Falls ich weiter klugscheißen darf ...
Genau diese Lehrmeinung ist mittlerweile zum Teil umstritten.
Gut. Aber welche Lehrmeinung ist eigentlich nicht "umstritten"? Menschliche Sensationslüste befördern jede/n eitlen TropfIn, der /die wissenschaftlich tönende Theorien absondert, in die oberen Ränge der Bestsellerlisten, von da aus in die Quasselshows und weiter in Form "gesicherter" Erkenntnisse ins "öffentliche Bewusstsein". Ich warte schon lange darauf, dass jemand die Erde abermals zur Scheibe erklärt, streng wissenschaftlich begründet- versteht sich.
Spätestens seit Kopernikus und Galilei müsste der denkende Mensch zur Kenntnis genommen haben, dass Wissenschaftler, wie auch Scharlatane besonders über Denkansätze streiten, die womöglich Einfluss auf das Soziale menschlicher Gemeinschaft gewinnen können. Gewiss, Streit wäre gut, trüge gewiss respektable Früchte, wenn, ja, wenn sich nicht WissenschaftlerInnen entblödeten, statt Wissen zu schaffen, sich fortwährend mit der Konstruktion - im Wortsinn- beliebiger Gesellschaften oder auch (selbst) erwünschter Sozialgefüge beschäftigten und dafür den (noch) guten Ruf der Wissenschaft missbrauchten.
Kaum jemand hat solcherlei Unfug so folgenreich betrieben, wie Margaret Mead, deren Werk die Wiki so beschreibt:
"Weltberühmt wurde Mead durch ihre Forschungsreisen 1931 nach Neuguinea, wo sie die Gesellschaftsstrukturen der Arapesh, Tchambuli und Mundugumor erforschte und aus ihrem Material folgerte, dass die bis dahin bekannten Geschlechterrollen kulturell bedingt seien und nicht genetisch vorgegeben. Sie war die erste Person, die diese (bis heute umstrittene) Ansicht empirisch zu belegen schien und gab damit den gesamten Sozialwissenschaften neue Impulse."
Aha! Und wie kam sie dazu? Die Wiki beschreibt den Antrieb ihres wissenschaftlichen Wirkens:
Mead hatte Anthropologie bei Franz Boas, einem der Gründungsväter der amerikanischen Kulturanthropologie, studiert. Boas wandte sich in seinen Forschungen gegen den von der Eugenetik vertretenen Erbdeterminismus, der den Menschen vor allem durch seine Erbanlagen bestimmt sieht. Im Sinne Boas' trat die damals 23-jährige Margaret Mead ihre Forschungen ausdrücklich mit dem Ziel der Widerlegung des Erbdeterminismus an: „Wir hatten zu zeigen, dass die Menschennatur außerordentlich anpassungsfähig ist, daß die Rhythmen der Kultur zwingender sind als die physiologischen Rhythmen … Wir hatten den Beweis zu erbringen, dass die biologische Grundlage des menschlichen Charakters sich unter verschiedenen gesellschaftlichen Bedingungen verändern kann.“
Ich habe bis heute keine Ahnung, wer Frau Mead und Kumpanen den Auftrag zu irgendwelchen Beweisen erteilte, stelle allerdings fest, welche Art der Forschung gewisser Ikonen einer gewissen Geisteshaltung bevorzugen: Zuerst steht das Ergebnisfest, sodann erforschen ForscherInnen den Beweis. Eine etwas seltsame Methode, nicht wahr? Aber eine, die ganz offensichtlich eine erstaunliche Beständigkeit vorweisen kann.
Nicht nur innerhalb bestimmter "weicher" Wissenschaft findet sie Anklang, nein, auch in der Frauenforschung und die angeblichen Männerforscher, zumindest ein Teil von ihnen, scheint sich dieser Methode ebenfalls zu bedienen. Mir will immer öfter scheinen, als verführen sie ähnlich der gefeierten Mead:
"Meads Fahrt nach Samoa im August 1925 war ihre erste Auslandsreise. Fundierte Kenntnisse der samoanischen Geschichte und Kultur hatte sie nicht. Erst vor Ort nahm sie Anfangsunterricht in der samoanischen Sprache (1 Stunde pro Tag). Da sie die Vorstellung, in der primitiven Umgebung einer samoanischen Familie zu leben, abschreckte, zog sie in das Haus einer dort ansässigen nordamerikanischen Familie. Im nächsten halben Jahr befragte sie samoanische Mädchen, 25 davon näher. Diese Befragungen bildeten die Quelle ihres Buches. Zugang zum politischen Leben der Einheimischen, den Männerversammlungen, bekam sie als Frau nicht."
So also sehen sie aus, die Forschungen nicht weniger begnadeter "WeichwissenschaftlerInnen"; sie sind in meinen Augen keinen Pfifferling wert, selbst dann nicht , wenn es ihnen ähnlich dem (ebenfalls umstrittenen) Alchemisten Johann Friedrich Böttger erginge, dem bei seinem Versuch der Goldmacherei die goldwerte Porzellanmacherei gelang. Des Alchemisten materielle Erfolg ist immerhin nachweisbar, das der sozialalchemistischen KaffeesatzleserInnen jedoch nicht. Obwohl auch denen das Streben nach Gold, äh, Geld nicht fremd sein dürfte. Und davon ist beim Zeitgeist viel zu holen. Aus diesen Gründen lese ich bestimmte Meldungen mit aller Skepsis, der ich fähig bin; selten vermag ich einschätzen, was da wissenschaftlich fundiert daherkommt und was auf das Konto marktschreiender, fahrender Pseudowissenschaftler:
körperlichen Kräfte durchaus auch sehr aktiv an der Beschaffung von
Jagdbeute beteiligt haben. Noch heute könne man anhand von Naturvölkern
sehen, dass es für in Kleingruppen lebende Menschen überlebensnotwendig
sei, dass jeder jede Tätigkeit beherrscht.
Dieser These kann ich mich freilich nicht verschließen, der (beabsichtigten?) Suggestion schon. Freilich ist die Beherrschung jeder Tätigkeit von jedem in naturnahen Gesellschaften, von erheblichen Vorteil. Und gewiss waren Frauen im "Rahmen ihrer körperlichen Kräfte" am Jagdgeschehen beteiligt.Aber eben nicht im gleichen Maße, wie Männer.Auch das ist - soweit ich weiß - in allen bekannten Gesellschaften so.Im ursprünglichen, wie im übertragenen Sinne. Was also will mich die owensche Erkenntnis lehren?
"Das sieht man an Höhlenmalereien, aber auch an Knochenfunden und der
Abnutzung der Knochen, dass die Tätigkeit zu jagen beiden Geschlechtern
anheim lag, (…)"
(Quelle: www.wdr.de/tv/servicezeit/essen_trinken/sendungsbeitraege/2009/0320/03_geschlechtsspezifische_ernaehrung.jsp)
Der link funzt bei mit leider nicht. Aber ich hatte das Glück mit einigen Archäologen über deren Arbeit zu parlieren. Alle waren sich in einem einig: Über dem Morgengrauen der Menschheit liegt noch ein fast undurchschaubarer Nebel des Nichtwissens. Selbstverständlich gibt es einige halbwegs gesicherte Erkenntnisse. Beispielsweise von Männern, die Opfer von Jagdunfällen wurden, eibliche Skellte, die über ein ähnliches Schicksal erzählen, sind - meines Wissens- bislang nicht gefunden worden. Was die Höhlenmalerei betrifft, so ist sich die Wissenschaft über den künstlerischen Wert einig, auch darüber, dass Tiere in den Vorstellungen unserer Urururahnen eine bedeutende Rolle spielten und sie gejagt wurden. Alles andere sind noch immer Vermutungen...
Ich schätze Leute, die sich zu ihrem Nichtwissen bekennen können, sie signalisieren mir Seriösität. Frau Mead und Frau Owen zählen offensichtlich nicht dazu.
Und dann bringst Du auch noch diesen komischen Vogel: Herrn Precht.
Struktur des menschlichen Gehirns schon vor 100.000 Jahren festgelegt
gewesen sei, als die Menschen in den Küstenregionen der Welt überwiegend
vom Fischfang lebten und noch kein Großwild jagten. Und könnte man heutiges
Verhalten von der Fischfang-Epoche ableiten, müsse das ja bedeuten, dass
Frauen nicht Angeln können.
Es mag sein , dass Menschen, die an Küsten lebten, sich vom Fischfang ernährten. Aber - wenn ich nicht irre - lebten die Menschen eben nicht in Mehrzahl an Küsten, sondern waren teils auf Wanderschaft oder lebten anderen teils in Tundren, Wäldern, Steppen, Gebirgen, wo immer sich Nahrung finden ließ. Das nur nebenbei. Allerdings ist auch Precht nicht unumstritten.
Ich überlasse4 es diesmal der Süddeutschen Precht zu verreißen, mir scheint nicht ganz zu unrecht:
"...Nicht einmal von den meistzitierten, paradigmenstiftenden Klassikern der evolutionären Fachliteratur des letzten halben Jahrhunderts kann Precht reden, ohne sie falsch zu identifizieren, falschen Zeitabschnitten zuzuordnen oder einfach ihre Aussagen auf den Kopf zu stellen. Irgendwann ist man so weit, dass man fast Dankbarkeit empfindet, wenn Precht bloß die Anzahl der in einem Mannesleben produzierten Spermien um einen fünfstelligen Faktor zu gering beziffert und ansonsten keinen Schaden anrichtet.
...Das Schlimmste an diesem Buch aber sind die widerlichen Ad-hominem-Äußerungen, an denen sich Precht fortwährend aufrichtet - die ständigen Andeutungen und Diffamierungen in der ganzen überflüssigen, beleglos dargereichten biographischen Sauce, in die er seine verunglückten Ideenreferate eindeckt. Es hat geradezu zwanghaften Charakter. Selbst die epochemachende Entdeckung der DNS-Doppelhelix durch Crick und Watson kann er nicht erwähnen, ohne im Vorübergehen zu versichern: "Zuvor galten beide Forscher nicht gerade als Leuchten ihrer Zunft." Über William Hamilton, den wichtigsten theoretischen Biologen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, lässt er sich seitenlang mit keiner anderen Absicht aus, als Bemerkungen wie diese anzubringen: "Die entscheidende Frage war, ob Hamilton dagegen nicht immer schon sonderbar gewesen war."
Dem füge ich nichts weiter hinzu...
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Extemplo simul pares esse coeperint, superiores erunt-
Den Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein.
gesamter Thread:
- Psychologie: Sie will reden, er will Sex – Schuld ist das Gehirn -
Christian,
14.05.2010, 14:40
- Psychologie: Sie will reden, er will Sex – Schuld ist das Gehirn -
T,
14.05.2010, 14:46
- Pseudo-Psychologin wirbt für Hormonfresserei -
Sachse,
14.05.2010, 15:06
- Pseudo-Psychologin wirbt für Hormonfresserei -
MrX,
14.05.2010, 17:21
- 80% ist Biologisch -
ajk,
14.05.2010, 17:29
- 80% ist Biologisch - MrX, 14.05.2010, 20:05
- 80% ist Biologisch - MrX, 14.05.2010, 20:12
- 80% ist Biologisch - MrX, 14.05.2010, 20:14
- Pseudo-Psychologin wirbt für Hormonfresserei -
Anonymus,
14.05.2010, 18:23
- Pseudo-Psychologin wirbt für Hormonfresserei - Borat Sagdijev, 15.05.2010, 00:38
- Pseudo-Psychologin wirbt für Hormonfresserei - MrX, 15.05.2010, 04:52
- 80% ist Biologisch -
ajk,
14.05.2010, 17:29
- Pseudo-Psychologin wirbt für Hormonfresserei -
MrX,
14.05.2010, 17:21
- Pseudo-Psychologin wirbt für Hormonfresserei -
Sachse,
14.05.2010, 15:06
- Bedeutung "Sie will reden" -
Borat Sagdijev,
14.05.2010, 17:18
- Sie sagt... er denkt ... - Schlauberger, 14.05.2010, 17:43
- Noch nie Frauen kennengelernt die Sex wollen? -
ajk,
14.05.2010, 17:27
- Schon, aber - Borat Sagdijev, 14.05.2010, 17:41
- Falls ich mal ein wenig klugscheißen darf ... -
Kurti,
14.05.2010, 19:14
- Falls ich weiter klugscheißen darf ... - Narrowitsch, 14.05.2010, 23:07
- Psychologie: Sie will reden, er will Sex – Schuld ist das Gehirn - Kurti, 14.05.2010, 19:19
- Psychologie: Sie will reden, er will Sex – Schuld ist das Gehirn - Manifold, 15.05.2010, 12:42
- Frauen haben ein Gehirn? (kt)
-
vt,
15.05.2010, 19:03
- Psychologie: Sie will reden, er will Sex – Schuld ist das Gehirn -
T,
14.05.2010, 14:46