Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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@Expat und alle: Der SPIEGEL zu einem unserer Hauptthemen:

Ekki, Thursday, 03.06.2010, 12:49 (vor 5697 Tagen)

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,698198,00.html

1)
Expat, kannst Du das vielleicht mal kommentieren? Du lebst doch in dieser Weltgegend.

2)
In Polen habe ich Ähnliches beobachtet: Zwar wird da nicht aufdringlich in der medizinischen Geschichte von Wildfremden gestöbert, aber wenn die Rede auf den Familienstand kommt, wird man z.B. gefragt: "Willst du denn nicht ein Stück von dir auf Erden hinterlassen, wenn du nicht mehr bist?" Und daß Jungverheiratete von ihren Familien in puncto Nachwuchs unter Druck gesetzt werden, habe ich schon vor meinen 10 Jahren Polen gehört - und es stimmt auch. In meiner nächsten Umgebung konnte ich den Effekt beobachten: Nacheinander verabschiedeten sich die von mir rekrutierten Übersetzerinnen in die Mutterschaft (i.d.R. 2 Kinder kurz hintereinander) und zogen sich als Telearbeiterinnen in die Häuser zurück, für die sie ihren Männern die Kredite aus den Rippen geleiert hatten. In den anderen Abteilungen Ähnliches - gemildert lediglich durch die Tatsache, daß unsere Juristen und Ökonomen ja im Gegensatz zu den Übersetzern ständig direkt mit Mandanten arbeiten müssen und sich ein reines Tele-Arbeitertum nicht leisten konnten. Die sorgten dann entweder für eine Betreuung ihrer Kinder, oder wechselten zu anderen Unternehmen, die noch familienfreundlicher waren als unseres, welches ohnehin schon Auszeichnungen ob seiner Familienfreundlichkeit erhalten hat. Die noch familienfreundlicheren Unternehmen haben dann wohl auch ihren leitenden Mitarbeiterinnen Telearbeit ermöglicht oder was - ich weiß es nicht.

3)
Ein glänzender Beleg für meine These, daß die Familienpolitik aller bisherigen Bundesregierungen deshalb ins Leere läuft, weil das Fortpflanzungsverhalten nichts, aber auch gar nichts[/u] mit Geld zu tun hat. Die innere Einstellung[/u] macht's.

4)
Daß ich mich in einem solche gesellschaftlichen Klima nicht wohlfühlen würde, habe ich ja in Polen am eigenen Leibe erlebt. Wer weiß, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich als Pole geboren worden und dem besagten gesellschaftlichen Druck ausgesetzt gewesen wäre und mir nicht eine eigene Wohnung hätte leisten können, in der ich friedlich vor mich hin onanieren hätte können, um dann im Kontakt mit der Weiblichkeit ganz entspannt zu sein. Bereits im kommunistischen Polen war es ein Thema, daß junge Leute wg Wohnungsnot auch nach der Heirat bei einem der Schwiegerelternpaare leben mußten, was dann nicht selten zum Auseinanderbrechen der Ehe führte, weil die Schwiegereltern sich in alles einmischten. Und deshalb beobachte ich es mit Sorge, daß auch im "Westen" aufgrund der Wirtschaftskrise immer mehr junge Menschen gezwungen sind, imm "Hotel Mama" zu bleiben. Da ist dann, wenn man entsprechende Eltern hat, auch das Sexual-/Fortpflanzungsverhalten unter "schönster" Kontrolle. In meinem eigenen Leben ist 1982 eine Beziehung in die Brüche gegangen, weil ich nach einem abendlichen Besuch bei meiner Freundin, die im Haus ihrer Eltern in einer Dachwohnung lebte, übernachtet hatte, ohne daß wir ihre Eltern vorher konsultiert hatten. Daß wir dabei in getrennten Betten schliefen, weil wir beide viel zu viel Angst vor einem "Betriebsunfall" hatten, ist das Tüpfelchen auf dem I in dieser Tragödie.

Gruß

Ekki

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Ich will ficken, ohne zu zeugen oder zu zahlen.
Lustschreie sind mir wichtiger als Babygeplärr.


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