Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Antwort zum Sozialstaat

Leser, DFR (Deutsche Femokratische Republik), Sunday, 12.12.2010, 09:01 (vor 5513 Tagen) @ Puffbesucher

Hallo Puffbesucher (wie kommt man denn auf solch einen Nick) ;-)

Sehr richtig: weg mit dem Sozialstaat. Die 354 Euronen multipliziert mit x
sind schlimmer als das gesamte Bankendesaster mit seiner Einführung einer
neuen Zahl, die da hieß "Billionen".

Das wollte ich mit der Verlinkung auch nicht ausdrücken. Der Anteil an Sozialausgaben, gemessen am Bruttosozialprodukt, ist relativ gering. Wer Hilfe benötigt, soll diese auch bekommen. Ich möchte das hier auch garnicht weiter vertiefen, denn es ist ein ähnlich komplexes Thema, wie das, was hier sonst diskutiert wird. Denn es berührt einen vielschichtigen Bereich (i.e.: Muss jemand, der 30 Jahre gearbeitet hat, behandelt werden, wie jemand, der nie einen Hammer in der Hand hielt? etc.)

Letztens haben sie wieder einen Obdachlosen (männlich natürlich) unter
einer Treppe in einem Bahnhof steifgefroren hervorgeholt. Er war offenbar
schon am Wochenende verstorben. Das war zwar nun in Frankreich, aber der
Fall ist natürlich problemlos auf D übertragbar: Man denke nur an den
letzten Winter.

Nun ja, dass kann darf und sollte nicht sein. Vielleicht relativiert es für dich die ganze Sache, wenn ich dir kurz mal etwas aus eigener Erfahrung schildere: Vor ca. 10 Jahren lag ein Mensch, eingehüllt in Zeitungspapier vor meiner Wohnungstür (Dachgeschoss). Ich kam Nachts nach hause, sah ihn dort liegen und hab uns beiden erst mal einen Kaffee gemacht. Danach gab es eine Luftmatratze und etwas vernünftiges zum Zudecken. Nun kannsz du mich gerne "Gutmensch" schimpfen.

Am nächsten Morgen lag alles ordentlich zusammengelegt im Flur und der Mensch war weg, hinterließ aber einen Zettel mit nur einem Wort. Ich denke, dieser Gesellschaft würde ein bisschen mehr Nächstenliebe, anstelle von Sarkasmus und Egoismus recht gut tun. Das kann man auch als Atheist.

Nichtsdestotrotz denke ich, dass es gerade unsere "Mittelschicht" ist (wo auch immer die liegt), die wegbricht und ausgenommen wird, wie eine Weihnachtsgans.

Falls es dich beruhigt: Ich bin auch "untere Mittelschicht", lebe aber dank deutschem Unterhaltsrecht weit unterhalb dessen, was man einem SGB II-Empfänger zumuten mag; ist halt so in diesem Land - und es geht vielen so. Deswegen gehe ich aber nicht gegen HIV-Empfänger vor bzw. werte diese ab oder fühle mich (ungültigerweise) "erhaben". Denn das wäre wie früher, als sich das "Pack" zur Belustigung und Erbauung der Oberschicht die Frexxe blutig schlagen "durfte".

Ich denke trotzdem, dass die Autorin mit dem was sie schreibt, recht hat. Und es kann nicht sein, dass "die da oben" alles haben, die Mitte ausblutet und "die da unten" (nicht! abwertend gemeint) unisono gleichgemacht werden.

Erst recht darf nicht sein, dass die Mittel- und "Unterschicht" (schamvoll präkär bezeichnet) aufeinander losgeht bzw. aufeinander gehetzt wird. Diesen Diktus sprach imho auch die Autorin indirekt an. Aber es war schon im alten Rom so: "panem et circenses", die da oben lachen sich tot beim Abschlachten derer da unten. Und wissen dabei nicht mal, dass sie selbst in ähnlicher Lage stecken bzw. ruckzuck selbst "da unten" stehen könnten.

Jeder schleppt eben so seine Päckchen mit sich rum und viele betrachten Dinge vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen. Das ist nicht nur bei mir so ;-)

Besten Gruß zum frühen Morgen

Leser

PS: Der Deutsche Gutmensch an und für sich spendet ja lieber für traurige Kinderaugen in Afrika, anstatt die zu unterstützen, die in diesem Land die Rübe hinhalten!

Oder versuchen die eigenen Misstände zu überwinden.

Traurig? Ist aber so!

--
Eine bestimmte Sorte Mensch (meist weiblich) hat mir den Krieg erklärt
- und ich gehe da jetzt hin
zusammen mit "Sunzi" (500 ante Christum natum)


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