Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: So hart wie Lara Croft

Joseph S, Saturday, 21.06.2003, 13:50 (vor 8264 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: So hart wie Lara Croft von Frank am 20. Juni 2003 17:24:00:

hallo,

Das Problem ist bekannt", sagt Malene Budde, Psychotherapeutin beim Verein Mädchenhaus Düsseldorf. "Aber in der Jugendarbeit herrscht vielfach Hilflosigkeit im Umgang mit dem Thema."

Natürlich ist man überfordert, wenn das Problem allen bisher bekannten Erklärungsmodellen von
Gewalt widerspricht. Wenn die Ausbildung zum Jugendarbeiter nicht zum Umgang mit jugendlicher
Gewalt befähigt, ist sie nichts wert.

Immerhin gibt es noch Bereiche, wo das alte Erklärungsmodel Ergebnisse liefert:

Das "Abzocken" haben sich die Mädchen oft von ihren meist ebenfalls gewalttätigen Brüdern abgeguckt.

Von den Jungs im Viertel traut sich meist keiner mehr, den Gang-Mitgliedern krumm zu kommen.

Wenn das "krumm kommen" nur in pubertär verächtlichen Bemerkungen, um sich die des anderen doofen
Geschlechts fernzuhalten, besteht, was in diesem Alter bei beiden Geschlechtern eigentlich
normal ist, deutet das auf schlimme Zustände hin.

Zwar geht es hauptsächlich um Gewalt von Mädchen gegen Mädchen, aber die Verteidigungssituation
gegen Jungen darf natürlich nicht unerwähnt bleiben. Man konnte sich Mädchengewalt ja bisher nicht
anders vorstellen, und irgend etwas (feministisch) sympathisches muß selbst an diesen Mädchen sein.

Wer austeilt, ist sexy.

Ich kann diese Art von Erotik nicht nachvollziehen.

Das ist ein Trend der Emanzipation.

Schade, daß Emanzipation oft mit Feminismus gleichgesetzt wird. Sonst könnte man die Emanzipation
von Frauen ebenso wie die Emanzipation von Männer begrüßen, wenn sie stattfindet.

Den Vorwurf, aggressives Verhalten durch Selbstbehauptungskurse und Selbstverteidigungskurse angeheizt zu haben, weisen Sozialarbeiter genervt zurück. "Selbstbewusstsein hat nichts damit zu tun, die Muskeln spielen zu lassen", sagt Petra Kurek. Sie trainiert mit Mädchen an den Duisburger Schulen, wie man Konflikte gewaltfrei lösen kann.

Der Satz mit dem Selbstbewußtsein stimmt, aber hat jemand behauptet, daß diese Mädchen zuviel
Selbstbewußtsein haben ? Es hat sich doch bereits herumgesprochen, daß gewalttätige Jungen oft
ihr mangelndes Selbstbewußtsein durch aggressive Selbstbehauptung überspielen. Warum sollte das
bei Mädchen anders sein, vor allem wenn sie merken ohne sich eingestehen zu dürfen, daß sie
gar nicht so toll sind, wie Mädchen angeblich sein sollen ?

Hoffen wir, daß Frau Kurek wirklich das lehrt, was sie behauptet. Zu oft verspricht schon die
Werbung für Selbstbehauptungskurse und Selbstverteidigungskurse was ganz anderes als gewaltfreie
Konfliktlösung.

Sollen wir jetzt Mitleid mit den überforderten genervten Sozialarbeitern haben ?
Nein! Leute, die aus Dummheit für ein gewaltbefürwortendes Umfeld (Mädchen sollen sich
gegebenefalls auch mit körperlicher Gewalt gegen Jungen wehren.) sorgen, kann man nicht
genug nerven, bis sie endlich Vernunft annehmen. Erkenntnisse, die im Widerspruch zu dem,
was man jahrelang propagiert hat, stehen, anzunehmen, fällt natürlich schwer. Und wenn sie
lediglich lieber damit beschäftigen, wie man von Jungen unterdrückten Mädchen helfen könnte
(wenn genug davon da wären), und sich nicht um die dringenden Probleme, für die man sie
eigentlich braucht, kümmern, kann man sie auch nicht genug nerven.
Zustimmen würde ich diesen Sozialarbeitern lediglich in dem Sinne, daß die Selbstbehautungskurse,
oft nicht die Ursache für Mädchengewalt sind, aber sie bleiben dennoch ein nicht vernachlässigbarer
Teil der Verherrlichung von Mädchengewalt, und sie können diese durch verbesserte Technik gefährlicher
machen.

Wenigstens sorgt der Artikel dafür, daß das Problem nicht nur den direkt Betroffenen bekannt wird.
Wenn dann wieder auch die Mädchengewalt geächtet werden würde, wäre viel gewonnen.

Gruß
Joseph


gesamter Thread:

 

powered by my little forum