Re: wen's interessiert:
Als Antwort auf: wen's interessiert: von Jörg Rupp am 23. Dezember 2004 08:04:16:
Hallo Jörg!
Die Behauptung, daß das Geschlecht nur aus gesellschaftlicher Erziehung resultieren würde ist genauso unsinnig wie die Behauptung, daß es einzig und allein Produkt der Hormone, also letztendlich der genetischen Veranlagung wäre. Die Wahrheit liegt wie so oft dazwischen, denn die Gene und die Erziehung spielen dabei gleichermaßen eine Rolle.
Die Zeiten, als man Mädchen zu Heimchen am Herd erzog, sind längst vorbei. Ganz im Gegenteil wird heutzutage von den Medien ein vollkommen entgegengesetztes Frauenbild propagiert. Überall in Filmen, Serien und Werbung sieht man schlagkräftige Kriegerinnen, knallharte Komissarinnen, clevere Geschäftsfrauen usw. Mädchen wird heute suggeriert, daß es gut ist, wenn sie ihre Interessen auch mal mit Gewalt durchsetzen.
Wenn nun alles auf Erziehung beruhen würde, müßte man ja nun so allmählich mal einen Wandel bei den Frauen feststellen. Diesen Wandel sehe ich aber auf breiter Front nicht. Auch eine Umfrage des Allensbach-Institutes hat vor einigen Jahren ergeben, daß die Mehrheit der Frauen weiterhin von einem Leben als Hausfrau mit maximal noch einem Teilzeitjob träumt.
Diese gesellschaftliche Erziehung geht an der Mehrheit der Frauen also offenbar vollkommen vorbei. Wie kommt das?
Die Neigung vieler Frauen zum Hausfrauenleben könnte man ja noch mit Bequemlichkeit erklären. Mit Hausarbeit kommen Mädchen (und auch Jungen) ja bereits im Elternhaus in Kontakt, das ist also nichts Neues und Ungewohntes mehr. Während Jungen nach wie vor unter dem Druck stehen, später die Ernährerrolle übernehmen und dafür eine möglichst gute Ausbildung machen zu müssen, gibt es für Mädchen diesen Druck so nicht. Zwar gilt es längt auch für Mädchen als wichtig, eine gute Ausbildung zu machen und viele Mädchen tun das auch. Aber sie stehen nach wie vor weit weniger als Jungen unter dem Druck, später die Ernährerrolle übernehmen zu müssen. Das wird immer noch stillschweigend als Aufgabe des Mannes angesehen, und so hat eben jedes Mädchen wie noch vor 100 Jahren die Vorstellung im Hinterkopf, daß die eigene Berufstätigkeit ja wahrscheinlich sowieso nur eine Überbrückung für die Zeit vor Kindern und Familie sein wird. Da ihnen Hausarbeit darüber hinaus auch noch vertrauter erscheint als ein Beruf, in dem sie sich überhaupt nicht auskennen, tendieren sie eben mehr zur Hausarbeit, was nur menschlich ist. Jungen würden das vielleicht auch tun - aber da sorgt die ihnen übergestülpte Ernährerrolle eben dafür, daß sie sich mehr auf die berufliche Karriere orientieren.
Das wäre also durchaus eine Erklärung.
Aber es gibt da ja noch andere Sachen. Wieso spielen so viele Mädchen mit Puppen? Ihre Eltern drängen sie ihnen oft gar nicht auf. Ich habe mal eine interessante Reportage gesehen, in denen Eltern u.a. danach gefragt wurden, wie weit sie es tolerieren, wenn ihre Kinder mit Spielzeug des anderen Geschlechts spielen. Dabei stellte sich heraus, daß die überwiegende Mehrheit der Eltern es positiv fand, wenn Mädchen mit Jungen-Spielzeug spielen. Umgekehrt fand es die Mehrheit der Eltern aber nicht positiv, wenn Jungen mit Mädchen-Spielzeug spielten.
Die Mädchen werden heute also kaum noch dazu gedrängt, mit Puppen zu spielen. Obwohl Jungen-Spielzeug ihnen nicht verboten wird, interessieren sie sich weniger dafür.
In diesem Jahr war ich wieder auf der RingCon in Bonn. Dort treffen sich "Herr der Ringe"-Fans, und viele kommen in Verkleidung. So eine Verkleidung ist ja nun etwas, das man frei wählen kann, jedenfalls als Frau. Für Männer würde es natürlich als lächerlich gelten, z.B. in einem Kleid zu erscheinen. Frauen dagegen haben da keine gesellschaftlichen Grenzen. Solange sie nicht nackt erscheinen, ist ihnen alles erlaubt.
Wenn nun viele Frauen sich eher zu dem traditionell männlichen Rollenbild hingezogen fühlen würden, dann müßten sie dort massenweise in irgendwelchen Kriegerinnen-Kostümen erscheinen. Tatsächlich liefen da auch Frauen in Kostümen á la Xena herum. Aber das waren eher wenige. Die allermeisten Frauen kamen in Kleidern, fühlten sich also ganz offensichtlich mehr zum traditionellen weiblichen Rollenbild hingezogen. Trotzdem sie heute kaum noch in diese Richtung erzogen werden.
Da keinerlei gesellschaftlicher Druck auf sie ausgeübt wird, eine Frau in einem Xena-Kostüm also keine negativen Konsequenzen zu befürchten hat, scheidet der Faktor gesellschaftlicher Druck hier praktisch aus. Die Frauen entscheiden sich für diese Kostüme, weil sie das möchten, nicht weil sie dazu gedrängt werden.
Ich denke deshalb, daß es bei der Mehrheit der Menschen nicht möglich ist, ihnen geschlechtsspezifische Verhaltensweisen vollkommen abzuerziehen. Teilweise schafft man das zwar, aber irgendwie kommt die genetische Veranlagung dann doch immer wieder durch.
Das sagen ja auch Menschen, die eine Geschlechtsumwandlung hinter sich haben. Die stellen oft fest, daß sich mit der dazu nötigen Hormontherapie vieles verändert. Teilweise könnte man das auf Einbildung zurück führen. Aber teilweise sind diese Veränderungen tatsächlich meßbar, z.B. Änderungen der Hirnaktivitäten, der Muskulatur usw.
Das sind eben Dinge, die man nicht anerziehen kann. Die Neigung zu Kleidern ist in gewisser Weise durchaus anerzogen, denn natürlich besteht genetisch kein Zusammenhang zwischen Kleidern und Weiblichkeit. Dieser Zusammenhang wird erst durch Erziehung hergestellt. Daß eine Frau aber weiblich sein möchte, resultiert nicht nur aus Erziehung. Das möchte sie von sich aus, und wenn man ihr sagt, daß Kleider weiblich sind, dann möchte sie eben Kleider tragen. Da kann man ihr noch so oft erzählen, daß Xena die Kriegerprinzessin eine tolle Frau ist - das interessiert dann nicht. Weil die meisten Frauen einfach weiblich sein WOLLEN.
Freundliche Grüße
von Garfield
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Jörg Rupp,
23.12.2004, 10:04
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Garfield,
23.12.2004, 12:06
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Magnus,
23.12.2004, 17:09
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Jolanda,
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