Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Vergangenheit/Gegenwart (Offtopic)

Magnus, Saturday, 08.01.2005, 20:59 (vor 7697 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Vergangenheit/Gegenwart von Arne Hoffmann am 08. Januar 2005 15:16:06:

Gleich vorneweg: ich habe meine unterschiedlichen Erfahrungen mit Juden gemacht, die in der jungen Generation sind, wie ich (mitte/Ende 20) - die eine Jüdin ist mir damals durch deutschfeindliche Beiträge aufgefallen. Auch wenn man jetzt sagen kann, dass sie indirekt vom Holocaust betroffen ist, weil vielleicht (ich weiß es nicht ob es stimmt) dort ein Großelternteil umgebracht wurde, so ist das noch immer keine Grund für die Aufrechterhaltung dieses Konfliktes. (Ganz anders ist das natürlich bei denen, die tatsächlich direkt betroffen sind.)

Andereseits ein Blick in meine Familie zeigt, wie es bei uns wahr: unrechtsmäßige Enteignung (Haus weggenommen) durch die Russen nach dem Krieg, und - erst vor kurzem Rehabilitation aus Moskau erhalten - zwei unrechtmäßige Hinrichungen von meinem Groß- und Ur-Großvater (mütterlicherseits) durch die Russen. Weder ich, noch meine Mutter machen die heutigen Russen für das Verantwortlich was war oder reden von "Erbschuld" oder sonstigem Müll oder fühlen dieses Ereignis als derzeit immer noch "präsent".

Aus diesem Grund, kann auch ein junger Jude, der glaubt, nur weil er Jude ist, nicht den halben Preis von einer handwerklichen Ware von einem Deutschen der zweiten Nachkriegsgeneration mit dieser offenen Begründung zu erzwingen versuchen. Dies erfolgt schlichtweg nach dem gleichen Schema, wie Norman Finkelstein es in seinem Buch "Die Holocaustindustrie" beschrieben hat. Definitiv ist diese Denkweise auch bei jüdischen Organisatinen vorhanden: es geht ums Geld.

Soviel erstmal dazu.

Es gibt weder das absolute Opfer der Geschichte (Auch wenn manche Juden diese Einzigartigkeit von Form und Ausmaß gerne für sich veranschlagen), noch gibt es das absolute Böse, noch hat irgendein Nachfahre "Sühne" einer allgemeinen Gruppe gegenüber zu tragen für das, was Vorfahren angerichtet haben. Dennoch zahlt aus genau diesem Grund die Bundesregierung Jahr für Jahr Israel, einem Land, welches eine Völkerrechtsverletzung nach der anderen begeht, "Entwicklungshilfe" oder verschenkt U-Boote die extra vorher für Atomsprengköpfe umgebaut wurden. Diese Gelder wären in der Entschädigung der tatsächlichen Opfer des Holocaustes wahrlich besser aufgehoben gewesen.

Nur wer sich von dieser Denkweise löst, kann wieder rational handeln. Für die Bundesregierung, die den Antrag, dass das Holocaustmahnmal auch für die anderen Opfer des Holocaustes bestimmt sein soll und nicht nur für die Juden, abgelehnt hat, trifft das besonders zu. Den Juden bedarf weder Bevorzugung, noch besonderer Schutz, noch eine Extrabehandlung, aber auch keine Benachteilung. Doch genau diese Kritikunfähigkeit und das Antisemit-Totschlag-Argument (siehe Möllemann und Hohmann) machen eine sachliche Diskussion in Deutshland und seinem riesigen Dilemma der Vergangenheitsbewältigung zunichte.

Magnus


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