Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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der falsch verstandene Darwin

Joseph S, Friday, 04.02.2005, 00:55 (vor 7670 Tagen)

Hallo,

ich möchte nochmals einen Aspekt des inzwischen geschlossenen Threads
index.php?id=41290
betrachten: Nämlich die Aussage, daß Frauen die Männer mit den besseren Genen zum Zeugen
und andere zum Erziehen der Kinder wollen.

Das mit den besseren Genen ist tatsächlich völliger Blödsin. Man sollte sich mal überlegen,
in welche Ecke wir gesteckt werden würden, wenn wir von besseren Genen faseln würden.

Zudem ist das ein totales Mißverstehen von Darwin. Darwin mißt die Stärke a posteriori durch
den Überlebenserfolg. Demnach sind Kaninchen stärker als Tiger. Der Beweis geht über die
Frage, welcher der beiden vom Aussterben bedroht ist. Wer das Gegenteil dadurch beweisen
will, daß er diese mit hinreichender Fütterung in einen Käfig setzt, und schaut, wer dort
überlebt, macht den Fehler, daß er weltfremde Randbedingungen setzt.

Nun wird berichtet, daß Frauen sich ihre Geschlechtspartner nach der Zweikampfstärke (körperlich
oder sozial) aussuchen, und daß das evolutionsbedingt so sei. Daß die Trennung von Zeugungs-
und Erziehungsvater nicht dauerhaft funktioniert, weil damit die Erziehungsväter nach kurzer
Zeit verschwinden, ist offensichtlich. Des weiteren legen die psychischen Probleme der
entvaterten Kinder nahe, daß so der Fortbestand der Menschheit nicht funktioniert. Darwinistisch
gesehen ist dies also ganz schwach.
Allerdings gibt es da auch einen Mechanismus der selbsterfüllenden Prophezeiungen. Wenn die
Frauen glauben, daß ein Merkmal an Männern gut sei, wird es dadurch zum darwinistischen
Vorteil, daß diese Männer leichter Geschlechtspartner finden. So und nur so gesehen sind
die kinderfeindlichen Machos heutzutage darwinistisch stark.

Wer wissen will, wohin das führt, braucht nur die feministische Beschreibungen von Männerwelten
zu lesen. Die setzten nämlich diese Eigenschaften als natürlich männlich vorraus, und
übersehen völlig, daß viele erfolgreiche Männer in großem Maße über so angeblich weibliche
Eigenschaften wie Kompromißfähigkeit und Verhandlungsgeschick vefügen, und keineswegs
total rücksichtslos sind.
Leider herrscht zur Zeit die Ideologie der Rücksichtslosigkeit, die zwar kurzfristig Erfolge
feiern kann, aber langfristig zum Zusammenbruch führt.

Wie sehr Frauen an diese Ideologie glauben, natürlich ohne dies offen zuzugeben, kann man
an ihrer Partnerwahl sehen. Der Feminismus harmoniert überraschen gut damit, wie man an den
böse-Mädchen-Büchern, und an dem, was die Frauen für sich fordern, sehen kann. Fürsorglichkeit
als Hauptlebensaufgabe lehnt eine Emanze für sich selbstverständlich ab.

Deshalb wünsche ich mir, daß das, was die Feministen vordergründig gefordert haben, aber
keineswegs gemacht haben, tatsächlich geschieht: Das Auflösen einengender Geschlechterbilder
und die Abschaffung der Verehrung des Machomännerbildes. Ich habe aber das Gefühl, daß auch
hier nur sehr wenige Frauen mitmachen wollen, weil die gerade die Frauen, wie man sieht,
für den Fortbestand des Machotums sorgen, wobei erschwerend dazu kommt, daß das gelegentlich
noch als natürlich, weil evolutionsbedingt bezeichnet wird.

Im übrigen bin ich der Meinung, daß man nicht evolutionär folgern soll, was gut sei.

Gruß
Joseph

PS Hier ist ha ne Menge los. Ich hätte nicht gedacht, daß ich so tief ins Archiv blättern
muß, um den Aufhänger für meine Gedanken wieder zu finden.


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