
Weshalb das Geld in Bildung und Kultur investieren, wenn man doch den Menschen in der Dritten Welt davon Nahrungsmittel und Medikamente kaufen koennte? Es gibt wohl immer jemanden, der noch dringender auf das Geld angewiesen ist...
Fragen ueber Sinn und Unsinn von militaerischen Einsaetzen sind nicht nur legitim sondern auch notwendig. So gesehen, ist es positiv, wenn Jugendliche das kritisch hinterfragen; leider gibt es auch viele, die voellig unkritisch (also ohne naehere Kenntnis der Materie) hinterfragen und bloss die gerade gaengigen Phrasen nachplappern.
Gruss
Maesi
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pit b.,
06.09.2003, 21:04
- Re: Pro-Wehrpflicht von der SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Heß -
Dieter,
07.09.2003, 11:14
- Sag ich doch - pit b., 07.09.2003, 18:22
- Re: Email an Petra Heß -
Joachim,
08.09.2003, 11:09
- Re: Email an Petra Heß - Garfield, 08.09.2003, 18:09
- Re: Email an Verteidigungminister Struck - Macht bitte mit! - Joachim, 08.09.2003, 13:28
- noch eine e-mail an Petra Heß - reinecke54, 08.09.2003, 18:54
- Re: Pro-Wehrpflicht von der SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Heß - Maesi, 13.09.2003, 14:18
- Re: Pro-Wehrpflicht von der SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Heß -
Dieter,
07.09.2003, 11:14