Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Es nervt? Mich schon lange!

Garfield, Monday, 21.02.2011, 17:39 (vor 5443 Tagen) @ Cardillac

Hallo Cardillac!

Du vergisst zu erwähnen, dass die Ossis sich den Westmissionaren um den Hals und vor die Füße geschmissen haben. Schon damals haben viele Linke die Ossis gewarnt, dass der Westen mit ihnen Schlitten fahren würde, sobald er sie im Sack hat.

Die Böhsen Onkelz haben es mal so ausgedrückt:

"Wir singen dieses Lied
für euch da drüben,
ihr habt euch selbst besiegt,
dieses Land ist kein Vergnügen.

Man hat euch wieder mal belogen,
doch was könnt ihr schon verlangen,
es waren Worte der Freiheit
auf den Zungen von Schlangen."

Ich kann mich noch gut an Diskussionen erinnern, die ich 1989/90 mit anderen Leuten im Osten hatte (bin ja selbst auch dort aufgewachsen und hab bis 1998 da gelebt). Auch als viele Betriebe geschlossen wurden und die Arbeitslosigkeit sprunghaft anstieg, glaubten viele von denen ernsthaft, daß nach der Wiedervereinigung alles besser werden würde, wenn die West-CDU auch im Osten das Sagen hat. Da schlug mir teilweise eine unglaubliche Naivität entgegen. Ein Typ, mit dem ich in der Zeit beim Wehrdienst war, war im Zivilberuf Schlosser in einer Rostocker Werft. Er behauptete allen Ernstes, sie hätten da Kündigungsschutz bekommen, und er könne so nie mehr entlassen werden. Gut, der war erst 18, aber ich war damals auch erst 19. Erschreckend fand ich damals, daß auch sehr viel ältere Menschen genauso naiv waren und ernsthaft glaubten, sie würden im Westen - bzw. im verwestlichten Osten - für gute Arbeit grundsätzlich gut bezahlt und sie würden überhaupt auch noch Arbeit finden.

Bei den Leuten, die aus dem sogenannten "Tal der Ahnungslosen" stammten, also aus dem Südosten der DDR, wo man kein West-Fernsehen empfangen konnte, war das ja noch nachvollziehbar. Die glaubten tatsächlich, daß Berichte über Arbeitslosigkeit und andere Mißstände im Westen nur SED-Propaganda waren. Aber die Mehrheit der DDR-Bürger sah ja regelmäßig ARD und ZDF. Da bekam man doch trotz einer gewissen Schönfärbung recht gut mit, wie es im Westen zuging. Es war bei vielen einfach Wunschdenken. Und als sie dann nach 1990 sahen, daß sich für sie nichts wesentlich besserte, sondern daß nun alles viel unsicherer war, da bewarfen sie Kohl mit Eiern. Dabei konnte der auch nichts dafür - er hat nur durchgedrückt, was seine Sponsoren von ihm und seiner Partei verlangt haben.

Die Hamburgwahl hat nur die eine Bedeutung: Sie zeigt das Hin- und Herfluktuieren der Wählermassen, die eigentlich keine richtige Repräsentanz mehr haben.

Ja, das zeigt sich ja schon lange bei Land- und Bundestagswahlen.

Deutschland hat keine relevante konservative Rechte, wie es andere Länder haben. Eine solche würde sofort zweistellige Prozentzahlen erreichen.

Hitler wirft halt immer noch seinen Schatten, aber der verblaßt allmählich. Und mittlerweile gibt es z.B. die Pro-Bewegung, die sich von Neonazis distanziert. Wenn die Massenmedien solche Ansätze nicht konsequent totschweigen würden, dann würde sich da schon mehr bewegen.

Allerdings erhoffe ich mir davon auch keine Lösung irgendeines wesentlichen Problems. Das gesamte politische System ist ja durch und durch korrupt. Wenn sich irgendeine rechte Organisation in Zukunft als ernstzunehmende Kraft auf Bundesebene etablieren kann, dann wird die auch schnell den Versuchungen von Geld und Macht erliegen.

Die Frage ist, was passiert, wenn die weit überwiegende Masse der Bevölkerung begriffen hat, daß es keine Partei gibt, die sich für ihre Interessen einsetzt. Darüber scheint man sich auch in der Oberschicht schon Sorgen zu machen, und das ist sicher auch einer der Gründe für die zunehmende Überwachung der Bürger und für deutliche Tendenzen hin zu Diktatur und Polizeistaat in den USA und in der EU.

Freundliche Grüße
von Garfield


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