Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: UNGLAUBLICH!: Moshammer-Fall aufgedeckt, weil...

Garfield, Tuesday, 18.01.2005, 17:36 (vor 7687 Tagen) @ Magnus

Als Antwort auf: UNGLAUBLICH!: Moshammer-Fall aufgedeckt, weil... von Magnus am 16. Januar 2005 19:00:46:

Hallo Magnus!

Ich habe gehört, daß dieser Iraker irgendein nicht-sexuelles Gewaltdelikt begangen haben soll. Es gibt aber mittlerweile ganz offiziell eine DNA-Datenbank für Gewaltstraftäter. Also längst nicht mehr nur für Sexualstraftäter. Man kann somit mittlerweile auch ganz offiziell und legal in dieser Datenbank landen, wenn man nur mal an einer Kneipenschlägerei beteiligt war und dafür angezeigt und verurteilt wurde.

Das entsprechende Gesetz existiert schon seit 1998. Man hat aber - soviel ich weiß - erst Anfang 2002, "ganz zufällig" nach dem Attentat auf das World Trade Center, damit begonnen, dieses Gesetz auf breiter Front umzusetzen, indem man Leute mit Vorstrafen wegen Gewaltdelikten zur Abgabe von DNA-Proben vorlud.

So können die DNA-Daten dieses Irakers ganz offiziell und legal gespeichert worden sein.

Das ist allerdings kein Grund zur Beruhigung. Denn nach dem Moshammer-Fall wird nun natürlich prompt wieder eine allgemeine DNA-Datenbank gefordert. Das allein wäre ja für mich noch gar kein Problem. Ich habe nicht vor, jemanden umzubringen oder zu vergewaltigen.

Nur ist doch klar, daß durch Schlamperei oder Korruption die DNA-Daten auch noch ganz woanders landen würden. Selbst wenn man zum DNA-Vergleich nur DNA-Sequenzen speichert, die keinen Rückschluß auf Erbanlagen zulassen: Die dazu nötigen Proben enthalten zwangsläufig die gesamte DNA, inklusiver sämtlicher Gen-Informationen. Wer garantiert mir, daß diese Proben nach Erfassung der unkritischen Daten tatsächlich 100%ig vernichtet und nicht ganz oder teilweise zusammen mit meinen persönlichen Daten irgendwohin verkauft werden? Das würde ich nur glauben, wenn ich meine Probe nie aus den Augen lassen müßte und sie selbst vernichten könnte.

Und ich sehe in einer allgemeinen DNA-Datenbank auch die Gefahr, daß man das zum Anlaß für weitere finanzielle Kürzungen bei der Polizei nehmen wird, weil man davon ausgeht, daß mit dieser Datenbank gerade Kapitaldelikte sehr viel schneller aufgeklärt werden könnten. Und daß die Polizei dann allein schon aus Personalmangel gar nicht mehr in der Lage sein wird, einen Fall ausreichend aufzuklären, inklusive Aufnahme und Auswertung sämtlicher Spuren. Und daß man dann, sobald man irgendeine Spur findet, die DNA enthält, sich einfach nur noch darauf verlassen wird. Dann kann nämlich jeder, der beispielsweise jemanden umbringen will, sich Materialien, die DNA enthalten (z.B. Kaugummis, Zigaretten-Kippen, ausgefallene Haare), von einer anderen Person aus seinem Umfeld beschaffen, von der er sicher weiß, daß sie zur geplanten Tatzeit kein Alibi haben wird. Dieses Material muß dann nur noch unübersehbar am Tatort platziert werden, und schon hat die Justiz einen Schuldigen, der dann anstelle des wahren Täters hinter Gitter wandert.

Wem es ernsthaft um schnellere Verbrechensaufklärung geht, der muß vor allem mehr Mittel für Polizei und Gerichtsmedizin fordern. Fachleute vermuten nämlich, daß in Deutschland ein erschreckend großer Prozentsatz der Morde gar nicht als solcher erkannt wird. Weil es hierzulande bezogen auf die Bevölkerungszahl deutlich weniger Autopsien gibt als beispielsweise in Österreich. Und interessanterweise geschehen in Deutschland bezogen auf die Bevölkerungszahl offiziell auch nur halb soviele Morde wie in Österreich... Zumindest war das vor etwa 2 Jahren so. Ich fürchte aber, daß sich diese Situation mittlerweile kaum verbessert haben wird.

Wenn das niemanden interessiert, andererseits aber immer wieder eine allgemeine DNA-Datenbank gefordert wird, dann kann es dabei wohl kaum um Verbrechensaufklärung gehen. Worum geht es also wirklich?

Freundliche Grüße
von Garfield


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