Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: und noch was zum Thema: / Nachfrage

Garfield, Tuesday, 09.09.2003, 16:29 (vor 8185 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: und noch was zum Thema: / Nachfrage von Lars am 06. September 2003 18:21:15:

Hallo Lars!

"Also wenn meine Eltern mir gesagt hätten: 'Hier, Du mußt diese Tabletten nehmen, damit Du pflegeleichter wirst', hätte das einen Riesen-Eklat gegeben."

Hm, ich denke, daß kleine Kinder so etwas nicht so schnell hinterfragen. Sie glauben noch an die Erwachsenen und vertrauen ihnen, jedenfalls wenn sie keine sehr schlechten Erfahrungen mit ihnen gemacht haben. Wenn Mama und Papa und ein Arzt sagen, daß die Pille nötig ist, dann schlucken sie sie eben, ohne weiter darüber nachzudenken.

Die Eltern wiederum vertrauen dem Arzt, zumal dann auch noch ihrer eigenen Trägheit Genüge getan wird. Kindererziehung ist oft nicht einfach und erfordert viel Einsatz, Konsequenz und Einfühlungsvermögen. In unserer heutigen immer hektischer werdenden Welt wird es für Eltern immer schwieriger, sich da wirklich reinzuhängen. Wenn man abends nach dem Alltags-Streß müde auf die Couch sinkt und dann ein aus Zeitmangel verzogenes Kind laut schreiend und randalierend durch die Wohnung läuft, dann ist die Versuchung groß, es einfach mit Pillen ruhig zu stellen, wenn sogar ein Arzt das noch ausdrücklich empfiehlt.

Der Arzt wiederum vertraut der Pharmaindustrie, vor allem wenn er von bestimmten Unternehmen auch noch Geld dafür bekommt, daß er vorrangig die überteuerten Produkte dieses Unternehmens verschreibt.

Und so sind die heutigen Zustände dann auch kein Wunder mehr.
Es liegt aber auch daran, daß viele Eltern heute ganz offensichtlich gar nicht mehr den Willen haben, ihre Kinder ordentlich zu erziehen. Das ist ja mit Arbeit verbunden, man muß Verantwortung übernehmen - und es ist heute sehr modern, Arbeit und Verantwortung möglichst auf andere abzuwälzen. Bei einer Familie in unserem Haus sehe ich das sehr deutlich. Der Mann arbeitet, die Frau sitzt den ganzen Tag zu Hause. Sie haben einen Sohn, der so ca. 5-6 Jahre alt ist. Einmal fummelte der am Auto meiner Verlobten herum. Sie sagte ihm, daß er das lassen soll, worauf er dann auch verschwand. Kurz darauf fummelte er aber schon wieder an ihrem Auto herum. Sie verjagte ihn noch einmal und ging dann hoch zu seiner Mutter. Das Auto war nagelneu, und schon bei ihrem früheren Auto hatte ihr irgendein Kind die Motorhaube zerkratzt. Sie sagte seiner Mutter, daß sie ihrem Kind gefälligst beibringen soll, nicht an fremden Autos herumzuspielen. Die sagte nur lustlos irgendwas wie "ja, ich sags ihm". Ein paar Tage später sah meine Verlobte den Jungen schon wieder an ihrem Auto herumspielen. Sie jagte ihn wieder weg und ging nochmal hoch zu seiner Mutter. Die empfing sie schon mit den Worten "Was ist denn nun schon wieder?" Meine Verlobte merkte deutlich, daß es der Tussi scheißegal ist, was ihr Sprößling draußen macht, solange sie nur in Ruhe auf dem Balkon in der Sonne liegen kann. Einmal hat sie ihr ein Paket gebracht, das sie für sie angenommen hatte. Da hörte sie aus der Wohnung lautes Geschrei und Gepolter. Das war der Sohn - sie hatte ihn offenbar im Kinderzimmer eingeschlossen, und er brüllte und randalierte dort nun.

Überhaupt ist uns schon oft aufgefallen, daß die beiden ihr Kind offensichtlich vor allem als Klotz am Bein betrachten. Die lächeln das Kind nie an und verhalten sich auch sonst ihm gegenüber total lieblos. Neulich sah ich ihn mal mit seiner Mutter nach Hause kommen. Sie hatte wohl eingekauft, denn sie trug mehrere Taschen. Der Kleine schleppte eine große Kühlbox, die fast so groß war wie er. Er kam damit kaum vorwärts, seine Mutter störte das aber nicht. Sie lief 10 m vor ihm, drehte sich dabei mehrmals kurz um und sagte, er solle schneller gehen und die Box höher heben, weil er sie so besser tragen könne.

Ich weiß nicht - vielleicht war er ja nicht geplant. Aber ich glaube eher, daß seine Mutter einfach nur ein Alibi haben wollte, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Dann hat sie wahrscheinlich "ganz zufällig" mal die Pille "vergessen"... Irgendwann ist ihr dann aufgegangen, daß ein Kind auch Arbeit macht, und die will sie sich nun möglichst auch ersparen.

Manche Eltern denken, daß sie eine ruhige Kugel schieben, wenn sie ihre Kinder sich selbst überlassen und ihnen kaum Grenzen setzen. In den meisten Fällen geht das aber voll nach hinten los. Wenn die Kinder nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen, dann versuchen sie eben, sie sich zu holen. Oft sind die Kinder dann schon so verzogen, daß vielleicht wirklich nur noch Pillen helfen...

Dazu kommt noch die heute fatalerweise vorherrschende Ansicht, daß Kinder möglichst lange vom realen Leben ferngehalten werden müßten. Früher war das gar nicht möglich. Da waren viele Familien so arm, daß die Kinder mitarbeiten mußten, sobald sie dazu fähig waren. Das war auch nicht unbedingt positiv, aber zumindest lernten die Kinder dabei Pflichtbewußtsein, und ihnen wurde auch klar, daß alles eben erarbeitet werden muß. Das lernen Kinder heute in ihren bunten Spielzimmern nicht mehr.

Tja, und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, daß immer mehr Kinder und Jugendliche heute geistig total verwahrlost sind. Mit Pillen kann man das Problem eine Weile verstecken - lösen läßt es sich damit jedoch nicht.

Freundliche Grüße
von Garfield


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