Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Die Maenner werden es wieder mal richten!

Maesi, Friday, 31.12.2004, 01:16 (vor 7706 Tagen) @ ErikaH

Als Antwort auf: Re: Die Maenner werden es wieder mal richten! von ErikaH am 28. Dezember 2004 18:33:35:

Hallo ErikaH

Niemand hat mich gefragt, ob ich denn auch zu Armee moechte, mein Land verteidigen moechte.
Du hättest verweigern können. Ich würde es tun.

Totalverweigerung haette hoechstwahrscheinlich Knast bedeutet - zumindest aber Gerichtsverhandlungen und die damit einhergehende soziale Stigmatisierung.

Die meisten Wehrdienstverweigerer absolvieren deshalb als Alternative den Zivildienst. Damit ist das Problem der Maennerdiskriminierung jedoch nicht beseitigt sondern lediglich von der Wehr- zur Zivildienstpflicht hin verlagert, wobei letzteres gemaess EMRK nur dann staatlicherseits abverlangt werden kann, wenn ersteres besteht. Fuer unsere Gleichstellungstussen ist die sexistische Nur-Maenner-Wehrpflicht bestenfalls ein Schulterzucken wert, was ueber die Qualitaet ihrer 'Gleichstellungsarbeit' wesentlich mehr aussagt als all ihre Beteuerungen, sich fuer 'echte Gleichstellung' einzusetzen.

Wieso bist Du (und nicht ich) denn auf einmal benachteiligt...
Verstehe ich nicht. Dass Frauen in der Gesellschaft und im Arbeitsleben vielfach benachteiligt sind, steht für mich außer Frage.

Oft behauptet, nie wissenschaftlich genuegend fundiert nachgewiesen. Nimm Dir einmal die betreffenden Statistiken vor. Faktoren wie Leistung, Lohnverhandlungsgeschick, marktwirtschaftliche Gegebenheiten usw. wirst Du dort nie finden, obwohl sie IMHO zu den wichtigsten Kriterien gehoeren, die die Gehaltshoehe beeinflussen. Meist beschraenkt man sich auf die Faktoren 'gleichwertige (und nicht etwa gleiche) Ausbildung', 'gleichwertige (und nicht etwa gleiche) Arbeit' sowie auf vergleichbare Arbeitserfahrung (gelegentlich werden in etwas sorgfaeltiger ausgefuehrten Statistiken auch noch oertliche und zeitliche Flexibilitaet, die zaesurlose Erwerbsbiographie und die Dauer und Haeufigkeit von Fehlzeiten miteinbezogen). Das ist jedoch statisches Beamtendenken, das von einer bestimmten sakrosankten Besoldungsstufe aufgrund einer absolvierten Ausbildung sowie nachfolgenden fixen jaehrlichen Gehaltserhoehungen aufgrund der zunehmenden Zahl von Dienstjahren ausgeht. Die Realitaet in der Privatwirtschaft sieht aber wesentlich anders aus.

Desweiteren werden oftmals Ursache und Wirkung vertauscht. So wird etwa behauptet, dass Frauenberufe schlechter bezahlt seien als Maennerberufe. Diese Berufe sind aber nicht schlechter bezahlt, weil v.a. Frauen dort arbeiten; vielmehr draengen Frauen in diese Berufe (aus welchen Gruenden auch immer) und nehmen die schlechte Entloehnung bewusst in Kauf. In einer funktionierenden Marktwirtschaft gibt es ohnehin keine 'gerechte' Entloehnung; das Lohnniveau ergibt sich vielmehr aus marktwirtschaftlichen Faktoren, wobei das Individuum in erheblichem Umfang durch das eigene Verhalten die Gehaltshoehe positiv oder negativ beeinflussen kann. Gerade ein funktionierender Markt ist Garant dafuer, dass Geschlechterunterschiede nivelliert werden; wer als Unternehmer systematisch lieber 'teure' Maenner anstatt 'billige' Frauen einstellt, ohne dass dieser Gehaltsunterschied sich anderweitig irgendwie aufrechnet, (z.B. durch hoehere Leistung, durch hoehere Flexibilitaet etc.) wird sich nicht lange halten koennen - der allgemeine Kostendruck laesst das schlichtweg nicht zu.

Im übrigen gibt es Unterdrückung, die nichts mit dem Geschlecht zu tun hat, sondern allgemein gesellschaftliche Ursachen hat - wirtschaftliche, beispielsweise.

Diese nicht geschlechterbezogene Unterdrueckung ist wohl wesentlich weiter verbreitet als die geschlechterbezogene Unterdrueckung. Es ist ja die Crux, dass der Feminismus nahezu jedes Problem geschlechtlich eingefaerbt hat, und diese strikt geschlechterbezogene Betrachtungsweise hat sich schon laengst verselbstaendigt. Es ist fuer den Feministen eben gar nicht mehr interessant, ob (selbstgewaehlte) unterschiedliche Verhaltensweisen zu Unterschieden zwischen den Geschlechtern fuehren; fuer ihn reicht der blosse Geschlechterunterschied aus, um als diskriminierend zu gelten.

Ein Paradebeispiel fuer dieses Gebaren ist, dass Mutterschaft als karrierehindernd fuer Frauen angesehen wird; als Folge davon wird von der Gesellschaft eine Entlastung von Muettern (z.B. in Form von oeffentlich finanzierten Betreuungsplaetzen) gefordert. Vergessen wird dabei, dass die Mutterschaft selber gar nicht karrierehindernd ist sondern vielmehr eine allenfalls wahrgenommene Betreuungsfunktion. Die Betreuungsfunktion wiederum kann der eine oder andere Elternteil uebernehmen oder man kann sie paritaetisch aufteilen. Die meisten Muetter beanspruchen aber selber das Primat ueber die Kinderbetreuung - die daraus resultierenden Karrierenachteile sind somit durch das eigene Verhalten 'verschuldet'; von einer geschlechterbezogenen Benachteiligung von Frauen aufgrund der Kinderbetreuung kann also gar nicht die Rede sein - insbesondere, da Maenner realistisch gesehen keine nennenswerte Chance haben, den Part des Hauptbetreuenden zu beanspruchen. Nichtsdestotrotz dampft der Feminismus die Kinderbetreunungsproblematik einzig und allein auf den Geschlechteraspekt ein. Ausserdem hat die Kinderbetreuung unbestreitbar auch Vorteile fuer den Betreuenden; diese positive Aspekte werden jedoch nie in die Bewertung miteinbezogen, weshalb den strikt karrierebezogen argumentierenden Feministen die Gruende, weshalb nach wie vor viele Frauen sich so 'willig' in die Kombination Kinderbetreuung und Teilzeitjob 'draengen' lassen, wohl auch weiterhin unverstaendlich bleiben werden.

Feministinnen aber sagen: "Mein Bauch gehoert mir" (groesster Unsinn in der Geschichte der Menschheit)
Dieser Satz bezog sich auf die Bewegung zur Abschaffung des Abtreibungsparagrafen 218 in den 1970ern. Und dieser Kampf war auch nötig, weil ungewollt Schwangeren damals eigentlich nur der Weg in die Niederlande oder zur Engelmacherin oder zum profitgierigen Arzt, der heimlich abtrieb, blieb. Womit ich leichtfertiger Abtreibung nicht das Wort reden will.

Ich will hier nicht wieder einen neuen Fred ueber die ethischen Implikationen der derzeitigen Abtreibungsrealitaet lostreten, aber die meisten Abtreibungen geschehen IMHO aus leichtfertigen Gruenden; eine echte medizinische Indikation ist nur selten gegeben - es sei denn, man betrachte die Einschraenkung der Freiheit in irgendeiner Form als 'medizinische Indikation'.

Die Forderung 'mein Bauch gehoert mir' hat jedenfalls Konsequenzen, die erheblich ueber das unmittelbare Problem der ungewollten Schwangerschaft hinausgehen - auch wenn die feministischen Abtreibungsbefuerworter das nicht wahrhaben wollen. U.a. muss man sich aus Gleichberechtigungssicht fragen, ob ein Mann, der das Kind ja mitgezeugt hat, nicht ebenfalls Anspruch auf dessen Betreuung und Erziehung erheben kann, selbst wenn die Mutter es selber nicht will. Und wenn ihm dieser Anspruch nicht zugestanden wird, wie kann man dann von ihm verlangen, fuer ein Kind finanziell aufzukommen, das er moeglicherweise niemals wollte, bloss weil die Mutter es behalten will? Derzeit stellt man sich auf den Standpunkt: Wie auch immer die Mutter entscheidet, der Vater hat diese Entscheidung sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen widerspruchslos zu akzeptieren. Dass das wenig mit gleichberechtigter Partnerschaft zu tun hat, ist offensichtlich.

Kannst du eigentlich am Feminismus auch etwas Gutes erkennen?

An einigen Stroemungen des Feminismus schon. An den hier und jetzt dominanten Stroemungen kann ich jedoch nichts Positives erkennen - ausser vielleicht, dass sie als schlechtes Beispiel dienen koennen.

Oder ist er für dich ein Oberbegriff für alles Gemeine, das dir vielleicht widerfahren ist?

Nikos' Privatsphaere interessiert hier hoechstens insoweit, als sie einen Bezug zur Gleichberechtigung hat. Ich schlage vor, dass Du Dich auf die sachliche Ebene beschraenkst, anstatt hier Leute ueber ihre privaten Befindlichkeiten auszufragen, die Dich ohnehin nichts angehen.

@Nikos: ich wuerde solche persoenlichen Fragen grundsaetzlich nicht beantworten - zumindest nicht im Forum. Damit begibst Du Dich nur aufs rhetorische Glatteis; wenn naemlich der Fokus nicht mehr auf das relevante Problem sondern auf Deine Person gerichtet ist, diese dann minutioes seziert wird, und man allfaellige Unzulaenglichkeiten (die wir ja alle aufweisen) argumentativ gegen Dich verwendet. Gegen eine in Rabulistik geuebte Person kannst Du so niemals bestehen. Du verschwendest bloss sinnlos Deine Kraefte, um Dich dafuer zu rechtfertigen, dass Du nicht perfekt bist. Ausserdem fuehrt das regelmaessig zu unnuetzen Flamewars im Forum.

Feminismus als undeutliches Feindbild, sozusagen?

DEN Feminismus gibt es nicht; wohl aber ein Buendel von Forderungen, Thesen, Mythen, Idiosynkrasien, Ritualen usw., die in den meisten Stroemungen des Feminismus manifest sind - man mag das ganze 'Mainstream-Feminismus' oder etwas unzulaessig verkuerzt 'Feminismus' bezeichnen. Nichtdestotrotz handelt es sich eben um jene feministischen Kraefte, die den politisch relevanten Geschlechterdiskurs an sich gerissen haben und dadurch auch ziemlich deutlich an die Oeffentlichkeit treten. Das meiste, was in diesem Forum bezueglich des Feminismus diskutiert wird, bezieht sich auf diesen gut abgrenzbaren, real existierenden Feminismus und seine Auswirkungen. Ich verstehe also nicht, was Du mit der obigen Frage bezweckst.

Gruss

Maesi


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