Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

233.682 Postings in 30.704 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Für die Kinder der Fels in der Brandung sein

Asdowa, Saturday, 30.01.2010, 16:17 (vor 5814 Tagen)

http://webjungs.de/emanzipation/fuer-die-kinder-ein-fels-in-der-brandung-sein/
http://www.schwaebische-post.de/468889/

Für die Kinder der Fels in der Brandung sein

Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Wolfgang Bergmann spricht beim Rendezvous nicht nur über "Kleine Jungs in Not"

Szene im Kindergarten: Zwei Buben raufen. "Stellen Sie sich entgegen. Schluss! Aus! Lasst das! Gelassen bleibend, freundlich, die Kinder liebend. Dann sind Sie ein starkes Vorbild, eine gute Pädagogin." Sagt Wolfgang Bergmann. Erziehungswissenschaftler, Psychologe, gefragter Experte, Autor. Der in Gschwend im Bilderhaus auf behäbig humorvolle Art genau das ist: gelassen, freundlich, sein Publikum liebend. So gerät das Rendezvous zur eindrücklichen Begegnung. Ein Vortrag, der Hinhören erzeugt und viel Beifall der zahlreichen Pädagogen im Saal.

Anke Schwörer-Haag

Gschwend. Er rede gerne viel - zu viel, tadelt sich Wolfgang Bergmann warnend. Das Publikum schmunzelt. Denn der Referent erzählt kurzweilig, mit Augenzwinkern und viel biografischen Einschüben - davon, was kleine Jungs heute mit Friedens- und Genderbewegten Pädagog(inn)en widerfährt. ("Gegen Eurhythmie (Gefühle ausdrückende Tanzkunst) hab ich nix, so lange ich sie nicht machen muss"), und davon, was er selbst als Zehnjähriger noch erleben durfte: "autonomes Kindergelände im Wald, wo territoriale Kämpfe mit Holzwaffen ausgefochten wurden, der Körper in Zeit und Raum und seiner Verletzlichkeit empfunden werden konnte.".

Denn genau das findet Bergmann heute falsch - besonders im Umgang mit kleinen Jungs: zu viele Worte, die auf Rationalität setzen. Anti-Aggressionstrainings, die die Frage stellen: "Du sag mal, wie hast Du Dich denn dabei gefühlt?"

Richtig findet der 60-Jährige mit all seiner sozialpädagogischen Lebenserfahrung, wenn starke Erwachsene sich mit der Wucht ihrer Persönlichkeit aggressiven Ausbrüchen entgegenstemmen. Wenn sie Fels sind in der Brandung und dem Jugendlichen mit allem Ernst im Blick und im Klang der Stimme zugleich klarmachen: "Du bist ein toller Typ. Etwas Besonderes. Aber Du tust jetzt genau, was ich gesagt habe. Weil ich es sage." So finde er in der Therapie den Zugang - zu achtjährigen hyperaktiven Kindern, zu 14-jährigen Spielsüchtigen oder zu 16-Jährigen Drogenabhängigen.

Warum aber geraten Kinder in Not - und ganz besonders die Jungs? Zuallererst fehle ihnen die Körpererfahrung in einem pädagogischen Klima, in dem "zu Problemen zuerst der Stuhlkreis einberufen wird", scherzt Wolfgang Bergmann mit vollem Ernst. Friedfertig moralisierende Worte erreichten die Kinder nicht. "Körpersprache wirkt."

Hinzu kommt eine Verwöhntheit, "die nicht Liebe ist, sondern oft das Gegenteil". Wenn sich immer alles um die Kinder drehe, könnten diese die Welt nicht in ihrer Eigenart aufnehmen. Es fehlten Niederlagen, das Gefühl von Traurigkeit. Die Reflektion über Kleinigkeiten und die Freude daran.
Und er warnt: In diesem verweichlichten Klima erzeuge der Leistungsgedanke große Ängste, es wirke deprimierend oder ADHS-erzeugend, wenn die Eltern ihren Kindern im Nacken sitzen mit schulischen Anforderungen. 25 Prozent seien inzwischen depressiv oder hyperaktiv. Von letzteren könnten aufmerksame Erwachsene sogar hören "ich will eigentlich gar nicht mehr leben."
Schließlich findet der Psychologe ganz besonders starke Väter wichtig. "Väter, die ihre Kinder aus der richtigen und wertvollen Anfangssymbiose mit der Mutter herausholen." Die ihren Kindern die Welt zeigen. "Weib verlass den Raum, wir müssen hier spielen", zitiert er sich schmunzelnd selbst und beschreibt eine Szene, wie er einst mit seinen Kindern am Boden liegend wichtige Bauklötzchenarbeit leistete.

Weil viele Kinder solche Zuwendung nicht erlebten, fliehen 90 Prozent der Jungs in virtuelle Welten, wo der Computer den Abenteuerspielplatz Wald ersetzt und Spielergruppen (Gilden) "stinkautoritär auf die Einhaltung von Werten pochten". Reales und mediatisiertes Ich lassen sich bald nicht mehr trennen. Da körperliche Erfahrung fehle, werde jede Niederlage als tiefe Kränkung empfunden, die Aggression auslöst.

"Und was machen wir nun?", fragt Bergmann. "Eine völlige Kehrtwende in der Pädagogik. Nicht reden, nicht Moral predigen. Sondern mit dem Klang der Stimme, dem Blick der Augen Fels in der Brandung sein. Das Kind anschauend, sich an seiner reinen Existenz freuend mit ihm umgehen. Dann hört es und wird die Botschaft aufnehmen."

Schwäbische Post 28.01.2010


gesamter Thread:

 

powered by my little forum