PS: asketische Ideale
Denn ein asketisches Leben ist ein Selbstwiderspruch: hier herrscht ein Ressentiment sonder Gleichen, das eines ungesättigten Instinktes und Machtwillens, der Herr werden möchte, nicht über Etwas am Leben, sondern über das Leben selbst, über dessen tiefste, stärkste, unterste Bedingungen; hier wird ein Versuch gemacht die Kraft zu gebrauchen, um die Quellen der Kraft zu verstopfen; hier richtet sich der Blick grün und hämisch gegen das physiologische Gedeihen selbst, in Sonderheit gegen dessen Ausdruck, die Schönheit, die Freude; während am Missraten, Verkümmern, am Schmerz am Unfall, am Häßlichen, an der willkürlichen Einbuße, an der Entselbstung, Selbstgeißelung, Selbstopferung ein Wohlgefallen empfunden und gesucht wird. Dies ist Alles im höchsten Grade paradox: wir stehen hier vor einer Zwiespältigkeit, die sich selbst zwiespältig will, welche sich selbst in diesem Leiden genießt und in dem Maße sogar immer selbstgewisser und triumphierender wird, als ihre eigene Voraussetzung, die physiologische Lebensfähigkeit, abnimmt. „Der Triumph gerade in der letzten Agonie“: unter diesem superlativischen Zeichen kämpfte von jeher das asketische Ideal; in diesem Rätsel von Verführung, in diesem Bilde von Entzücken und Qual erkannte es sein hellstes Licht, sein Heil, seinen endlichen Sieg.
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Das asketische Ideal entspringt dem Schutz- und Heil-Instinkte eines degenerierenden Lebens, welches sich mit allen Mitteln zu halten sucht und um sein Dasein kämpft; es deutet auf eine partielle physiologische Hemmung und Ermüdung hin, gegen welche die tiefsten, intakt gebliebenen Instinkte des Lebens unausgesetzt mit neuen Mitteln und Erfindungen ankämpfen.
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Das kranke Weib in Sonderheit: Niemand übertrifft es in Raffinements, zu herrschen, zu drücken, zu tyrannisieren. Das kranke Weib schont dazu nichts Lebendiges, nichts totes, es gräbt die begrabensten Dinge wieder auf (die Bogos sagen; „das Weib ist eine Hyäne“). Man blicke in die Hintergründe jeder Familie, jeder Körperschaft, jedes Gemeinwesens: überall der Kampf der Kranken gegen die Gesunden, - ein stiller Kampf zumeist mit kleinen Giftpulvern, mit Nadelstichen, mit tückischem Dulder-Mienenspiele, mitunter aber auch mit jenem Kranken-Pharisäismus der lauten Gebärde, der am liebsten „die edle Entrüstung“ spielt.
(Nietzsche – Genealogie der Moral)
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Zeitgenosse,
17.08.2010, 12:15
- PS: asketische Ideale - Zeitgenosse, 17.08.2010, 12:17
- Die sollten sich mal mit der Begriffsdefinition von "Sexismus" vertraut machen und ... -
Ein Mann,
17.08.2010, 12:38
- Ach du meine Güte... - Max Aram, 17.08.2010, 14:15
- WikiPrawda - adler, 17.08.2010, 20:45
- LOL - bigotte Heuchler! - Müller, 17.08.2010, 15:11
- Das frigide Milieu ... -
Eugen,
17.08.2010, 15:28
- Das frigide Milieu ... -
Zeitgenosse,
17.08.2010, 15:45
- Das frigide Milieu ... -
Eugen,
17.08.2010, 15:56
- C'est la vie (oT) - Zeitgenosse, 17.08.2010, 15:58
- Geschlechtsmarketing - Borat Sagdijev, 17.08.2010, 21:39
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Eugen,
17.08.2010, 15:56
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Zeitgenosse,
17.08.2010, 15:45
- Das frigide Milieu ... - Tätiger, 17.08.2010, 17:19
- das arme Mädel mit dem BH - kein name, 17.08.2010, 21:56
- Rögner? Häglsperger - ajk, 18.08.2010, 00:23