Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Sicherungsverwahrung: Politiker streiten – Wohin mit gefährlichen Straftätern?

Narrowitsch, Berlin, Friday, 06.08.2010, 06:31 (vor 5638 Tagen) @ Christian

Geht es nach Innenminister de Maizière, sollen Schwerkriminelle nach
Haftverbüßung eingesperrt bleiben. Die FDP sieht das anders.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article8841660/Politiker-streiten-Wohin-mit-gefaehrlichen-Straftaetern.html

Ich finde, niemand sollte sich zum Opfer medial oder politisch geschürter Hysterie machen lassen. Auch dann nicht, wenn Mann meint, er könne Femis auf diesem Wege noch mehr an die Backe kleben, als sie ohnehin verschulden.

Sachlich haben wir es mit zwei Paar Schuhen zu tun.

Das eine ist die Frage nach der Ausstellung psychologischer Persilscheine für Verbrechen , die Frauen verantworten müssen. Kindestötung ist da nur eines der weiten Felder. Freilich sprießt auf diesem Acker das feministische Unkraut, welches weibliches Täterinnenverhalten immer in psychischen Schäden - meist von Männern verursacht- sehen will. Dies gilt es freilich anzuprangern. Jedoch haben es Männer mit Ehre im Leib nicht nötig, inhumanem Denken zu verfallen, der dem des Feminismus reziprok entspricht. Selbstverständlich gehören geistig Verwirrte in die Psychiatrie. Auch wenn es sich um Frauen handelt. Was wir zu kritisieren haben, ist die Strafvereitlung an jenen, die durchaus nach üblichen Maßstäben als schuldfähig einzustufen wären, würden sich Psychos nicht zum Werkzeug des Feminismus degradieren lassen.
Pauschalisierungen sind jedenfalls bei halbwegs fairen Betrachtung von Straftaten wenig hilfreich. Ich denke, wir brauchen das Instrumentarium des diffamierenden Feminismus zur Einschätzung komplexer Vorgänge nicht.

Das andere Paar Schuhe sehe ich in der Frage nach Sicherheitsverwahrung von allgemeingefährlichen StraftäterInnen. Was ich derzeitig dazu lese und höre, lässt mich allerdings erschaudern.

Nicht resozialisierbare Mörder und Vergewaltiger dürfen nicht ohne weiteres und nach Geschmack erneut auf Gesellschaft los gelassen werden. Das dürfte jedem klar sein. Doch was die Politik als Lösung bietet, scheint mir eher auf Befriedigung diffuser Rachegelüste zu zielen, als auf eine halbwegs humane Problemlösung.

Menschen, deren Triebstruktur asozial funktioniert, haben sich dieses Schicksal nicht ausgesucht. Ihnen eine im Wortsinn lebenslange Haft aufzubrummen, scheint mir mit einem humanen Recht unvereinbar. Wird also - beispielsweise- Vergewaltigung mit 15 Jahren bestraft und der Knastaufenthalt beliebig verlängert, so kommt das einem juristischen Winkelzug gleich, der die gesetzlich vorgeschriebene Höchststrafe aushebelt. Ist die Strafe abgesessen, darf sie, auch nach Ansicht des Europäischen Gerichtshofs, nicht nach Belieben, Lust und Laune verlängert werden.

Und schon gar nicht auf Grund von Einschätzungen, die auf Wohlverhalten der Bestraften basieren. Es ist nicht ganz neu, dass etliche Wiederholungstäter genau wissen, welche Knöpfe der AnalytikerInnen und Gutachter sie bedienen müssen, um in die Freiheit zu gelangen, in der sie ihren abartigen Neigungen abermals nachgehen können.

Ich frage mich also, weshalb niemand auf die Idee kommt, geschlossene Bereiche zu errichten, in denen Insassen einer Arbeit nach gehen können, innerhalb derer sie sich frei bewegen können, meinetwegen Hund oder Katze halten dürfen und auch auch über eigene Geld verfügen, Waren per Versand bestellen, Fernsehen nach Geschmack und freiem Willen, usw. usf.
In Brandenburg und Mecklenburg stehen etliche, abseits gelegene Gutshöfe und verfallen...

Dem Sicherheitsanspruch der Gemeinschaft wäre Genüge getan, ohne unmenschlichen Dauerknast zu erzwingen. Auf solche Erwägungen scheinen unsere Volksvertreter kaum Zeit zu verschwenden. Sie widmen sich ganz offensichtlich Gesetzen mit gesellschaftlich weitaus höherer Brisanz. Fahrerlaubnis für 17 -Jährige beispielsweise.

Kein Geringerer als Fritz Lang beschäftigte sich bereits 1931 in seinem Meisterwerk M- eine Stadt sucht einen Mörder mit der Komplexität des Problems gestörter Kindesmörder.

Bezeichnend, dass Langs ebenfalls geniale Drehbuchautorin Thea von Harbou auf die dramaturgisch großartige Idee kam, die Verbrecherwelt einer Stadt auf die Jagd nach einem Kindermörder zu schicken, weil die sich in ihren Geschäften gestört sieht. Harbou beschert dieser sauberen Gesellschaft Erfolg bei der Jagd und lässt Betrüger, Diebe und Mörder zu Gericht sitzen. Das nenne ich ein Metapher. Eine prophetische noch dazu.

Ich lass das mal so stehen. nachdenken über diesen Film schadet nicht. Find ich jedenfalls.

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Extemplo simul pares esse coeperint, superiores erunt-

Den Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein.


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