Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Beziehung & Haushalt, oder Hürdenlauf mit unverhofften Hindernissen

Jolanda, Tuesday, 01.04.2003, 16:51 (vor 8345 Tagen) @ Alex

Als Antwort auf: Beziehung & Haushalt, oder Hürdenlauf mit unverhofften Hindernissen von Alex am 31. März 2003 23:17:28:

Hallo Alex

Bei mir war es so, dass ich als älteste von 4 Kindern aufgewachsen bin, meine Mutter musste mitarbeiten, weil das Gehalt von meinem Vater einfach nicht ausgereicht hat für uns alle. Das hiess für mich schon ab dem 8. Lebenjahr "ran an die Säcke".

Ich musste kochen, putzen, bügeln, meine kleinen Geschwister betreuen, etc.
Das prägt eben auch.

Als ich dann mit 22 Jahren einen Freund hatte, da habe ich mich ganz selbstverständlich dazu verpflichtet gefühlt, diese Arbeiten im Haushalt auch zu erledigen. Bis ich merkte, dass ich hier falsch denke!

Mein damaliger Freund hat bei seinem Vater gearbeitet, er konnte immer wieder mal frei nehmen um baden zu gehen oder im Winter mit Freunden Ski zu fahren und wenn er mal erst um 10 Uhr zur Arbeit erschien, dann spielte das auch keine Rolle.

Ich habe damals auf einer Versicherung gearbeitet und mein Aufgabengebiet wurde immer grösser, ich bekam immer mehr Kompetenzen und auch Arbeit zugesteckt. Ich war am abend immer total ausgelaugt und hatte einfach nicht mehr die Kraft noch den Haushalt zu schmeissen. Wenn mein damaliger Freund dann sagt:" Du ich habe keine Socken mehr", dann bin ich total ausgeflippt. Bis ich erkannt habe, dass ich hier überreagiere, dass ich ganz ruhig bleiben kann und ihm einfach sagen, na dann wasch dir deine Socken eben :-)

Ich hatte von meiner Kindheit her so ein Verhaltensmuster mitgenommen, ich fühlte mich dafür verantwortlich, dass immer für alle alles geputzt und gewaschen sein musste. Ich habe da ne ganze Weile gebraucht, um das ablegen zu können.

Ich habe zu der Zeit auch eine zweijährige psychologische Therapie gemacht, weil ich eine ziemlich schwere Kindheit hatte und hier viele Verhaltensmuster in mir trug, die es mir und auch den anderen oft nicht einfach machten. Und ich wollte auf keinen Fall, dass ich dieses Verhalten einmal an meine Kinder weitergeben werde, nur weil ich nicht in der Lage bin, das aufzuarbeiten.

Und während so einer Sitzung sagte ich mal zu meinem Psychologen: "Weisst du, ich hatte wieder Stress mit meinem Freund, wir streiten uns oft wegen der Hausharbeit, ich kann ja verstehen, wenn ich das Waschen übernehmen muss, aber sonst finde ich, er könnte da auch mithelfen. Da hat mich der Psychologe angeschaut und zu mir gesagt:"Darf ich dich mal was fragen?" Ich sagte:"Klar!" Und er meinte dann:"Bist du auf die Welt gekommen und konntest waschen?" Ich war ziemlich perplex und antwortete: "Nein". Er sagte: "Eben du musstest das doch auch lernen". "Ja", sagte ich. Und darauf hin meinte er:"Also kannst du mir einen einzigen Grund sagen, warum dann dein Freund seine schmutzigen Socken nicht selber waschen kann".

Ich habe damals erkannt, dass ich einfach total falsch reagiert habe. Ich bin ausgeflippt, wenn mein Freund meinte, er hätte keine sauberen Kleider mehr, anstatt einfach ganz ruhig zu sagen, nun ja mein lieber Schatz, dann wird es höchste Zeit, dass du in die Waschküche gehst und wäscht :-)

Ich denke, wir alle sind geprägt durch unsere Kindheit, durch Erfahrungen in Beziehungen. Du hattest eine Freundin, die alles an sich gerissen hat und wenn du sie unterstützen wolltest, konntest du ihr nichts recht machen, ich denke, das kommt auch oftmals vor.

Ich kann als Frau nicht jammern, dass die ganze Arbeit an mir hängen bleibt und wenn ich dann Unterstützung bekomme, dann nörgle ich nur rum, weil es nicht so ist, wie ich es haben will, dann muss ich es eben selbst machen, darf aber dann auch nicht motzen.

Nur du weisst ja selbst, wissen würde man so vieles, man schafft es aber leider nicht immer, es dann auch so umzusetzen. Wichtig ist in meinen Augen einfach, dass man immer bereit ist, auch bei sich selbst zu suchen und auch sein eigenes Handeln zu hinterfragen, einfach offen zu bleiben und dem Partner auch eine echte Chance zu geben, damit er seinen eigenen Weg gehen kann und die Dinge so erledigen, wie sie für ihn stimmen.

Es grüsst dich herzlich
Jolanda


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