Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert
Als Antwort auf: Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert von Garfield am 04. Juni 2003 16:29:17:
Hallo Garfield
Pro7 hat vor kurzem einen "Red Nose Day" veranstaltet, bei dem für Hilfsorganisationen gesammelt wurde. U.a. wurden auch notleidende Kinder in Indien gezeigt, für die dann natürlich ebenfalls gespendet werden sollte. Dazu muß man wissen, daß der indische Militärhaushalt den deutschen weit übersteigt. [...]
Wer angesichts dessen noch behauptet, daß wir das indische Sozialsystem mit Spenden unterstützen müssen, ist entweder nicht ganz bei Trost, weiß das alles nicht oder aber ist schlicht und einfach nur scharf aufs Geld, weil ein Teil davon auch in seine oder ihre Tasche fließt. Faktisch sieht es jedenfalls so aus, daß das Geld, daß Indien durch die Hilfe westlicher Organisationen im Sozialbereich einspart, dem indischen Militärhaushalt zugute kommt. Wäre die Spendenbereitschaft auch so hoch, wenn man dazu aufrufen würde, Geld für den indischen Flugzeugträgerneubau zu geben?
In vielen anderen Ländern, in denen internationale Hilfsorganisationen tätig sind, läuft das ähnlich. Man kann kein Problem wirklich lösen, indem man einfach nur Geld verteilt.
Interessant ist beispielsweise auch, dass die Verteidigungsetats in etlichen afrikanischer Laendern ein Drittel und mehr des jeweiligen Jahresbudgets verschlingt. Auch hier muss man sich fragen, ob Spenden fuer Projekte in solchen Laendern sinnvoll sind, da damit ebenfalls indirekt die haeufig unnoetig hohen Verteidigungsausgaben subventioniert werden, von der dort weit verbreiteten Korruption und dem Nepotismus ganz zu schweigen.
Der Problemkreis der Hilfe von wirtschaftlich weit entwickelten Laender an die wirtschaftlich unterentwickelten Laender ist sehr komplex und laengst nicht nur mit Geld zu loesen. Ausserdem duerfen wir nicht vergessen, dass diese Laender zwar wirtschaftlich auf schwachen Fuessen stehen moegen, nichtsdestotrotz jedoch souveraen sind und haeufig einen gesunden Nationalstolz besitzen; wenn westliche Entwicklungshelfer und Wirtschaftsexperten daherkommen und den dortigen Bevoelkerungen irgendwelche Hilfs- und Entwicklungsplaene aufnoetigen, schafft das begreiflicherweise boeses Blut. Andererseits lassen sich westliche Regierungen oftmals allzuschnell ein schlechtes Gewissen einreden, wenn von Vertretern von Entwicklungslaendern wieder mal der fruehere Kolonialismus zur Erklaerung der dortigen schlechten Wirtschaftssituationen bemueht wird.
Na ja, und so gesehen wundern mich die von dir geschilderten Mißstände auch überhaupt nicht.
Mich auch nicht.
Gruss
Maesi
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Andreas,
04.06.2003, 01:10
- Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert - michail, 04.06.2003, 02:04
- Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert - Manfred, 04.06.2003, 02:12
- Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert - Odin, 04.06.2003, 15:00
- Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert -
Garfield,
04.06.2003, 19:29
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Arne Hoffmann,
04.06.2003, 20:17
- Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert - Dieter, 05.06.2003, 09:55
- Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert - Maesi, 23.06.2003, 21:52
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Arne Hoffmann,
04.06.2003, 20:17