Empathische Heimmütter im KStA: „Sie war der Teufel“
„Sie war der Teufel“
Erich Scheuch lebte von 1961 bis 1969 im Kinderheim Sülz unter Leitung der „Schwestern vom armen Kinde Jesu“. Er berichtet von schlimmsten Misshandlungen durch seine inzwischen verstorbene Erzieherin. Zeugen, die damals auch im Heim lebten, bestätigen das „Klima aus Angst und Terror“.
Misshandlungen Kinderheim Sülz
Sülz - Das Geschöpf steht mit hassverzerrtem Gesicht am Fußende meines Bettes. Es ist gekommen, um mich zu holen, hat Hörner, Klauen, einen Schwanz und ist umgeben von einem riesigen Feuermeer. Als ich näher hinschaue, erkenne ich, dass das Monster, das aussieht wie der leibhaftige Teufel, meine Erzieherin ist. Anstatt mich zu verbrennen, setzt sie mir kleine gefräßige Käfer auf den Oberschenkel. Die bohren sich durch die Haut und fressen sich bis zur Fußspitze vor. Das Monster lacht und ich schreie vor Schmerzen. Dann wache ich auf.
Alpträume wie dieser sind es, die mich bis heute verfolgen. Manchmal werde ich erst wach, wenn meine Frau mich rüttelt. Du hast wieder geschrien, sagt sie dann. Was genau ich gerufen habe, versteht sie meist nicht. Nur dass es auch immer wieder „Nein, Nein, Nein“ gewesen ist.
Frau W. war meine Gruppenmutter im Kinderheim Sülz. Fast acht Jahre lang. Sie war der Teufel, der mir das Leben zur Hölle gemacht hat. Sie hat mich gehasst, fast zu Tode gequält. „Am besten sollte man ihn ersäufen, dann wird er dem Steuerzahler nicht mehr auf der Tasche liegen“, hat sie über mich gesagt. Wie mir ist es vielen Kindern ergangen. Wenngleich die meisten vielleicht nicht so schlimm misshandelt wurden wie ich.
und weiter
Pro Monat einmal bewusstlos geschlagen
... Ich wurde nicht nur geschlagen, sondern brutal verprügel, fast täglich. Die Hände hat W. dafür schon früh nicht mehr benutzt. Holzlatschen, Bügel, Handfeger, abgebrochene Stuhlbeine oder Stuhllehnen und Äste, die sie von Spaziergängen mitbrachte: Ihr war nur wichtig, dass es wehtat. Bevorzugt hat sie mich dafür in einen kleinen Abstellraum geschleift. Im Schnitt hat sie dort einmal im Monat so hingelangt, dass ich bewusstlos wurde. In sieben Jahren müsste das dann 84 Mal der Fall gewesen sein. Dabei hat sie mir unter anderem ein Schienbein, ein Sattelgelenk und ein Schlüsselbein gebrochen.
Was hatte es für Folgen:
Warum sie mich so extrem behandelt hat? Vermutlich, weil sie es sich erlauben konnte. Da war kein Angehöriger, dem gegenüber sie die Verletzungen und blauen Flecke hätte erklären müssen. Meine Mutter ist in acht Jahren nur viermal zu Besuch gekommen, mein Vater nie. Nur mein Opa war häufiger da. Doch als der sich über die Misshandlungen beim Jugendamt beschwerte, durfte er mich monatelang nicht mehr besuchen.
Welche Tortouren machte der Autor und die Kinder noch mit:
Das Erbrochene musste dann natürlich wieder runter. Wenn ich das nicht wollte, stopfte sie es mir mit einem Löffel in den Mund. Wenn ich diesen nicht sofort öffnete, hielt sie mir die Nase zu, so das ich reflexartig nach Luft japste. Damit ich nichts ausspuckte, drückte sie mit der anderen Hand mein Kinn nach oben. Das hat sie mit vielen Kindern so gemacht, beispielsweise wenn sie eine heiße Suppe nicht sofort essen wollten.
Anmerkung von mir: Habe ich selbst auch so erlebt, in einer "Kinderfreizeit" auf Norderney. So stelle ich mir rückblickend ein KZ vor.
Wenn ich dringend zur Toilette musste, ließ sie mich häufig lange warten. Das hat sie bei vielen Kindern so gemacht. Wenn wir uns vor Schmerzen krümmten, lachte sie und bezeichnete uns als Waschlappen. Nachdem wir dann ins Bett oder in die Hose gemacht haben, mussten wir stundenlang mit feuchter Hose oder Betttuch im Flur stehen. Manchmal zeigte sie sogar die Unterhosen rum mit der Behauptung, derjenige sei zu dumm, sich richtig abzuputz
Was tat die Bevölkerung:
„Warum habt ihr nichts getan?“
Einmal erinnere ich mich, wie wir im Winter mit kurzer Hose im Beethovenpark spazieren gegangen sind. Ich hatte blutige Risswunden an den Beinen, weil W. mich am Tag zuvor mit einem Ast geschlagen hatte. Ich sehe noch die Gesichter von den Spaziergängern, die an uns vorbeigingen. Wenn ich könnte, würde ich diesen Leuten noch heute ins Gesicht schreien wollen.
Warum habt ihr nichts getan oder wenigstens etwas gesagt? Weggeschaut habt ihr, verschämt eure Gesichter weggedreht.
sowie das Jugendamt Sülz?
Als ich mich mit 18 Jahren selber einmal beim Jugendamt wegen der Zeit in Sülz beschwert habe, wurde mir der Mund verboten. Die Beamtin sagte, ich würde doch nur lügen, und drohte, dass man mich in ein Irrenhaus stecken würde, wenn ich keine Ruhe geben würde.
Das habe ich für bare Münze genommen. Aus Angst, in der Psychiatrie womöglich wieder einem Sadisten ausgeliefert zu sein, habe ich geschwiegen.
Ein erschütternder Bericht: http://www.ksta.de/html/artikel/1270457636935.shtml
Danke an den Femokratieblog für das Einstellen des Links.
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- Empathische Heimmütter im KStA: „Sie war der Teufel“ -
Heimkind,
08.08.2010, 21:35
- Empathische Heimmütter im KStA: „Sie war der Teufel“ - Kurti, 08.08.2010, 23:08
- Empathische Heimmütter im KStA: „Sie war der Teufel“ -
Leser,
08.08.2010, 23:17
- Nur zu Klarstellung: Ich kenne 3 Frauen, die selbiges zuhause mit Mutti erleben mussten (kwT)
-
Leser,
08.08.2010, 23:38
- Nur zu Klarstellung: Ich kenne 3 Frauen, die selbiges zuhause mit Mutti erleben mussten -
der_quixote,
09.08.2010, 12:59
- Nur zu Klarstellung: Ich kenne 3 Frauen, die selbiges zuhause mit Mutti erleben mussten (kwT) - Roslin, 09.08.2010, 16:56
- Nur zu Klarstellung: Ich kenne 3 Frauen, die selbiges zuhause mit Mutti erleben mussten -
der_quixote,
09.08.2010, 12:59
- Nur zu Klarstellung: Ich kenne 3 Frauen, die selbiges zuhause mit Mutti erleben mussten (kwT)