Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Warum nicht. Immer raus damit

Kurti, Wien, Wednesday, 13.10.2010, 20:33 (vor 5571 Tagen) @ Rainer

(Originalzitate fett)

"Alles nur Faschisten? Über das Ende des Traums von Multikulti"
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Das Schwingen der Nazi-Keule bewegt sich hierzulande durchaus in ähnlichen Häufigkeits-Frequenzen wie in Deutschland.
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ULRICH BRUNNER (Die Presse)
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Gastkommentar. Wiener Wahlergebnis erfordert massive Änderungen in der Zuwanderungspolitik.
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Das Thema "Integration" wird schon die ganzen knappen zwanzig Jahre, die ich mich in Österreich befinde, als dem Anschein nach topaktuelles Thema diskutiert. Es wechseln sich dabei nach dem Warm-Kalt-Prinzip Phasen der vollmundigen Versprechungen von Politikern, sich des Themas mehr anzunehmen, mit Phasen zur Schau getragener Law-and-Order-Maßnahmen ab.
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Nun ist sie wieder unterwegs, die Antifatruppe, die jeden vierten Wiener zum ausländerfeindlichen Faschisten stempelt, weil die Strache-FPÖ 27Prozent der Stimmen bei der Wiener Wahl erreicht hat. Weiter von der Bevölkerung entfernt als die Politiker sind in Österreich offenbar nur noch manche Journalisten.
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Die linksautonome Szene tritt vor allem bei Gegendemonstrationen während Veranstaltungen der FPÖ sehr aggressiv auf. Habe es selbst als neutraler Beobachter am Rande oft miterlebt. Gegen den Polizeiaufmarsch, der die zwei verfeindeten Lager dann schon stets von vornherein weiträumig getrennt hält, fliegen Eier, Bierdosen, Feuerwerkskörper, ... Das ist schon ein eingespieltes Ritual, das ich seit Jahren verfolge.
Und was die Diskussionsebene betrifft: Auch schon relativ gemäßigte Aussagen der FPÖ werden vom linken Lager reflexartig in die Nazi-Schublade gesteckt.
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Wer sich nur zwischen seiner Wohnung in einem Bobo-Bezirk, dem Kaffeehaus und der Redaktion bewegt, kann natürlich nicht wissen, welche Probleme es im Zusammenleben zwischen Wienern mit und ohne Migrationshintergrund gibt. Wer in einem Türkenviertel in Favoriten lebt, musste es kommen sehen.
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Von diesem Favoriten, dem 10. Bezirk der Stadt, lebe ich ungefähr eine halbe Stunde U-Bahn-Fahrt entfernt. Das Einzige, was mir jedes Mal auffällt, wenn ich dort in den Straßen unterwegs bin, ist, dass dort im Straßenbild eine sehr, sehr starke Verdrängung der traditionellen österreichischen Gastronomie stattgefunden hat. Das kulinarische Angebot scheint sich dort fast ausschließlich an türkisch-arabische Kundenkreise zu richten. Das ist das, was mir spontan als Außenstehender dort immer auffällt.
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Die Begegnung mit Türken und Migranten aus Ex-Jugoslawien bringt in der Regel eine Einschränkung der Lebensqualität. Wer in seinem Wohnhaus als Nachbar einen Türken bekommt, hat seine liebe Not. Die neuen Nachbarn haben viele Kinder, sind laut, halten sich an keine Hausregel, verunreinigen das Stiegenhaus.

Am Freitagabend kommen Verwandte auf Besuch, zehn oder zwölf Personen, und bleiben bis nach Mitternacht. An Schlaf ist da nicht mehr zu denken. Ersuchen um Ruhe werden nicht zur Kenntnis genommen. Alleinstehende Frauen wagen es gar nicht erst, anzuklopfen. Das hat der türkische Familienvater gleich klargemacht, von Frauen lässt er sich nichts sagen. Das gilt in der Regel auch für die Lehrerin in der Schule. Zu Sprechstunden kommt der Vater in der Regel sowieso nicht.
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Möglicherweise sind dies die Zustände in den großen Mietskasernen. Bei uns im Haus (ein 3-Etabenbau aus der Kaiserzeit) ist die Zusammensetzung der Mieter ebenfalls sehr international. Aber - das muss ich betonen, es geht sehr (!) ruhig, sehr zivilisiert zu.
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Buben gebärden sich schon in der Volksschule als Machos.
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Habe ich selbst schon von Lehrerinnen aus der Volksschule (in D: Grundschule) gehört.
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Sobald sie die Mehrheit in der Klasse stellen, werden die nicht migrantischen Kinder so terrorisiert, dass sich diese oft nicht mehr in den Pausenhof wagen.
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"Volksgruppenkämpfe" dieser Art gibt es, wie ich von Eltern erfahren habe. Aber nicht nur Ausländer gegen Österreicher, sondern auch Türken/Araber gegen Russen, Türken/Araber gegen Ex-Jugoslawen ...
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Wer kann, gibt sein Kind in eine andere Schule.
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Machen vor allem Linkspolitiker, genau wie in Deutschland.
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zum Teil auch in Familien aus Ex-Jugoslawien
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Das scheint mir weniger ein Nationalitäten-Problem, sondern eher ein spezifisches Assi-Familien-Problem zu sein. Die Ex-Jugoslawen scheinen mir tendenziell noch die mit am besten Integrierten zu sein. Speziell die Kinder der ersten Einwanderergeneration, die so ungefähr in meinem Alter, sprich Anfang-Mitte Dreißig sind, erkennst du meistens nur noch am umständlich auszusprechenden Nachnamen. Ansonsten sind die schon längst Durchschnittsösterreicher geworden.
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Mit dieser Einstellung haben die jungen Burschen nach Abschluss der Hauptschule, den die meisten mit Mühe schaffen, ein großes Problem als Lehrling.
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Die Lehrlingssituation hier in der Stadt steht tatsächlich nicht zum Besten. Eine ziemlich große Zahl Jugendlicher, die eigentlich eine Lehre anfangen wollte (könnte, sollte, ...) und nichts bekommen hat (aus welchen Gründen auch immer) ist in irgendwelchen staatlichen Auffangeinrichtungen zwischengeparkt. Womit sie erst einmal aus der arbeitsmarktpolitischen Negativ-Statistik herausgefallen sind ... Honecker lässt grüßen.
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Wenn der Wiener Bürgermeister in seiner grenzenlosen Jovialität vor Kurzem meinte, er werde türkische Jugendliche bei schlechtem Benehmen bei den Ohren nehmen,
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Er poltert manchmal ganz gern ein bisschen, der Häupl.
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Ohne Betäubung wird den Buben die Vorhaut des Penis entfernt. Während dieser äußerst schmerzhaften Prozedur wird der Bub von vier Männern festgehalten. Die Mannwerdung unter Schmerzen macht den türkischen Mann stark, nun kann ihm niemand mehr etwas befehlen.
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Ein Grund mehr, in unseren maskulistischen Bestrebungen nicht nachzulassen.
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Das Verhalten von Migranten-Jugendlichen im öffentlichen Raum macht vielen, vor allem älteren Wienern Angst. Die Ehrfurcht vor Älteren gilt offenbar nur in der Familie. Auf dem Gehsteig weichen die testosterongestählten Jugendlichen prinzipiell nicht aus. In der Straßenbahn bleiben sie sitzen, selbst wenn Gehbehinderte einsteigen.
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Na ja, wir waren alle mal jung und keine Engel ...
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Wenn der Versuch in der Spielhalle nichts bringt,
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In Spielhöllen sieht man tatsächlich überdurchschnittlich viele Jugendliche aus dem türkisch-arabischen Raum.
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Warum ist das Erlernen der deutschen Sprache für Türken, zum Teil auch für Serben und andere Völker aus Ex-Jugoslawien, so schwer? Dass diese Menschen aus bildungsfernen Schichten stammen, ist ein Euphemismus. Die meisten haben überhaupt keine Bildung. Serben, die vor 20 Jahren gekommen sind, haben kaum mehr als fünf Klassen der Grundschule besucht. Schreiben können sie nur in kyrillischen Blockbuchstaben.
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Warum er immer wieder auf den Ex-Jugoslawen so herumhackt, verstehe ich nicht. Scheinbar hat er mit denen noch irgendeine private Rechnung offen.
Meinen Alltagsbeobachtungen zufolge gibt es bei dieser Gruppe drei Schichten:
- Die schon erwähnten vollkommen Assimilierten, die man nur noch am exotischen Nachnamen erkennt.
- Diejenigen, die schon lange da sind und fließend und perfekt Deutsch sprechen, aber einen gewissen Akzent behalten haben.
- Diejenigen mit tatsächlichen Sprachdefiziten. Sind mir persönlich im Alltag bisher aber noch nicht in signifikanter Weise aufgefallen.
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Dass das Erlernen von Deutsch mit diesen Voraussetzungen schwerfällt, liegt auf der Hand. Unter diesen Umständen ist auch die Forderung nach muttersprachlichem Unterricht nicht zielführend. Es kann ja nicht Aufgabe unseres Schulsystems sein, jemandem die Muttersprache beizubringen, die er im Herkunftsland nie richtig gelernt hat.
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Die Befürworter dessen argumentieren, dass es für diese Kinder später beruflich ein Pluspunkt ist, wenn sie beide Sprachen fließend sprechen. Das setzt allerdings echten Integrationswillen voraus.
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Nach diesem für Regierungsparteien, aber auch für die Grünen, desaströsen Wahlergebnis in Wien kann man in der Ausländerfrage nicht so weiter tun wie bisher.
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Ausländerfrage? Oh, oh, die Formulierung war schwer Autobahn ...
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Ein Staatssekretariat für Integration mag hilfreich sein,
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Ist bereits unter dem vorherigen Bundeskanzler diskutiert worden. In dieser Frage verweist man übrigens immer wieder ehrfuchtsvoll auf Deutschland.

Soweit meine paar Pfennige zu dem Thema.

Gruß, Kurti


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