Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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"Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan?"

Arne Hoffmann, Saturday, 08.01.2005, 12:46 (vor 7697 Tagen)

Howdy ;-)

In einer meiner beiden Heimatzeitungen, dem "Wiesbadener Tagblatt", findet sich auf Seite 2 ein sehr ausführlicher Kommentar von Reinhard Breidenbach zu dem von Zypries angedrohten "Schlampenparagraphen". Er steht leider nicht online und ist viel zu lang, als dass ich ihn sinnvoll abtippen könnte, deshalb hier nur einige Höhepunkte:

--- (…) Es gilt, Schutzrechte und Interessensphären behutsam gegeneinander abzuwägen. Sowohl das betroffene Kind als auch der an seiner Vaterschaft zweifelnde Mann möchten die anderen Familienmitglieder schonen - oder er misstraut ihnen massiv, weil bereits ein Konflikt schwelt. (…) All dies zeigt: die Materie ist höchst sensibel. Und in der Verantwortung, damit vernünftig umzugehen, stehen in allererster Linie die Betroffenen selbst. Der Staat mit seinen Gerichten und Institutionen kann helfend eingreifen, wenn er gerufen wird oder wenn die Lage eskaliert. In diese empfindliche Balance-Situation passt eins nun allerdings überhaupt nicht hinein: die Idee, heimliche Vaterschaftstests unter Strafe zu stellen. Abgesehen davon, dass solch ein strafbewehrtes Verbot leicht durch Ausweichen ins Ausland unterlaufen werden könnte (…): Strafe darf von ihrer Natur her immer nur das allerletzte Mittel sein, um schweres Unrecht zu sühnen und gravierende Gefahren abzuwehren. (…) Deshalb mit Strafe in ein so anfälliges Beziehungsgeflecht wie das einer schwelenden Vaterschafts-Unsicherheit einzugreifen, das war eine krause Idee. Das wäre so, als gehe ein Chirurg mit dem großen Schlachtermesser in eine Operation am offenen Herzen. Ganz spät, am Freitagabend, ruderte die Ministerin zurück, wenigstens ein bisschen. Ach, Frau Zypries. ---

Einen weiteren guten Kommentar veröffentlicht unter http://www.ez-online.de/ueberregional/kommentar/Artikel82546.cfm die Esslinger Zeitung. Zitat: "Es ist zu begrüßen, dass nicht nur Oppositionspolitiker, sondern auch die mitregierenden Grünen das ganz offensichtlich geschlechterideologisch motivierte Vorhaben der Justizministerin ablehnen."

Noch deutlicher wird der "Tagesspiegel" unter http://www.tagesspiegel.de/meinung/index.asp?gotos=http://archiv.tagesspiegel.de/toolbox-neu.php?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/08.01.2005/1578320.asp. Der Kommentar eröffnet mit folgendem Absatz:
--- Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan? Sie sind doch sonst nicht so. Vermutlich eine Retro-Droge, die sie in das Jahr 1975 zurückversetzt. Es berührt einen jedenfalls ziemlich nostalgisch, wenn man sieht, wie in diesen Tagen für ein strafbewehrtes Verbot heimlicher Vaterschaftstest gestritten wird. Biggi Bender zum Beispiel, eine sonst ausgesprochen vernünftige grüne Sozialpolitikerin schmettert: "Es darf keinen Bonus geben für männliche Feigheit." Das ist wohl wahr. Nur geht es ihr darum ja gar nicht, vielmehr möchte sie "männliche Feigheit" mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestrafen. Außerdem erklärte Frau Bender, Frauen und Kinder seien "mindestens" so schutzbedürftig wie Männer. Mindestens? ---

Die Leipziger Volkszeitung sieht es ähnlich (und ist wieder mal eine Zeitung, die auch "Männerrechtler" erwähnt): http://www.lvz-online.de/lvz-heute/153118.html
Dito die Mitteldeutsche Zeitung unter http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1105111341259&openMenu=1013083806188&calledPageId=1013083806188&listid=1018881578522
Kann es sein, dass Zypries Idiotie der Männerbewegung so viel Aufmerksamkeit verschafft wie in den Siebzigern die Abtreibungsdebatte der Frauenbewegung?

Eine hübsche Karikatur zu Zypries Vorhaben findet man unter http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/politik/1403282/artikel.php?SWAID=608b4306f5d2e4c3a29b47884c1d6f5b

Die Kontroverse ist noch nicht beendet, aber eines scheint mir klar: Noch vor fünf Jahren, als noch keine wenigstens einigermaßen lautstarke Männerbewegung existierte, hätte Zypries mit ihrer "krausen Idee" genauso einen heimlichen Durchmarsch geschafft wie die Ministerinnen damals mit ihrem "Gewaltschutzgesetz". Diese Zeiten wenigstens sind für den Moment vorbei.

Arne


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