Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Sprengstoff für einen Krieg der Geschlechter

Arne Hoffmann, Thursday, 13.01.2005, 10:15 (vor 7692 Tagen)

So schlagzeilt Marianne Quoirin im "Kölner Stadtanzeiger" und führt weiter aus:

"Brigitte Zypries, bisher glücklose Bundesjustizministerin, mag die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs (BGH) zu heimlichen Vaterschaftstests als Triumph empfinden. Noch vor den Urteilen hatte sie vehement für ein Verbot solcher Gen-Gutachten im Rahmen eines überfälligen Gendiagnostik-Gesetzes plädiert. Das konnte sie auch ohne Risiko tun, denn die Entscheidungen des Familiensenats bergen keine Überraschung. Eine Sensation wäre es gewesen, hätten die Richter sich über die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur informationellen Selbstbestimmung hinweggesetzt. (…) Die Urteile bedürfen dringend einer Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht, denn sie provozieren zusammen mit dem geplanten Verbot heimlicher Vaterschaftstests einen Rattenschwanz von Problemen - nicht zwangsläufig juristischer Natur. Sie gefährden den Frieden in Familien und liefern überdies Sprengstoff für einen neuen Krieg der Geschlechter. Die Männer wähnen sich in der Defensive, fühlen sich - wie schon beim Scheidungs- und Unterhaltsrecht - im Stich gelassen. (…) Wenn auch ein Gesetz für einen restriktiven Umgang mit Informationen aus genetischem Material (etwa zum Abschluss von Versicherungen oder am Arbeitsplatz) nur zu begrüßen ist, wirkt das generelle Verbot heimlicher Vaterschaftstests kontraproduktiv. Es ist auch nicht praktikabel. Die Hoffnung von Ministerin Zypries auf eine gemeinsame Linie in der EU ist reines Wunschdenken. Und sollte sie wider Erwarten doch Erfolg damit haben, können Männer halt Firmen in den USA und Asien in Anspruch nehmen. Die Proben lassen sich in die entlegensten Winkel der Welt schicken. Über das Internet solche Tests einzufädeln ist heute kein Problem mehr. (…)"

http://www.ksta.de/servlet/CachedContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1105553521113&openMenu=987490165154&calledPageId=990463457062&listid=994347600305

Derweil meldet ddp folgendes:

"Der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsauschusses, Andreas Schmidt (CDU), gibt dem von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) geplanten Verbot von heimlichen Vaterschaftstests keine Chance. «Ich glaube nicht, dass das Gesetz kommt», sagte Schmidt der «Leipziger Volkszeitung» (Donnerstagausgabe). Zugleich kritisierte er, dass man in der Diskussion um das Gesetz immer vom Persönlichkeitsrecht spreche, das nicht angetastet werden dürfe. «Dabei geht es nicht in erster Linie um das Persönlichkeitsrecht des Kindes oder der Mutter.» Ein Vater wolle doch nur wissen, ob er auch wirklich der Vater sei. Die anonymen Tests würden oft so dargestellt, als könnten damit vollständige Gen-Sequenzen angefertigt werden. Dem sei aber nicht so. Deshalb ist für Schmidt die Diskussion «an den Haaren herbeigezogen» und «übertrieben». (…)"

http://de.news.yahoo.com/050113/336/4demi.html

Im "Wiesbadener Kurier" argumentiert Rasmus Buchsteiner:

"Angesichts der bestehenden Missbrauchsgefahr und des hohen Guts der Selbstbestimmung auch über genetische Daten ist die Entscheidung die einzig Richtige. Doch führt sie vor Augen, wie verzwickt die Situation der "Kuckucksväter" ist: Entweder sie glauben ein Leben lang, die von einem anderen Mann gezeugten Kinder seien die eigenen. Oder sie hegen Zweifel, verschaffen sich Gewissheit mit Hilfe eines hierzulande derzeit noch nicht verbotenen heimlichen Tests, können aber mit dem Ergebnis beim Familienrichter nichts anfangen. Eine wahrhaft absurde Vorstellung, zumal es nicht selten um hohe Unterhaltszahlungen geht. Will man diese Unzulänglichkeit aufheben, reicht es nicht, die heimlichen Tests zu verbieten. Einher mit den rot-grünen Verbotsplänen müssen Verbesserungen für potenzielle Kuckucksväter gehen. Die rechtlichen Hürden für die Aufnahme eines Verfahrens vor dem Familiengericht sind zu hoch. Von jemandem, der Zweifel an seiner Vaterschaft hat, darf nicht verlangt werden, dass er mögliche Verhältnisse der Mutter mit anderen Männern belegen kann. (…)"

http://www.wiesbadener-kurier.de/politik/objekt.php3?artikel_id=1750538

Inzwischen scheint der Mainzer Theologieprofessor Walter Dietz zur Männerbewegung zu stoßen:

"(…) Um ihr eine Stimme zu verleihen - der »schweigenden Mehrheit von Vätern, die nicht einverstanden sind mit den Zielen und Motiven dieser Politik«. Ein Verbot heimlicher Vaterschaftstests, behauptet der Theologe, passe zur »allgemeinen Tendenz in unserer Gesellschaft, die Rechte der Väter so weit wie möglich zu beschneiden«. Dietz: »Das ist Schiffeversenken mit Väterrechten.« Statt dessen würden die Rechte der Mütter gestärkt, kritisiert der 49-Jährige. »Sie hat das Recht, ihren Mann zu belügen, ihm die Herkunft des Kindes, für das er sorgt, zu verschweigen. Der Begriff des informellen Selbstbestimmungsrechts werde »zu einem trojanischen Pferd gemacht, um die Rechte der Väter einzuschränken«. Gerade als Dekan im Fachbereich evangelische Theologie und als Sozialethiker sehe er sich in der Pflicht, als Betroffener öffentlich in die Diskussion über Vaterschaftstests einzusteigen. »Für mich ist ganz wesentlich: es darf kein Recht geben zu lügen und zu verheimlichen«, betont er. (…) Walter Dietz` Ehefrau wollte gestern keine Stellungnahme abgeben. Sie sei fassungslos, dass ihr Mann in einem Fernsehbeitrag Familie und Kinder ohne ihr Wissen in die Öffentlichkeit gezerrt habe, sagte sie der AZ."

http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=1750020

Schon putzig, dass Umfragen zufolge 80 Prozent der Frauen auf ihrem "Recht zu lügen und zu verheimlichen" bestehen … Springen deutsche Frauen wirklich dermaßen durch alle Betten? Ich bin gelinde verblüfft.

Arne


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