So hart wie Lara Croft
So hart wie Lara Croft
Prügeleien, Raub, Körperverletzung - in NRW hat sich die Zahl der jungen Mädchen, die Straftaten begehen, verdreifacht.
Von GERHARD VOOGT
DÜSSELDORF. Eine Bushaltestelle im Düsseldorfer Stadtteil Holthausen. Drei Teenager versperren der Schülerin Sarah* den Weg. "Rück Dein Geld raus", herrschen sie die 14-Jährige an. Das Opfer pariert nicht sofort. Die Folgen sind übel.
Fausthiebe treffen das Mädchen ins Gesicht. Die Schülerin taumelt zu Boden, aber das Trio setzt nach. Sarah wird in den Bauch und in den Unterleib getreten. "Die Täter waren äußerst brutal", sagt Thorsten Schwedt, Kriminalhauptkommissar bei der Polizeiinspektion Süd in Düsseldorf. Sarahs Peiniger: keine Jungs, sondern drei junge Mädchen.
Prügeleien, Raub, gefährliche Körperverletzung - Gewalttaten, die bislang als typisch "männliche Delikte" galten, werden immer häufiger auch von jungen Mädchen begangen. In Nordrhein-Westfalen sind die Fallzahlen dramatisch angestiegen. 1985 registrierten die Statistiker des Landeskriminalamts 346 schwere Körperverletzungen, die von Mädchen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren begangen wurden. Bis zum Jahr 2001 hat sich die Zahl mehr als verdreifacht. "Das Problem ist bekannt", sagt Malene Budde, Psychotherapeutin beim Verein Mädchenhaus Düsseldorf. "Aber in der Jugendarbeit herrscht vielfach Hilflosigkeit im Umgang mit dem Thema."
Ein schräger Blick reicht aus
Wenn Mädchen zuschlagen, geht es oft kälter und härter zu als bei den Klassenkameraden, weiß der Jugendsachbearbeiter Schwedt. "Bei den Jungs reicht meist die Androhung von Schlägen, um Opfer einzuschüchtern. Die Mädchen glauben aber offenbar, dass sie zuschlagen müssen, um sich Respekt zu verschaffen. Die Opfer sind meist ebenfalls Mädchen."
Die jugendlichen Schlägerinnen treten oft in Gangs oder in kleinen Cliquen auf. Die Anlässe für Gewaltausbrüche sind vielfältig. "Ein schräger Blick oder eine missverständliche Geste kann manchmal ausreichen, um eine Rangelei auszulösen", weiß Mädchen-Beraterin Budde. Neben persönlichem Zwist ("Du Schlampe trägst Nuttenstiefel!") sind materielle Wünsche oft die Ursache für Hiebe.
Das "Abzocken" haben sich die Mädchen oft von ihren meist ebenfalls gewalttätigen Brüdern abgeguckt. "Geld und Handys, die den Opfern auf dem Schulweg abgenommen werden, ermöglichen den Tätern einen angenehmen Lebensstil", erklärt Hauptkommissar Schwedt. "Die kaufen sich Zigaretten, Cola und Pommes von ihrer Beute."
Längst haben Soziologen hohe Fallzahlen in der Mädchenkriminalität als Indikator für soziale Problemgebiete entdeckt. Junge Frauen aus schwierigen Verhältnissen suchen die Geborgenheit in einer starken Gruppe. Wer mitmischt, genießt hohes Ansehen. Von den Jungs im Viertel traut sich meist keiner mehr, den Gang-Mitgliedern krumm zu kommen.
Warum sind junge Mädchen heute gewaltbereiter als früher? Petra Kurek arbeitet beim Mädchenzentrum Mabilda in Duisburg Obermarxloh. "Das Phänomen spiegelt die gesamtgesellschaftliche Entwicklung", sagt die Sozialwissenschaftlerin. "Die Mädchen machen in ihrem Umfeld die Erfahrung, dass Gewalt zum Ziel führt. Hinzu kommt, dass sich das Rollenbild der Frau dramatisch verändert hat. Heute wollen die Mädchen nicht nur schön und intelligent, sondern auch cool und stark sein. So wie die Film-Heldin Lara Croft."
Wer austeilt, ist sexy. "Weibliche Gewalt wird inzwischen oft positiv gesehen", sagt der Mainzer Kriminologie-Professor Michael Bock, "die Fähigkeit zum Schlagen ist ohne weiteres mit einem akzeptablen Frauenbild vereinbar. Das ist ein Trend der Emanzipation."
Den Vorwurf, aggressives Verhalten durch Selbstbehauptungskurse und Selbstverteidigungskurse angeheizt zu haben, weisen Sozialarbeiter genervt zurück. "Selbstbewusstsein hat nichts damit zu tun, die Muskeln spielen zu lassen", sagt Petra Kurek. Sie trainiert mit Mädchen an den Duisburger Schulen, wie man Konflikte gewaltfrei lösen kann.
Das Trio, das die Düsseldorfer Schülerin Sarah verprügelte, hat bislang wenig dazugelernt. "Das liegt vielleicht auch daran, dass die Abschreckungswirkung des Jugendstrafrechts oft zu gering ist", sagt Thorsten Schwedt. "Gewalttätige Mädchen, die junger als 14 sind, brauchen ohnehin keine Strafe zu befürchten." *Name geändert
http://www.rheinische-post.rp-online.de/zeitung-2003-06-19/land_und_leute/54.shtml
gesamter Thread:
- So hart wie Lara Croft -
Frank,
20.06.2003, 20:24
- Re: So hart wie Lara Croft - Martin, 20.06.2003, 21:29
- Wie frau sich selber hereinlegt -
Xenia,
20.06.2003, 23:11
- Re: Wie frau sich selber hereinlegt -
gaehn,
21.06.2003, 02:05
- Re: Wie frau sich selber hereinlegt -
Xenia,
22.06.2003, 17:18
- Re: Wie frau sich selber hereinlegt - gaehn, 22.06.2003, 18:45
- Re: Wie frau sich selber hereinlegt -
Xenia,
22.06.2003, 17:18
- Re: Wie frau sich selber hereinlegt -
gaehn,
21.06.2003, 02:05
- Volle Power - Sam, 21.06.2003, 13:27
- Re: So hart wie Lara Croft - Joseph S, 21.06.2003, 13:50