Re: Männer und ihre Kinder
Als Antwort auf: Re: Männer und ihre Kinder von Jolanda am 21. Mai 2003 00:26:05:
Hallo zusammen,
hallo Jolanda. Danke für Deinen lieben Kommentar; er hat mir viel gegeben, weißt Du?!
Ich war mir nicht ganz sicher, ob dieser Beitrag hierher paßt, denn er scheint sich vorrangig nicht auf die Problematik des "Geschlechterkampfes" zu beziehen und eher privater Natur zu sein. - Er ist sehr persönlich! Die Gefühle dahinter adäquat in Worte umzusetzen gelingt mir leider nur unzureichend. Ich glaube trotzdem, daß auch so etwas hierher gehört, weil der "Geschlechterkampf" (ich hasse dieses Wort) nicht nur auf juristischer Ebene geführt wird. Den Autoren, die diese faktisch belegbaren Ungerechtigkeiten angehen, zolle meinen größten Respekt (allen voran vielleicht Michail und Arne, durch die ich auf dieses Forum aufmerksam wurde, wenngleich sie nicht die ersten waren). Aber es gibt auch noch andere Ebenen, die sich allerdings nicht in Statistiken darstellen lassen und deswegen vielleicht auch schwieriger anzugehen sind.
Ich würde gerne etwas mehr die Aufmerksamkeit auf diese Bereiche lenken, weil ich glaube, daß die Probleme im Juristischen und Politischen dem Gefühlschaos und den privaten Vorurteilen folgen. Anders ausgedrückt heißt das, daß die von der Macht bereitgestellten Möglichkeiten, jemanden zu übervorteilen, zu mißbrauchen, zu schädigen oder zu demütigen nur in den Augen der- oder desjenigen als Mittel der Konfliktlösung erscheinen, der sowohl unfähig als auch nicht Willens ist, sich in die Situation des anderen (Partners) hineinzuversetzen. Wenn wir an den Zuständen etwas ändern wollen, sollten wir uns vielleicht nicht nur auf das Rein-Rechtliche konzentrieren, sondern auch auf die Beseitigung von Vorurteilen hinsichtlich eines determinierten Geschlechtscharakters. (Dabei will ich mit keiner Silbe gesagt haben, daß die Bemühungen um gleiches Recht in irgendeiner Weise zurückgeschraubt werden sollten.)
Ich habe meinen Brief auch noch an anderen Stellen gepostet. Es gab nicht wirklich viele Reaktionen, was vielleicht an der verschreckenden Länge des Textes lag (tut mir leid
. Natürlich kann das auch bedeuten, daß es für viele kein Thema ist, was ich nach einigen der Aussagen in den Antworten jedoch überdenkenswert fände.
"[...] ich habe bislange alle meine partner mal gefragt, was sie wollen würden, wenn ich jetzt schwanger wäre. [...] da war kein einziger dabei, der sich gefreut hätte. [...] ich kenne auch nur männer die in meiner umgebung die sich maximal nur zwangsläufig gefreut haben, weil die frau ihnen eben einfach eines gemacht hat. [...] da lernt man als frau zwangsläufig, dass die wahrscheinlichkeit sehr hoch sein wird, dass man völlig auf sich alleine gestellt sein wird, falls man ein kind bekommt. dadurch wird der partner dann auch unwichtiger, weil man sich nicht drauf verlassen kann und immer im hinterkopf hat, er kümmert sich nicht und haut ab. [...]"
Diese Formulierung - "zwangsläufig gefreut" - brennt mir zugegebenermaßen etwas in den Augen. Was für ein Mechanismus ist das, der Männer sich "zwangsläufig" freuen läßt? Heißt das, gute Miene zu bösem Spiel zu machen, oder können Männer nach so einer Aktion wirklich noch Freude empfinden? Ich weiß nicht, ob ich so eine Fähigkeit dann beneidenswert finden sollte, aber wenn es funktioniert, ist es wohl in jedem Fall einfacher für ihn. Ich kann bestimmte Ereignisse leider nicht wahllos aus meinen Gedächtnis streichen. Die Frage, die sich mir dabei auch stellt, ist, was sich eine Frau bei einer solchen "Aktion" denkt: Daß der Vater sie vielleicht mehr lieben würde, wenn er es muß, da sie ihm juristisch wie gefühlsmäßig die Hände und Füße bindet? Entwickelt sich aus einem Knebel, der Worte des Ärgers und des Zorns verschluckt, schließlich Zuneigung, wenn man die Enttäuschung nur gründlich genug verbietet? Wie kann man so einen Schritt vernünftig verstehen? Esther Vilar hat die ungewollte Schwängerung eines Vaters einmal ein "perfektes Verbrechen" und eine "passive Vergewaltigung" genannt, um darauf hinzuweisen, daß Frauen auf diese Weise legal die Kontrolle über das Leben des Vaters übernehmen können, ohne daß es eine Möglichkeit gäbe, dies zu ahnden, weil es ja immer die Mutter und so das Kind träfe. Wie kann man annehmen, daß aus einer mit einer solchen Tat begonnenen Beziehung also "zwangsläufig" überhaupt Freude würde? So eine Ansicht kann nur durch Verkennung und Gleichgültigkeit entstehen. Wenn nicht freiwillig, dann eben "zwangsläufig". Was er will oder fühlt, spielt also gar keine Rolle. Die Tatsache, daß man stets im "Hinterkopf" seine Unwichtigkeit und Unzuverlässigkeit hat, läßt einen ihn auch von Anfang an so behandeln. Schuldig aus Prinzip. Beweisen kann er es nur, wenn er sich fügt und seine Zwangslage mit gefälliger Heiterkeit meistert. Liebe unter Willen, und Freude macht frei.
"[...] die bindung zu seinem kind, das ist als frau halt so, die ist ein leben lange, falls man es nicht abtreibt oder zur adoption freigibt. deswegen hat diese bindung auch ein deutlich höheres gewicht in allen möglichen überlegungen. und diese körperliche sache finde ich kann man nicht so runterspielen wie du das tust. [...]"
"[...] Ich denke, man fühlt sich mit seinem kind doch stärker verbunden, wenn man es ausgetragen hat als wenn man nur 'zuschauer' war. außerdem hat sie das kind gestillt, ernährt(in den meisten fällen). auch das verbindet! [...]"
Klingt das vernünftig? ... - Zumindest klingt es vertraut. Aber ich möchte ja versuchen, die Vorurteile über geschlechtsbedingte Gefühlspotentiale und Gedanken aufzubrechen. In diesen beiden Zitaten wird wieder der (weibliche) Körper angeführt: Nur über die körperliche Bindung sollen also bestimmte Gefühle möglich sein? Und über diese Körperfunktionen nicht zu verfügen, spricht mir also von vornherein die Möglichkeit von Gefühlen "weiblicher Intensität" ab? Also geht es hier wieder um "Qualitätsunterschiede", und meine und die allgemeine Definition übernehmen die, die sich selbst als "natürlich" empfindsamer, in diesem Sinne also "besser", definieren können. Hinkt dieser Vergleich? Ist die Ernährung des Säuglings "mehr" wert, weil sie "durch den Körper" geschieht, als die zur selben Zeit stattfindende Ernährung der gesamten Familie durch den Mann (der dafür ebenfalls seinen Körper einsetzen muß und gelegentlich auch seinen Geist)? Heißt das, daß er bestimmte Gefühle nicht haben kann? - Ich finde es ohnehin schon beleidigend, daß ich täglich über in jedem Belang manipulativ eingesetzte Frauenkörper beeinflußt werden soll. Muß ich mich nun auch noch durch Mütter mit Säuglingen (das einzige Beispiel, in dem man Brüste vielleicht noch nicht mit kommerziellen Inhalten aufgeladen hat) provoziert fühlen - Stillen als Argument im Geschlechterkampf? - Ich hatte auch Gelegenheiten, Kinder (die von ihren Müttern z.B. wegen Erbdefekten oder simplen Sympathiemangels fortgegeben worden waren) auf dem Arm zu halten, sie zu füttern, sie zu wickeln und ihnen, sie an der Brust haltend, leise Lieder zum Einschlafen vorzusingen. Sind all diese Handlungen und die damit verbundenen Gefühle weniger wert aufgrund des Umstandes, daß ich dabei ein Fläschchen benutzen mußte?
"[...] wer läuft 9 monate mit einem bauch durch die gegend und wird dadurch arbeitslos, wenn er pech hat oder gleich gar nicht eingestellt? der mann bestimmt nicht. der zahlt dann schlimmstenfalls nicht und haut ab, produziert als selbständiger lauter verluste, da ist dann auch nichts zwangszuvollstrecken. dann sitzt man ganz schön in der scheisse als frau. kein geld für kindermädchen, kein job deswegen, was wiederum zu keinem geld für ein kindermädchen führt. ein teufelskreis, der alleine ziehmlich schwierig zu bewältigen ist ohne verwandte oder sonstige unterstützer. da ist der stress dann auch relativ hoch aus der nähe und nicht so rosig verklärt, wie du dir das kinder haben vorstellst. [...] es ist auch durchaus so, dass er vater ein einklagbares unmangsrecht mit seinem kind hat, wenn er sich denn drum kümmern will. [...]"
"[...] sicher ist es traurig, wenn ein vater sein kind sehen will, aber nicht darf, schlimmer ist es aber imo, wenn eine mutter sitzengelassen wird und er sich auch noch um die alimente drückt.[...] umgangsrecht ist einklagbar! [...]"
Auch auf die Gefahr hin, unsensibel zu wirken (ich bin nicht OBJEKTIV), kann ich für diese Situation nur bedingt Mitgefühl entwickeln. Auch zeigen diese Argumente wieder dieselbe Ambivalenz, die im Prinzip Thema dieses Forums ist. Es wird offenbar nicht als so schlimm empfunden, jemanden gegen seinen Willen im schlimmsten Fall für 27 Jahre zum Zahlvater ohne Rechte zu machen, als wenn sich dieser - vielleicht in einem letzten Anflug von Selbstbestimmung - dieser Sache verweigert.
Meine Mutter "beglückte" mich vor kurzem mit einer neuen Statistik, nach der ungefähr jedes fünfte Kind ein Kuckucks-Kind sei (sie hielt das wohl für eine "tolle" Neuigkeit - sie hat wirklich keine Ahnung, was sie mir damit antut). Interessanterweise hindert das die deutsche Justiz nicht daran, den vermeintlichen Vater auch nach Aufdecken der Sachverhalte weiterhin als Zahlvater zu verpflichten. Die einzige Möglichkeit, so einer Maßnahme zu entgehen, ist ein Vaterschaftstest so früh wie möglich. Mich interessiert dabei - wie gesagt - weniger die rechtliche als die gefühlsmäßige Seite, denn eine funktionierende Beziehung baut wohl mehr auf Gefühl als auf Recht? Das Geld würde mich jedenfalls weniger schmerzen als der Treue-Verrat (der ist auch nicht wieder abzugleichen wie Schulden), dessen lebender Beweis dann auch noch mein Kind wäre! - In dieser Angst, so sagt man uns, muß nun also z.B. jeder fünfte Besucher dieses Forums leben. Die Möglichkeit, dies zu umgehen, sei, so früh wie möglich die Aufrichtigkeit der Partnerin anzuzweifeln (mit einem Vaterschaftstest)! ... ... - Vielleicht geben sind diese Statistiken einfach objektiv. Aber sie erfüllen meiner Meinung nach auch einen Zweck (beabsichtigt oder nicht - er ist Diskurs-relevant!), der in der Untergrabung des Vertrauens liegt. Das Ende des Gefühls, das Mißtrauen kommt vor den rechtlich angewandten Schritten, aber es kommt heimlich, unauffällig und verkleidet als objektive, von Gefühlen befreite Information. Da dem nicht so ist, denke ich, daß der Gefühlsseite so große Bedeutung beizumessen sein sollte. Bekommt hier noch jemand eine Gänsehaut? Meinungen?
Natürlich ist es schlimm, wenn sich ein Vater aus dem Staub macht, obwohl er vorher geschworen hätte, dies nicht zu tun. Aber in diesem Fall gibt es Gesetze, die auch über die Grenzen Deutschlands hinaus wirksam sind, und Mechanismen, die selbst dann noch für einen weicheren Fall sorgen, wenn der Flüchtige nachweislich insolvent ist. Im Gegensatz dazu dürfte spätestens seit M. Matusseks "Vaterloser Gesellschaft" oder K. Jäckels "Gebrauchten Männern" klar sein, wie einfach sich das theoretische Umgangsrecht der Väter verhindern läßt (um nicht schon wieder persönliche Erfahrungen zu berichten).
Aber das ist auch bekannt. In einem anderen Beitrag stand z.B. zu diesem Thema: "[...] genau so eine sehr ähnliche situation bekomme ich eben im freundeskreis mit und ich kann dir nur ganz dringend raten, dir 1. KEIN schlechtes gewissen zu machen und 2. eine klare linie nach DEINEM gusto zu fahren. alles andere wäre ein "offenes scheunentor" das du bei bedarf nicht mehr zu kriegst ! das jugendamt muss auf jeden fall beraten!so wie es bis jetzt sich verhalten hat ist es nicht oki. du hast das alleinige sorgerecht ? es wäre für dich besser [...] selbst wenn er fürs kind zahlt(dir steht übrigens auch für einen gewissen zeitraum unterhalt zu !) kann er nicht kommen wann es ihm passt. mach einfach nicht auf.......er muss einsehen,dass er sich nicht so verhalten kann-es bedeutet auch, dass er dich und deine vorstellungen nicht respektiert.so geht das nicht und du brauchst dir das nicht gefallen zu lassen.auch musst du ihm dein baby in dem alter nicht aushändigen-ich sehe da die gefahr des kindesentzugs !vorallem dann wenn seine kultur sich von deiner sehr unterscheidet. kurzum : das jugendamt sollte seine arbeit GANZ machen und dir helfen ! [...]"
Vor allem aber wird ein Punkt vergessen: Ein Kind zu bekommen oder nicht, ist in etwas anderem als einer funktionierenden gleichberechtigten Beziehung ganz allein Entscheidung der Mutter. Männer haben in so einem Fall nichts zu sagen, und sie dafür zu verurteilen, daß sie sich nicht so leicht in das ihnen durch andere zugedachte Schicksal fügen, erinnert mich ein wenig an die Mütter vor meinem Supermarkt, die ihren Kindern eine Ohrfeige geben und danach fragen: "Was heulst Du? Ich geb Dir gleich Grund zum Heulen!"
Man wies mich z.B. noch darauf hin, daß Suizid prinzipiell nicht in den Medien auftaucht, um nicht eventuelle Nachahmer zu animieren. Das sind Argumente der Psychologen. Aber warum hat man diese Befürchtungen nicht, wenn man wieder einmal von einem verzweifelten Vater berichtet, der seine Frau, seine Kinder und dann sich selbst erschossen hat? Die Gefahr, Nachahmungen auszulösen, ist vielleicht geringer als die des Vorbringens einer unbändigen Wut.
Es gab auch andere Reaktionen, wenngleich sie zahlenmäßig kaum ins Gewicht fielen (dafür aber immerhin die Groß und Kleinschreibung beachteten
: "[...] Dein Beitrag hat mich sehr berührt. [...] Mit Schuldzuweisungen an DIE Frauen oder DIE Männer ist es nicht getan. Wir sind alle, ob männlich oder weiblich, an diesen Veränderungen der Gesellschaft und der Beziehungsstrukturen beteiligt." Das stimmt. Und ich streite nicht ab, daß es auch das von Männern produzierte Elend gibt. Ich meine nur, daß vor den mißbrauchbaren Institutionen die Insensibilität und das Mißverständnis stehen. Gefühle entstehen über den Geist, das Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen und sind nicht mit Körperempfindungen gleichzusetzen. - Aber damit stoße ich hier wahrscheinlich auf offene Ohren. Diejenigen, die es beträfe, werden das vielleicht nicht einmal lesen. Vielleicht verhindern die gegenwärtigen politischen Zustände hier keine gleichberechtigten Beziehungen. Aber sie nehmen den Zwang, darüber nachzudenken, was auf anderem Weg vielleicht zu ähnlichen Ergebnissen führt ...
Liebe Grüße an alle,
Andreas
P.S.: @ Bruno - Nein, ich gebe nicht auf. Aber es ist etwas anderes, gegen feuerspuckende Drachen zu kämpfen als gegen verdorrende Lieblosigkeit. Ich glaube in der Tat, daß der Geschlechterkampf nur dann mit Erfolg beigelegt werden kann, wenn der Kampf um wirkliche Gleichberechtigung und - verpflichtung gleichzeitig unter der Prämisse einer Stärkung der dem Partner zugewandten Liebe geführt wird. Immer.
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- Männer und ihre Kinder -
Sad,
20.05.2003, 20:47
- Re: Männer und ihre Kinder -
Jolanda,
21.05.2003, 03:26
- Re: Männer und ihre Kinder - sad, 23.05.2003, 21:37
- Re: Männer und ihre Kinder - Bruno, 23.05.2003, 15:22
- Re: Männer und ihre Kinder - Joseph S, 31.05.2003, 02:23
- Re: Männer und ihre Kinder -
Jolanda,
21.05.2003, 03:26