Re: Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"?
Als Antwort auf: Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"? von Arne Hoffmann am 28. Dezember 2004 15:46:11:
Hallo Arne,
das hier -
"...In einer kultursoziologischen Perspektive läßt sich andeuten, wie sich auch und gerade in einer wissenschaftlichen Zivilisation dauerhaft Mythen halten können. Wie zu allen anderen Zeiten ist ein guter Mythos realitätsresistent, denn sonst hätte er sich nicht als Mythos etabliert. Er erneuert sich im Gegenteil permanent selbst, erzeugt gewissermaßen seine eigene Selbstbewahrheitung. Beginnt man unten im Kreis der Selbstbewahrheitung (im Original ist eine Grafik beigegeben), so sieht man, daß es die geschlechtsspezifischen Befunde aus dem Hellfeld sind, die von Expertinnen und Medien und von unzähligen Propagatoren und Multiplikatoren zur stetigen Auffrischung des Mythos verarbeitet werden. Gebrochene Stimmen erzählen von Schmerz und Ohnmacht. Bilder zeigen Tränen, blaue Augen und verstörte Kinder. Dazu arrangiert man männliche Verbrechervisagen, ritterliche Polizisten und betroffene Moderatorinnen. So wird der Stoff des Mythos gewoben, so gewinnt er eine anschauliche, faßliche Gestalt, die ihn in den Gefühlen der Menschen verankert. Abscheu, Vergeltung, Haß und Rache, ein ganzes Arsenal archaischer Emotionen läßt sich alsdann einspeisen in den Strom politischer Programme, Reden, Schriften und Auftritte, gemäß deren Botschaft Gewalt in allen ihren Erscheinungen geächtet werden muß. Es sind diese archaischen Emotionen, die von der Politik einerseits mobilisiert und aufgenommen, andererseits aber auch bedient und befriedigt werden müssen. Pluralismus, Meinungsfreiheit, Opposition und die ganzen anderen Regeln der offenen Gesellschaft sind dabei außer Kraft gesetzt, denn wer wollte mit Argumenten und Fakten gegen Emotionen dieses Kalibers antreten. Er würde sich unweigerlich als heimlicher Komplize verdächtig machen.
- verdeutlicht m.E. bestens, wie der Wahnsinn funktioniert. Zähneknirschende Zustimmung meinerseits. Und es stellen sich eine ganze Menge weiterer Fragen, die mit dem Thema nur noch bedingt etwas zu tun haben. Eine, die sich mir zuerst aufdrängt: Wie soll Demokratie funktionieren, wenn nicht Fakten sondern Mythen die Grundlage der gesellschaftlichen Meinungsbildung sind? Und eine ketzerische Frage gleich hinterher: Wenn sich Politiker Mythen als Entscheidungsgrundlage hernehmen - sind sie dann bloß doof, sind sie etwa nur nicht informiert (wozu dann diese ganzen HannswurstInnen?) - oder handeln sie schlicht und einfach
verbrecherisch? Wenn Letzteres zuträfe: Warum lassen wir uns das dann gefallen?
Fragen über Fragen - Max
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Arne Hoffmann,
28.12.2004, 17:46
- Re: Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"? -
Max,
28.12.2004, 18:33
- Re: Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"? - Garfield, 28.12.2004, 19:23
- Re: Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"? -
Max,
28.12.2004, 18:33