Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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"Der prügelnde Ehemann muss gehen"

Joachim, Tuesday, 20.05.2003, 20:44 (vor 8296 Tagen)

"Der prügelnde Ehemann muss gehen"

Polizei macht gute Erfahrungen mit neuem Gewaltschutzgesetz

Weiden. (kä) Wer schlägt, der geht. Das ist ein Kernpunkt des neuen Gewaltschutzgesetzes (seit Januar 2002 in Kraft). Der prügelnde Ehemann muss die Wohnung verlassen. "Der muss dann eben schauen, wo er bleibt", berichtete Fritz Sternkopf, Sachbearbeiter für häusliche Gewalt bei der Polizeiinspektion Weiden, über die guten Erfahrungen mit dem neuen Gesetz. "Die Polizisten vor Ort machen regen Gebrauch von den Möglichkeiten: Platzverweis, Kontaktverbot, Annäherungsverbot oder Gewahrsam."

Polizeidirektor Josef Wittmann legte Zahlen auf den Tisch: Im Bereich der Direktion sind im letzten Jahr 154 Fälle häuslicher Gewalt registriert worden. Allein 66 in der Stadt Weiden, 24 im Bereich der Inspektion Eschenbach, 17 in Tirschenreuth, 28 in Kemnath, elf in Neustadt und nur acht in Vohenstrauß. Das muss nicht bedeuten, dass in der Stadt mehr Männer zuschlagen: Gerade im ländlichen Bereich verzichteten nur viele Frauen auf die Polizei, um Aufsehen zu vermeiden. Selbst, "wenn das ganze Dorf weiß, dass die Frau geschlagen wird", so Gertrud Bäumler-Lenz, Chefin des Frauenhauses in Weiden.

Zwei Haftstrafen

Sternkopf ging detaillierter auf die 66 Weidener Fälle von häuslicher Gewalt ein. Dabei handelte es sich um 53 Körperverletzungen (sieben gefährlich), sechs Drohungen, fünf Beleidigungen, eine Freiheitsberaubung, eine Nötigung. Fünf Männer mussten eine Geldstrafe bezahlen. Sechs Mal gab es Freiheitsstrafe ohne Bewährung. 56 (!) der Verfahren wurden eingestellt. "Die Justiz kann nicht handeln, wenn Strafanträge zurückgezogen werden", begründete Wittmann. "Es liegt an den Opfern. Aber darüber sollten wir nicht den Stab brechen: Das muss jeder selbst entscheiden."

Der Weg zur Polizei scheint in den meisten Fällen als "Schuss vor den Bug" verstanden zu werden. Als Schuss, der sitzt. "Wir haben kaum Wiederholungstäter", sagt Sternkopf. "Wenn man unmissverständlich klar macht, dass es beim nächsten Mal Sanktionen gibt, kapieren das die meisten." Viele der Opfer lebten wieder mit ihrem Partner zusammen. Die Installation der sieben Sachbearbeiter bei den einzelnen Inspektionen, wie Sternkopf in Weiden, hat sich bewährt. "Die Opfer haben anscheinend mehr Vertrauen zu einem festen Ansprechpartner", so Wittmann. Die Polizisten pflegen auch einen guten Kontakt zu amtlicher und ehrenamtlicher Seite, wie etwa zu den Gleichstellungsbeauftragten der Städte und Landkreise. Die Beauftragten helfen den Opfern dann in ganz praktischen Dingen weiter (neue Wohnung, Arbeit). "Es ist ein gutes Netzwerk geschaffen", meinte Hannelore Schmidt-Opitz (Neustadt/ WN).

Geprügelte Männer sind im übrigen rar, aber vorhanden. Am Wochenende verzeichnete das Frauenhaus einen Mann, der um Hilfe bat und nach einem "Männerhaus" fragte.

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