Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

233.682 Postings in 30.704 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Ehe und StGB

LatexTester, Tuesday, 12.10.2010, 03:17 (vor 5573 Tagen) @ Garfield

"Zurück in die Steinzeit"-Parolen bringen uns leider auch nicht weiter,
und dafür spielt es auch keine Rolle, ob sie von Feministinnen oder von
radikalen Moslems verbreitet werden.

Ich denke, daß sich das Problem in Zukunft ohnehin von selbst lösen wird,
nämlich dann, wenn es der Masse der Bevölkerung wieder so schlecht geht,
daß Familienverbände als Rückhalt und Schutz dringend notwendig sind.

Bis dahin wird die Bevölkerung schrumpfen, aber das ist letztendlich auch
gut, weil wir sonst noch mehr Probleme bekommen würden.

Das ist weder noch richtig. Das Grundgesetz definierte die Ehe, die daraus resultierenden Pflichten und Rechte ziemlich exakt. Die weitergehenden rechtlichen Eingrenzungen im BGB zur Ehe und Familie sind ebenso wenig obsolet gewesen. Wer dies vertiefen möchte, lese die Texte des Verfassungsrechtlers Schachtschneider dazu. Und mehr noch, auch der hier oft erwähnte Georg Friedenberger beschreibt sehr genau, mit welchen Scheinargumenten und unjuristischen Finessen im Laufe der letzten 40 Jahre die Ehe als Institution ausgehebelt wurde. Allein schon die Beschreibung der Stoßrichtung, die von Feministinnen wie Jutta Limbach, spätere Verfassungsrichterin, ausgingen.

Bei aller Religionskritik ist der Artikel auf Muslim-Markt von der Intention nicht gänzlich falsch, auch wenn die Rettung der Institution Ehe sicher nicht mit dem Islam zu bewerkstelligen ist. Die Zustandsbeschreibung, dass die Ehe im Wesen ausgehöhlt ist, dass die zentralen Elemente der Rechtstreue mehr und mehr zerstört werden und die Menschen mit Freiheit meinen, dass der Rechtsbruch vergeltungsfrei bleiben muss, weil sie schon in Vorwegnahme den Ehebruch als erstes Mittel der Wahl in Betracht ziehen - und Ehebruch meint hier nicht nur sexuelle Ausweichmanöver - spricht eben von blinden Fleck des Rechtsempfindens. Nehmen wir als Gegenbeispiel zur Ehe eine GmbH, dann werden dort, sollte ein Geschäftspartner unterschlagen, den Wesensbestand des Unternehmens zerstören, Geschäftsvermögen unterschlagen, vorsätzlich den Geschäftspartner täuschen, etc. vielfältige Rechtsverstösse begangen. Überträgt man all die "Delikte", die in einer Ehe bis zu deren Vernichtung über Rosen- und Kinderkrieg gehen können, die Vermögensschädigungen in die Sprache von BGB, StGB und HGB, dann reden wir von multi-kriminellen Unternehmungen, die von der Gesellschaft straffrei gestellt, begünstigt oder toleriert werden.

Zweiter Punkt, falls es hier anklingen soll. Eine Überbevölkerung bekämpft sich nicht dadurch, dass die Geburtenrate in Deutschland sinkt. Dazu gibt es Berechnungen, nicht nur von Herwig Birg und der UNO, dass hier mit jeder Generation die Bevölkerung um mehr als 30% schrumpft. Die demographische Beule ist nicht durch Einwanderung zu dämpfen, dafür müssten auf die Schnelle der nächsten 30 Jahre ungefähr 701 Millionen Menschen einwandern, die wirtschaftlich erfolgreich die Renten und Pensionen sichern, wie die UNO ausgerechnet hat. Aber auch andere Berechnungen in drei Modellen, je nach zu erwartendem durchschnittlichem Lebensalter der Bestandsbevölkerung verweisen auf ähnlich absurd hohe Zahlen. Wie also das Aussterben oder die Bevölkerungsverringerung in Deutschland bei 82 Mio Menschen allein die Geburtenüberschüsse im asiatischen Raum ausgleichen oder nennenswert mindern soll, erschließt sich nicht, zumal die weltwirtschaftliche Bedeutung von Wissensgesellschaften wesentlicher Motor ist, die schwächer entwickelten Länder überhaupt am Leben zu erhalten.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum