Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: unschuldige Männer

Garfield, Friday, 15.08.2003, 11:54 (vor 8209 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Odin am 14. August 2003 20:47:00:

Hallo Odin!

"Vieles ist einfach in Fleisch und Blut übergegangen!"

Genau das ist das wesentliche Problem. Ich denke, daß der Einfluß der Frauenbewegung überbewertet wird. Die Radikalfeministinnen haben nichts weiter getan, als manche jahrtausendealte Klischees noch etwas zu verstärken. Sie haben aber keines dieser Klischees geschaffen.

Mit den Privilegien, die Frauen Männern heute noch voraus haben, sieht es sehr ähnlich aus. Vieles davon gab es schon, bevor es überhaupt so etwas wie eine Frauenbewegung gab. Martin van Creveld hat das in seinem Buch "Das bevorzugte Geschlecht" sehr schön dargestellt.

Zwar hatten Männer in der Geschichte den Frauen auch einige Privilegien voraus, aber in allen Zeiten hatten Frauen das Privileg, sehr schwere oder gefährliche Tätigkeiten nicht ausüben und oftmals noch nicht einmal für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen zu müssen. Zu allen Zeiten hat es gesellschaftliche Normen und immer wieder auch Gesetze gegeben, die den Unterhalt von Frauen durch Männer sicher stellten. Frauen, denen die männlichen Privilegien wichtig waren, haben oft Mittel und Wege gefunden, sie sich zu verschaffen. Notfalls sagten sie eben (wie die ägyptische Pharaonin Hatschepsut) daß sie ja eigentlich Männer wären. Und sobald es genügend Frauen gab, die an den männlichen Privilegien interessiert waren, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Privilegien nicht mehr nur für Männer galten. Umgekehrt sind Männer nur höchst selten in den Genuß der weiblichen Privilegien gekommen. Noch heute akzeptieren nur sehr wenige Frauen, daß ihre Partner Hausmänner sind.

Eigentlich war die Frauenbewegung auch für die Männer durchaus positiv. Erst dadurch, daß die Privilegien der Männer allesamt auch auf Frauen ausgedehnt wurden, umgekehrt aber die weiblichen Privilegien immer noch nicht für Männer gelten, sind die Männer ja überhaupt erst dazu gekommen, darüber nachzudenken, ob sie wirklich so privilegiert sind, wie man ihnen immer einreden möchte.

Als ich mit 18 zum Wehrdienst eingezogen wurde, habe ich gar nicht darüber nachgedacht, ob das vielleicht ungerecht sein könnte. Ich fand es zwar ziemlich übel, aber es war nun mal so, es ging allen jungen Männern so, also war es für mich selbstverständlich, daß ich eben auch davon betroffen war. Darüber, daß Frauen demselben Zwang nicht unterworfen sind, habe ich damals gar nicht nachgedacht. Auch das war für mich damals selbstverständlich...

Ja, und die Frauenbewegung hat mich wie viele andere Männer auch erst zum Nachdenken gebracht. Ich denke, viele Frauen wissen schon sehr genau, wieso sie dem Feminismus ablehnend gegenüber stehen...

Freundliche Grüße
von Garfield


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