Brief an jüdische Gemeinde: "Alice Schwarzer verharmlost Naziverbrechen"
... das SPD-Nachwuchstalent Ute Vogt, das neulich öffentlich Auskunft gab über die Qualität seiner Orgasmen. Die geschäftsmäßige Art, in der das geschah, legte den Verdacht nahe, daß sie das falsche Thema erwischt hatte.
Ute Vogt ist ein paar Leuten auf den Leim gekrochen, die sie wahrscheinlich prima findet, den 68ern. Deren Merksatz, das Öffentliche sei privat und das Private öffentlich, hat sie so ernst genommen, wie er natürlich nie gemeint war. Für die 68er war der Slogan ja nur eines von vielen Mitteln, sich vor der Öffentlichkeit als Opfer zu präsentieren, als Opfer einer kapitalistisch, patriarchalisch oder sonstwie entstellten, also "entfremdeten" Sexualität. Das hatte Ute Vogt nicht mitgekriegt, als sie das Private zwar öffentlich, aber eben nicht anklägerisch wirksam machte. Sie wollte nur bekennen, nicht beschuldigen. Und das war zu wenig.
Sie hatte nicht verstanden, was den Vorkämpfern der Schwulen- und Lesbenbewegung, überhaupt allen Gruppen und Grüppchen, die ihre sexuellen Vorlieben in Leuchtschrift vor sich hertragen, klar vor Augen steht: Daß die öffentliche Darbietung von Dingen, die in der Öffentlichkeit nichts zu suchen haben, so lange nichts bringt, wie sie sich nicht mit der Opferpose verbinden läßt. Wer das schafft, darf die Hand aufhalten, denn wo ein Opfer, da ein Täter. Seit 1968 steht dieser Täter ein für allemal fest: Täter ist die Gesellschaft. Deswegen muß sie zahlen.
Um sich als Opfer aufzuspielen, darf man so ziemlich alles sein, nur nicht normal; normale Menschen müssen zahlen. An sie richtet sich ja der Kehrreim, der den Aufmarsch aller dieser Opfergruppen zu begleiten pflegt: "Wir, die Betroffenen, fordern ..." Das Opfer braucht den Täter wie die Luft zum Atmen. Ohne ihn läßt sich ja nicht anmelden, einklagen und durchsetzen, um was es dabei geht, der Anspruch nämlich auf Ersatz des Schadens. Um seinen Status zu genießen, braucht das Opfer den Schuldigen. Der wird so lang belagert und bedrängt, bis er sich selbst als Opfer fühlt. Dann ist das Spiel zu Ende.
(Konrad Adam)
Gruß
Zeitgenosse
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Arne-Hoffmann-Fan,
14.05.2008, 00:48
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-
Lude,
14.05.2008, 00:56
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Maya,
14.05.2008, 01:13
- Brief an jüdische Gemeinde: "Alice Schwarzer verharmlost Naziverbrechen" - Zeitgenosse, 15.05.2008, 18:09
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Conny,
14.05.2008, 03:17
- Eben drum... - Diana, 14.05.2008, 12:53
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Student(t),
14.05.2008, 15:18
- Brief an jüdische Gemeinde: "Alice Schwarzer verharmlost Naziverbrechen" - Hillufuck, 14.05.2008, 22:48
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