Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Abtreibung...

carlos , Thursday, 12.06.2003, 02:46 (vor 8274 Tagen) @ carlos

Als Antwort auf: Re: Abtreibung... von carlos am 11. Juni 2003 23:44:31:

„... Ich sah das Ich, den Blick aus seinen Augen, ich erweiterte ihm die Pupille, sah tief in sie hinein, sah tief aus ihr heraus, den Blick aus solchen Augen: Fast ausdrucksschwach, mehr witternd, Gefahr witternd, eine uralte Gefahr. Aus Katastrophen, die latent waren, die vor dem Worte lagen, grauenvolle Erinnerungen des Geschlechts, Zwitterhaftiges, Tiergestaltiges, Sphinxgebeuteltes des Urgesichts...“; aus: Gottfried Benn: „Das Urgesicht“

„Krieg bedeutet Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke!“; Inschrift auf dem Wahrheitsministerium in George Orwells „1984“
„Γνώθι σεαυτόν! (Erkenne dich selbst!)“; Orakelinschrift auf dem Apollotempel in Delphi
Servus!
Wieso soll das Zeigen von Bildern abgetriebener Föten „nicht hilfreich“, für den Betrachter zu „schockierend“ sein? Wie würdest Du denn die Bilder von den Millionen Opfern von Flucht und Vertreibung, von den Toten des Irak-Krieges, von KZ-Toten beurteilen? Soll man die denn nicht zeigen? Ich glaube, den Gemordeten ist es scheißegal, weswegen sie gemordet wurden, welcher Ideologie oder momentanen „Rechtsauffassung“ sie zum Opfer gefallen sind; ob nun von tschechischen Partisanen, Rote-Armee-Soldaten oder im Auftrage demokratisch abgesicherter Mehrheiten. Sie wollen eigentlich leben, bzw. weiterleben. Wann hat denn dem Wißbegierigen, dem Intelligenten Erkenntnis je geschadet, vor allem dann, wenn es sich um eigenmenschliches Tun und eben nicht um einfaches Geschehen gehandelt hat? Befürchtest Du eine Emotionalisierung der Debatte? Ich gebe unumwunden zu, mir tun die abgetriebenen Föten leid. Nein, Eugen, diese Fotos sind Dokumentationen menschlichen Handelns, sorgen für Klarheit in der Debatte, und man soll genau wissen, wovon man spricht, wenn man über Abtreibung diskutiert. Jegliche Verschleierung diesbezüglicher Tatsachen wäre höchst unredlich. Die Wahrheit kann furchtbar sein; öfters als uns lieb ist, hat sie eine unangenehme Eigenschaft: Sie tut weh und macht uns vor uns selbst, vor der „Bestie Mensch“ (Emile Zola), schaudern. Der Blick, der unverschleierte Blick auf die Wahrheit erfordert indes Mut und Stärke, und meinetwegen ist er auch nicht des Dummkopfs Sache. Eugen, ich schätze Dich sehr, und erachte Dich ganz im Gegenteil als äußerst intelligent; Du verstehst es trefflich, die logisch-verbale Klinge messerscharf zu kreuzen, weswegen ich bei Dir auch ein Höchstmaß an kritischem Urteilsvermögen und den streitbaren Mut zur Wahrheit, i.e. deren Auffindung und Schilderung voraussetze und unterstelle. Also noch mal: Was um Himmels Willen soll denn am Zeigen jener Fotos „nicht hilfreich“ sein? Es ist der Blick auf das, was wir getan, zum mindesten aber haben geschehen lassen; es ist der Blick auf winzig kleine Menschen, die gezeugt und dann umgebracht wurden: Beides haben sie nicht selbst getan, sondern wir, die bereits Geborenen, und gefragt um deren Einwilligung wurden sie beide Male auch nicht. Es werden Ungeborene abgetrieben in einem Stadium, in dem man sich andernfalls rührend um sie als Frühgeburten kümmern würde; man kann Hirnströme und Herzschlag messen zu einem Zeitpunkt, an dem die Frau noch überhaupt nichts weiß von ihrer Schwangerschaft. Nicht lebensfähig ohne seine Mutter ist auch ein Neugeborenes: Wenn man es nach der Geburt (also genau so wie nach einer Abtreibung) in den Müll schmeißt, dann stirbt es. Auch am Ende des Lebens ist man auf die Hilfe von Mitmenschen angewiesen; man stirbt schneller, wenn man als Bettlägriger keine Hilfe bekommt.
Nochmals: Du brauchst überhaupt keinen religiösen Weg zum lieben Gott, zu Allah oder sonst wem beschreiten, ich tue das auch nicht, und auch niemand anderes muß das für seine ganz persönliche Katharsis und Erkenntnis tun; ganz abgesehen davon, daß uns bei Erkenntnis und Selbsterkenntnis auch kein Gott helfen könnte; zwecklos darauf zu hoffen: Das ist schon unser ureigenster Job! Es ist demokratisch abgesegnete Juristenwillkür, den Ungeborenen ihre Menschenrechte vorzuenthalten; dieses Vorgehen ist eine Vergewaltigung der Wahrheit!
Versuch´ Dich als postmoderner Faust, jag´ die Juristen, die Winkeladvokaten, Linksanwälte und Rechtsverdreher, jenes Pack mit seinen meisterhaften Euphemismen und seinem Tatsachen und Wahrheiten verschleiernden Gelalle, zum Teufel, und halte Dich an die Wahrheit und deren Erkenntnis! Es lohnt sich! Könnte man jetzt fragen: Warum lohnt sich das denn? Was gewinne ich denn durch Erkenntnis? Nun, pekuniär läßt sich kein Gewinn aus ihr messen; der Gewinn besteht ausschließlich im Selbstwert ihrer Erlangung. Zugegeben: Woanders läßt sich wesentlich schneller auch ein pekuniärer Wert erkennen, wenn z.B. jemand das 1+1=2 richtig für sich spielen läßt. Der Papst hatte einmal gesagt, der Mensch sei immer wieder aufs Neue Sklave jeder neuer Erkenntnis. Nun, das ist gar nicht so falsch, wenn man das Gegenteil dessen unterstellt, was ich zuletzt geschrieben habe; es hängt also ganz entscheidend von jedem einzelnen von uns ab, was wir aus gewonnener Erkenntnis machen, ob wir womöglich einen Nutzen daraus ziehen können.
Schlüsse habe ich selbst noch keine zum besten gegeben, was denn im postgnostischem Stadium zu tun sei; wenn man also die Bürde der Erkenntnis nicht mehr abschütteln kann, obzwar aus meiner Formulierungsweise in diesem wie in meinem Beitrag eins weiter oben mein persönlicher Standpunkt natürlich ersichtlich wird. Seine Schlußfolgerungen muß jeder selbst ziehen und sich entscheiden; das kann einem keiner abnehmen, auch wenn es weh tut!
MfG,
carlos


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