Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Brief an Arte

Berthold, Sunday, 06.03.2005, 13:23 (vor 7640 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Wenn Väter sich rächen von Arne Hoffmann am 05. März 2005 10:21:50:

Eine Stellungnahme
(an multimedia@arte-tv.com)

In Nomine Patris, Ihre Programmankündigung für den 23. März 2005

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Befremden habe ich die Ankündigung Ihres Themenabends „In Nomine Patris“ am 22.3.2005 gelesen. Ich arbeite seit einigen Jahren in Selbsthilfegruppen mit Scheidungsvätern zusammen und habe sehr viel von dem Leid erfahren, das diese Menschen im gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Kontext durch Scheidung erfahren. Bereits in der Ankündigung Ihrer Sendungen werden willkürliche Behauptungen über die sich zur Selbsthilfe organisierenden Väter aufgestellt, wie z.B.:

„In Wirklichkeit attackieren die Väterorganisationen die Errungenschaften der Frauen: das Recht auf Scheidung, das Recht auf geografische und berufliche Mobilität, das Recht auf Abtreibung und Schutz vor ehelicher Gewalt.“

Ihre Autoren Myriam Tonelotto und Marc Hansmann wissen von der Wirklichkeit offenbar nicht viel, sondern nur die Aspekte, die sie aus einer feministischen Perspektive wahrnehmen wollen. Gute journalistische Arbeit zu einem derart wichtigen Thema sollte die ausgewogene Darstellung beider Seiten des Problemfeldes beinhalten. Nicht eine Verschwörungstherorie sollte Grundlage sein, sondern die Recherche der sich tatsächlich ereignenden menschlichen Schicksale.

Ausgewogenheit bedeutet auch, dass aus den Betroffenen nicht Gutmenschen- (betroffene Mütter) und Schlechtmenschen-Gruppen (Scheidungsväter) ausselektiert werden. Wie leben in einer rechtsstaatlichen Demokratie, die auf der Interessenwahrnehmung der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen beruht. Gerade im Bereich der Familie findet seit vielen Jahren ein Interessenausgleich zwischen Männern und Frauen statt. Es ist die normalste Sache in einer Demokratie, dass beide Seiten sich organisieren. Die Interessenvertretung der Frauenseite wird seit langer Zeit staatlich unterstützt, was die zahlreichen frauenbezogenen Ämter auf Regierungs- und Kommunalebene zeigen. Väter, die diese öffentliche Unterstützung ihrer Anliegen nicht erfahren, müssen sich mit den ihnen verfügbaren Mitteln in zahlreichen kleinen Initiativen selbst organisieren. In einer Demokratie ist die Interessenvertretung einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe (z.B. die der Frauen) nicht per se über alle Zweifel erhaben, sondern nur durch den Interessenausgleich mit den anderen beteiligten Gruppen werden für die Gesamtheit befriedigende Lösungen erreicht. Einem öffentlich geförderten Sender wie ARTE stände es gut zu Gesicht, demokratischen Initiativen zu unterstützen, statt ominöse Verschwörungstherorien (vom angeblichen organisierten Zurückdrehen der Frauenrechte) in die Welt zusetzen.

Auch Ihr zweiter Beitrag "Trennungsdramen" am 23. März zeigt nur einen Teil der Wahrheit und verfälscht die Wahrheit damit. In Trennungsauseinandersetzungen wird oft von beiden Seiten mit schmutzigen Mitteln gearbeitet. Als Anlage 2 habe ich dazu die Auswertung einer wissenschaftlichen Untersuchung von Prof. Steller (FU Berlin) beigefügt, die die Häufigkeit falscher Missbrauchsvorwürfe in familierechtlichen Verfahren zeigt. Es muss wohl kaum weiter erläutert werden, was für fatale Konsequenzen so etwas für betroffene Väter hat.

Gerne lade ich die Autoren Ihres Beitrages dazu ein, an den Treffen betroffener Väter teilzunehmen, um authentische Einblicke in die Situation der bei Ihnen als „Reaktionäre“ dargestellten Väter zu bekommen.

Mit freundlichen Grüßen


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