Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: "Deutungsversuche" von Lilith bezüglich Arne ...

Arne Hoffmann, Thursday, 17.02.2005, 20:28 (vor 7657 Tagen) @ Konfuzius

Als Antwort auf: "Deutungsversuche" von Lilith bezüglich Arne ... von Konfuzius am 17. Februar 2005 17:01:07:


Hi Konfuzius,

danke für den Hinweis. Tja, das mit diesen Links ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits führt es wirklich zu solchen geradezu verzweifelten Versuchen, mir irgendwie ... irgendwie muss es doch möglich sein, verflixt noch mal ... am Zeug zu flicken. Und ich springe wirklich nicht mehr über jedes Stöckchen, wie Rüdiger schreibt. Andererseits ist das vielleicht eine gute Gelegenheit, exemplarisch bestimmte Dinge aufzuzeigen.

Manchmal habe ich den Eindruck, die feministische Fraktion arbeitet mit gewissen Guerillamethoden, um ihre Positionen durchzusetzen. Der erste Schritt sind persönliche Angriffe, die derart unmöglich sind, dass man alle Gespräche und jeden Kontakt abbricht, um sich nicht auf dieses Niveau herabbegeben zu müssen. Der zweite Schritt ist dann, dass dieser Kontaktabbruch ausgenutzt wird, indem die feministische Liga in ihren Foren alle möglichen sinnentstellten Behauptungen über einen ausbreitet, weil sie jetzt keine Gefahr mehr sehen, dass dieser Unfug richtiggestellt wird. Alternative wäre, dass sie es irgendwann schaffen, mich/uns derart zu provozieren oder mit Gerüchten zu irritieren, dass wir einfach irgendwann reagieren MÜSSEN. Schon sind sie wieder bei uns verlinkt.

Ich mache jetzt so eine Richtigstellung einmal exemplarisch, weil du mich darauf ansprichst. Ich möchte aber nicht alle 14 Tage neuen Unfug richtigstellen, den irgendjemand mal wieder über mich verbreitet. Dafür ist mir meine Zeit ein bisschen zu schade.

Zunächst mal: Dass Sabrina Schneider und ich identisch sind, daraus habe ich aus gutem Grund nie ein Geheimnis gemacht. Margit zitiert als Belegquelle für diese Tatsache meine Autorenvita auf der Website www.lusttraum.de. Und woher hat Axel Tüting, der Betreiber dieser Website, die exakte Bibliographie aller meiner Titel, jeweils mit Jahr? Von mir natürlich.

Der unter dem Pseudonym "Sabrina Schneider" erschienene "Domina-Ratgeber" ist 1998 erschienen. Das war drei Jahre vor "Sind Frauen bessere Menschen?". Ich hatte damals noch nicht alle Gedanken so ausformuliert, war aber schon gut als Männerrechtler unterwegs. Nur war es damals noch extrem viel schwieriger als heute, das Thema Männerdiskriminierung einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen. Es gab noch keine Internetforen, 80 Verlage lehnten mein Buch einer nach dem anderen ab und so weiter. Da ich, wie Lilith/Maya und Margit sehr richtig festgestellt haben, ein kleiner Trickser bin (Trickser im Sine von Till Eulenspiegel und Co.), war mir recht schnell klar: Ich brauche ein oder mehrere "U-Boote". Wie viele Autoren, die ihre Gedanken aus den verschiedensten Gründe nicht offen äußern können, ließ ich sie z. B. als Subtext in meine Erzählungen einfließen. In meinem "Cagliostro-Lesebuch" (erschienen 1999 in Rüdigers Verlag) befindet sich neben vielen SM-Kurzgeschichten auch ein achtseitiges "maskulistisches Manifest", in dem ich vieles von dem bereits angerissen habe, was ich später ausführen würde. So wurden Männer und Frauen, die sich für das Thema Männerdiskriminierung eigentlich nicht interessierten, sonder nur ein paar heiße Storys lesen wollten, auf dieses Problem aufmerksam gemacht.

Mit "Sabrina Schneiders" Domina-Ratgeber war es nicht viel anders. Obwohl Margit so ziemlich jedes Buch von mir zu besitzen scheint, zitiert sie daraus mal wieder nur sehr selektiv, wie es so ihre Art ist. Warum lesen wir Seite 17ff. des Buches mal nicht im Gesamtzusammenhang? "Sabrina Schneider" schreibt hier:

"Zwar hat uns die Frauenbewegung in sehr vielem große Stücke vorangebracht, aber etwas, was auch Feministinnen nie ganz begriffen haben, ist, dass wir in vielfacher Hinsicht schon immer in einem Matriarchat gelebt haben. Der Mann lernt von früh auf, dass ihm körperliche, sexuelle Nähe zu einer Frau nur gestattet ist, wenn er etwas leistet bzw. erduldet. Erst wenn er sie zum Abendessen eingeladen und sie mit Blumen, Pralinen oder anderen Geschenken überhäuft hat, lässt ihn seine Angebetete vielleicht an sich heran. Sie haben beide ihren Spaß, sowohl im Bett als auch vorher im Restaurant, aber er ist es, der die Rechnung zahlt. Dieses Muster durchzieht sein gesamtes Leben: So weiß er z. B. dass er vom weiblichen Geschlecht (solange er nict außergewöhnlich gut aussieht) nur dann als erotisch wahrgenommen wird, wenn er über Macht, Geld, Einfluss und die entsprechenden Statussymbole wie z. B. eine klasse Wohnung oder ein tolles Auto verfügt. Dafür arbeitet er sich dann auch jahrelang krumm - und fährt fort damit, sobald er verheiratet ist, weil er dann ja seine Familie unterstützen muss. Auch in den heutigen Zeiten gleicher Berufschancen kommt es kaum vereinzelt vor, dass eine Frau durch ihr Einkommen ihre gesamte Familie unterstützt, während der Mann zu Hause bleibt: Blöd müssten wir sein! (...)"

Tja, schon komisch, dass Margit ihr Zitat ausgerechnet nach dem ersten Satz dieser Passage abgebrochen hat. Warum nur? Natürlich weil diese Absätze fast reiner Warren Farrell sind, Godfather of Männerbewegung, und damals noch mein stärkster Einfluss, auch wenn mir diese Formulierungen heute etwas zu plaktiv und undifferenziert wären. Mehrere weitere Passagen des Buches gehen in eine ähnliche Richtung. Es ist in höchstem Maße sarkastisch. Sabrina Schneider war damals schon als Kunstfigur angelegt, die neben fundierten SM-Tipps immer wieder auch solche Sentenzen unterbrachte.

Maya/Lilith, die das Buch vermutlich nicht gelesen hat, aber natürlich trotzdem immer alles ganz genau weiß *ggg*, macht sich an einer Stelle darüber lustig, dass ich es "jetzt" als Satire verkaufen würde. Eine Satire war es in weiten Teilen von Anfang an, und jedem aufmerksamen Leser wäre das klar geworden. Es beginnt ja schon selbstironisch mit dem Satz: "Wer etwas gut kann, tut es. Wer etwas nicht kann, schreibt darüber einen Ratgeber." Auf Seite 12 schreibe ich explizit: "Generell fühle ich mich mit diesem Buch in der literarischen Tradition von Autoren wie Jonathan Swift, und so möchte ich auch verstanden wissen." Ich frage mich, wieviele Möchtegern-Dominas sich gewundert haben, inwiefern ein Erotik-Ratgeber in der "literarischen Tradition" des Autors von "Gullivers Reisen" stehen soll. Nun ist "Gullivers Reisen" erst seit neuerer Zeit ein Kinderbuch. In seiner eigenen Epoche war Swift (1667-1745) vor allem als Satiriker und Kritiker an den Zuständen seiner Zeit bekannt. Sein zweitbekanntestes Werk dürfte "A Modest Proposal" ("Ein bescheidener Vorschlag") sein, ein ziemlich hinterfotziger Text, der ebenfalls nicht auf den allerersten Blick als Satire zu erkennen ist. Scheinbar sachlich und folgerichtig unterbreitet Swift den unter einer Hungersnot leidenden Iren darin seine Idee, wie sie mit ihrer Armut und Überbevölkerung fertig werden könnten: Sie sollten einfach ihre eigenen Kinder im Alter von einem Jahr, wenn das Fleisch noch schön zart ist, verspeisen oder als Delikatesse an die reichen Engländer verkaufen. Damit wären sie die Kosten los, der irische Staat würde entlastet und der englische Adel hätte eine neue Leckerei. In derselben zynischen Weise "empfiehlt" Sabrina Schneider, die Entrechtung des Mannes zu sexualisieren und sich gleich von irgendwelchen Frauen versklaven zu lassen. Wer die Ironie nicht kapiert, ist selbst dran schuld.

Recht hat Margit damit, dass dieser Domina-Ratgeber damals schon ein kleines Kultbuch war. Heute wird es wegen einem gewissen Seltenheitswert zu 40 Euro pro Stück bei Ebay vertickt. Währenddessen habe ich mir die Möglichkeit erarbeitet, meine Ansichten direkter und differenzierter öffentlich zu machen.

Herzlicher Gruß

Arne


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