Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: "Erleichterte Anfechtung" lenkt ab von der Kernfrage selbstbestimmter Klärung

Garfield, Thursday, 13.01.2005, 16:09 (vor 7692 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Re: "Erleichterte Anfechtung" lenkt ab von der Kernfrage selbstbestimmter Klärung von Nick am 12. Januar 2005 22:14:18:

Hallo Nick!

"Das ist die spezifisch rotgrüne, totalitaristische Gefahr, die von diesen blutleeren Zombies ausgeht. Ihr Programm geht viel weiter und greift viel tiefer, als "nur" Frauen zu bevorzugen. In Wahrheit sollen alle Menschen, Männer wie Frauen, zu Funktionsträgern ihrer perversen Ideologie werden."

Hm, abgesehen von den Radikalfeministinnen hat doch niemand in der deutschen Politik eine Ideologie.

Das große, wesentliche Problem, das die deutschen Politiker (aller größeren Parteien) unbedingt weiterhin lösen möchten, ist doch folgendes:

In jahrzehntelanger Arbeit hat man sich Stück für Stück überreiche Pfründe geschaffen. So stiegen die Bezüge der Bundestagsabgeordneten von anfangs einigen 100 DM auf heute mehrere 1000 Euro an. Dazu kommen noch illegale Einnahmen durch Schmiergelder. Das bißchen, was darüber gelegentlich ans Tageslicht kommt, ist nur die Spitze eines riesigen Eisbergs. Dann hat man noch Bezüge für's Wegsehen in Aufsichtsräten, so mancher Abgeordnete kassiert noch ganz legal eine vierstellige Summe Arbeitslosengeld als kleines Taschengeld... Und wenn man dann eines Tages vom gut bezahlten Posten zurück tritt oder auch zurück getreten wird, kassiert man seine dicke Pension.

Und für das gezahlte Schmiergeld muß man natürlich etwas tun. Da werden dann weit überhöhte Preise für staatliche Aufträge gezahlt usw. Das alles kostet auch noch Unsummen an Steuergeldern.

Solange der deutsche Binnenmarkt wuchs und immer mehr Geld in die Staatskasse kam, war das relativ problemlos bezahlbar. Nun schrumpft der deutsche Binnenmarkt aber, und damit gehen auch die Steuereinnahmen zurück. Es gibt immer weniger Menschen, die noch Lohnsteuern zahlen und viel konsumieren können, damit sinken die Einnahmen aus Mehrwert-, Umsatzsteuer usw. Gleichzeitig müssen immer mehr Arbeitslose finanziert werden, und die Rentner werden auch immer älter...

Das würde unsere Politiker ja soweit noch gar nicht stören. Das große, wesentliche Problem besteht nur darin, wie sie ihre Pfründe angesichts dieser Tatsachen weiter erhalten oder sogar noch verbessern können. Das ist für sie die große Frage unserer Zeit. Und so kommt es dann, daß beispielsweise bei Abstimmungen über Diätenerhöhungen regelmäßig nahezu alle Abgeordneten versammelt sind, während bei so mancher Debatte über das Problem der wachsenden Erwerbslosigkeit fast alle Sitze im Parlament leer bleiben.

Um dieses Problem zu lösen, müssen immer neue Steuern- und Abgabenerhöhungen beschlossen werden. Das kommt beim Volk natürlich nicht gut an. Das Problem der Wiederwahl ist für unsere Spitzenpolitiker tatsächlich gar nicht so drängend. Eine Abwahl ist zwar ärgerlich, aber auch für diesen Fall hat man ja vorgesorgt. Die Spitzenpolitiker haben ja üblicherweise auch noch gut bezahlte Posten in ihren Parteien und als Abgeordnete, und ihre fetten Pensionen sind ihnen ohnehin meist längst sicher. Es ist ja nicht so wie beim normalen Durchschnitts-Erwerbstätigen, der bis zum 65. Lebensjahr durch arbeiten muß, um die volle Rente zu bekommen. Ein Abgeordneter, der schon mehrere (6, soweit ich mich erinnere) Jahre als solcher tätig war, muß nur für einen einzigen Tag als Minister eingesetzt gewesen sein, und schon steht ihm die volle Ministerpension zu.

Wirklich schlimm wäre, wenn plötzlich eine politische Macht erscheinen würde, die an den Pfründen der Politiker rüttelt und auch da Einsparungen fordert. Und die dann womöglich auch noch Korruption und Mißwirtschaft bekämpfen würde. Vielleicht irgendeine Bürgerinitiative oder etwas ähnlich Lästiges. Deshalb ist es wichtig, doch so viele Menschen wie möglich vom Sinn des Unsinns der deutschen Politik zu überzeugen.

Wie kann man das aber, wenn man den Menschen tatsächlich nichts Positives zu bieten hat?

Aber zum Glück gibt es ja heute Schlagworte und Gruppierungen, die als "politisch korrekt" gelten. Noch besser ist, daß diese Schlagworte üblicherweise hohl sind. Man kann sie also nach Belieben verwenden, ohne irgendetwas Konkretes hinein packen zu müssen.

Die Grünen haben den Umweltschutz lange Zeit auf diese Weise benutzt. Als sie dann aber an der Macht waren, mußten sie erkennen, daß nun so mancher Slogan auf einmal doch Substanz bekam. Das war ein böses Erwachen für sie, denn nun wurde von ihnen erwartet, ihre früheren Forderungen tatsächlich zu verwirklichen. Hätten sie das getan, dann hätten sie sich aber mit einigen sehr mächtigen Gruppierungen angelegt, und das wäre sehr unangenehm für sie ausgegangen.

Da war guter Rat teuer, und so stürzte man sich dann auf ein anderes Feld des Gutmenschentums: Den Feminismus. Der hat den unschätzbaren Vorteil, daß er als positiv gilt und man sich somit ein gutes Image verschafft, wenn man ihm nützt, daß andererseits aber alle berechtigten feministischen Forderungen längst erfüllt sind. Es gibt da also nichts mehr zu tun, und man kann Phrasen dreschen ohne Ende. Glaubt man jedenfalls.

Und wenn es nun um Anfechtung der Vaterschaft geht, dann ist das eine Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:

Erstens erspart man der Staatskasse Kosten für Kuckuckskinder, wenn man den angeblichen Vätern dieser Kinder eine Anfechtung der Vaterschaft weiter erschwert. Eingesparte Ausgaben können aber schon wieder verwendet werden, um Politiker-Pfründe auszuweiten oder sie zumindest weiterhin zu finanzieren.

Zweitens glaubt man sich damit frauenfreundlich zu geben und hofft, daß man so zumindest von Frauen bei den nächsten Wahlen viele Stimmen bekommt. Zumindest die Mütter der 10% Kuckuckskinder haben ja allen Grund, für so etwas dankbar zu sein...

Gut an Wählerstimmen ist dann auch noch, daß die Partei dafür Geld bekommt.

Das sind die wesentlichen Beweggründe, die ich da sehe. Eine echte Ideologie aber kann ich da nirgends erkennen.

Freundliche Grüße
von Garfield



gesamter Thread:

 

powered by my little forum