Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger
Als Antwort auf: Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger von Nick am 22. Oktober 2004 02:43:42:
Lieber König Max,
...jaja, schon gut....erhebe er sich.
ich erinnere mich an eine abendliche Taxifahrt durch Verona vor gut 3 Jahren. Der Taxifahrer hatte den Kassettenrecorder laufen. Es sprach - Silvio Berlusconi. Von Band! Das muß man sich mal vorstellen! Da wirkt ersichtlich der Duce noch nach in der 3. oder 4. Generation und rührt so einen dummen Jungen fast zu Tränen der Verehrung für den starken Mann. Soviel naiver, pathetischer Staatsfetischismus ist in Deutschland absolut undenkbar.
...in der hinteren Oberpfalz gibt es bestimmt Leute, die sich die Aschermittwochsreden des grossen Franz Josef Strauss nach dem sonntäglichen Mittagsmahl nostalgisch verzückt zur Erbauung anhören, vom Band und nach Abpfeifen des bayerischen Defiliermarsches.
Das notorische Phänomen der "staatstragenden Belehrungen", das du erwähnst, hat meinem Dafürhalten nach wenig mit dem Staat, aber alles mit der Regression auf's eigene Ego zu tun, das so in Mode gekommen ist. Für diesen schmuddeligen Zweck wird dann eben auch der Staat gerne mal eingespannt, wenn es sich halt so ergibt.
...stimmt. Absolut widerlich...
Mit dem Staat selbst als Ideal hatten es die Deutschen aber eigentlich nie so besonders. Sie hatten nur in jüngerer Zeit leider öfter mal einen Staat, der es mit ihnen hatte. Und Schreihälse, die lange schreien konnten, bevor sie heiser wurden. Das war unser großes Pech.
...na ja. Nach 1871 waren die Deutschen doch ziemlich plötzlich und ziemlich unappetitlich zu regelrechten Staatsfetischisten mutiert? So nach dem Motto: Endlich dürfen wir auch bei den Grossen am Tisch sitzen. Und denen werden wir zeigen, wie man anstaendig isst. "Ausflug nach Paris" - ein paar Jahre später....
Die Deutschen haben die Neigung, viel mehr als andere "bei sich" zu sein (sogar während des Weltuntergangs): ihre berühmte 'Innerlichkeit'. Das scheint ein Fluch, ist aber im Wahrheit eine Begabung, die es zu erlösen gilt.
...ich halte das für eine aus der Not geborenen, über wenigstens zwei Jahrhunderte hin "kultivierte" pseudo-moralische Haltung, die der internationalen politischen Bedeutungslosigkeit eine "schöne Gestalt" nach aussen verleihen sollte. Es mag noch andere Gründe geben, z.B. die Resignation des Individuums vor der Willkür einer Obrigkeit, die nicht kontrolliert werden konte.
Der Nationalismus und ganz besonders Adolf Hitler waren gerade nicht "typisch deutsch"! Deshalb haben die Leute es zum Beispiel auch erst nachher richtig mitbekommen, was da eigentlich die ganze Zeit alles abgelaufen ist während ihrer eigenen Apokalypse und schämen sich nun, sogar für etwas, was sie gar nicht selber gemacht haben...
...kann ich nicht ganz nachvollziehen. Der Nationalsozialismus und A.H. wurden von den Deutschen schon als verbrecherisch und verwerflich erkannt. Es ist ihnen aber egal gewesen, weil sie (zumindest bis Mitte ´42, Dumme auch länger) davon ausgehen konnten, daß es niemals einen Richter geben wuerde. Das Verschwinden der Juden konnte nicht unbemerkt geblieben sein und die Reichskristallnacht war auch nicht gerade ein lautloses Unternehmen. Dass die Zahl der todesstrafenwuerdigen Verbrechen unter der Herrschaft der Nazis auf ueber 200 Tatbestaende gestiegen war, konnte auch niemandem verborgen geblieben sein. "Lieber Gott, mach´mich stumm, dass ich nicht nach Dachau kumm" - war ein Abendgebet, das von den Kindern im Nordwesten Münchens schon in den 30er-Jahren gesprochen worden ist. Die Haeftlingskolonnen für Buchenwald kamen am Bahnhof von Weimar an und zogen in grosser Zahl durch die Stadt hinauf auf den grossen Ettersberg. Diese Apokalypse der Menschlichkeit und der Zivilisation wurde von den Deutschen sehr wohl bemerkt. Und es ist ihnen egal gewesen, konnten sie sich doch einreden (lassen) diese ganze Barbarei diene einem höheren Zweck.
Was sie dann als ihre eigene Apokalypse begreifen mussten, war nur die Folge einer Barbarei, die sie billigend in Kauf genommen hatten.
Moegen der Nationalsozialismus und A.H. vielleicht bis zur Machtergreifung nicht typisch deutsch gewesen sein - danach sind sie es dann gewesen. Typischer als alles andere, das ich mir in geschichtlichen Zusammenhaengen vorstellen kann.
Ein weites Feld. Aber über den Staat versteht man die Deutschen eben gerade nicht. Im Grunde ist er uns nämlich viel gleichgültiger als allen anderen europäischen Völkern.
...gerade ueber den Staat versteht man den Deutschen! Denn der Staat ist des Deutschen Sehnsucht! Wie gerne wuerde der Deutsche mit dem Franzosen tauschen und Citoyen einer Grande Nation sein, anstatt in sich staendig den völkischen Kretin erkennen zu muessen. Daß dem Deutschen der Staat gleichgültig sei, dem stimme ich unter dem Zusatz zu, daß es deswegen so ist, weil er überhaupt keine Vorstellung hat von einem Staat, der ihm etwas anderes vor Augen stellt als seine eigene Machtlosigkeit. Der Deutsche ist seit eh und je ein Untertan, seit gut fünfzig Jahren ist er ein Untertan mit dem Wunsch, wie ein Demokrat auszusehen, ohne dabei selbst einer sein zu müssen, bei all´der Verantwortung, die das mit sich brächte und die zu tragen er keineswegs bereit ist.
Unter pragmatischen Gesichtspunkten ist das natürlich höchstens ein Vorzug und ein Nachteil zugleich. Schade ist's aber, wenn unsere Neigung zum 'Ich' nun in so geistlosem, kleinlichem Egoismus verkümmert, wie wir es wieder erleben - gerade weil es die Möglichkeit gäbe, zur "selbstlosen Person" [paradox?] zu reifen.
...dieser völlig geistlose, kleinliche Egoismus: Das ist der Deutsche. Und ein selbstloser Deutscher? Was soll das sein? Ist der überhaupt denkbar? Hast du neulich den phantastischen, über die Massen bewegenden Fernsehfilm "Das Lied vom traurigen Sonntag" gesehen? Das war eine Parabel des Deutschen, wie er die grosse, nicht greifbare Liebe, diesen Odem, der über allem schweben könnte und nach dem er sich verzehrt, versucht hat für sich zu "materialisieren", wie er die Liebe (und nebenbei noch das Leben von real existierenden Liebenden)dabei zerstört und wie ihn die späte Rache trifft. Ganz großartiger Film! Und problemlos auf Heute übertragbar.
Das sind jedoch immer individuelle, ganz persönliche Entwicklungen, jedenfalls niemals kollektiv vermittelte, die dazu führen könnten, sein Leben freiwillig für andere zu leben, ohne daß dies eigens durch einen Staat erzwungen wird, wie es sonst überall üblich und notwendig ist. Daß es völlig verrückt ist, sein Leben "nur für sich selbst zu leben", erkennt man, sobald es massenhaft geschieht (wir reden hier darüber, namentlich wo es die Weiber betrifft).
...da stimme ich Dir absolut zu. Diese individuellen, persönlichen Entwicklungen könnten aber, wenn schon nicht staatlich gefördert, wenigstens nicht auch noch bekaempft werden! Und genau das aber tun die Ideologen von heute.
"Rein politische" Lösungen haben in Deutschland aus o.g. Gründen immer die fatale Neigung zum Desaster. Auch deshalb wird es meiner Ansicht nach keine "staatlichen" Lösungen in Deutschland für derartige Probleme geben.
...genau.
Am besten ist es, wenn der Staat möglichst wenig 'löst'.
...aber hallo!
Jedenfalls darf man nie die individuelle Seite der Problematik übersehen, sowohl für das Gelingen des eigenen Lebens(!), als auch für die Überwindung kollektiver Fehlentwicklungen, wie es der gegenwärtige Genderwahn selbstverständlich darstellt.
...hinter die Ohren geschrieben!
Man muß Klarheit darüber gewinnen, was gut und recht ist und es dann konsequent und unbekümmert leben. Das geht!
...und man muss, selbst wenn man dabei der vermeintlich "Dumme" wird.
Und in Deutschland kann man damit tatsächlich "die Welt verändern": die Form wird dem Inhalt folgen, sobald die Sache einmal wirklich klar ist.
...eine Machtfrage also? Heutzutage besser: Eine Medienmachtfrage?
Die Frage: "Wohin kämen wir, wenn...?", ist manchmal auch nur die Stimme der Vernunft. Das muß man ggf. sauber unterscheiden.
...ja, aber nicht, wenn sie in dem Zusammenhang steht mit "...wenn jeder eine durchgezogene Linie ueberfahren wuerde."
Das sind diesmal recht ideelle, vielleicht sogar etwas "abstrakte" Argumente dafür, warum ich persönlich vom Staat wenig fordere (und gefordert sehen will) - außer daß er sich rigoros heraushält aus allen Angelegenheiten, die nur mich (und ihn nichts!) angehen. Entgegen dem allgemeinen Klischee halte ich diese Haltung für "typisch deutsch". Man müßte dazu nur wieder mehr ermutigen. Dann wird das schon wieder... 
...wenn du meinst.
Meint und findet
....ach so, da steht´s ja.
der Nick
mit sonntäglichem Grusse zum Lobe des Herrn - Max
gesamter Thread:
- Frohe Kunde für Unterhaltssklaven! -
Mischa,
19.10.2004, 17:52
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Peter,
19.10.2004, 18:22
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Max,
19.10.2004, 21:48
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Rüdiger,
20.10.2004, 22:57
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Max,
21.10.2004, 00:14
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Rüdiger,
21.10.2004, 00:58
- Worte zur Mitternacht -
Nick,
21.10.2004, 03:35
- Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger -
Max,
21.10.2004, 21:40
- Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger -
Nick,
22.10.2004, 05:43
- Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger - Max, 24.10.2004, 12:19
- Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger -
Nick,
22.10.2004, 05:43
- Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger -
Max,
21.10.2004, 21:40
- Worte zur Mitternacht -
Nick,
21.10.2004, 03:35
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Rüdiger,
21.10.2004, 00:58
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Max,
21.10.2004, 00:14
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Rüdiger,
20.10.2004, 22:57
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Max,
19.10.2004, 21:48
- Auszug aus dem neuen Duden... -
Martin,
19.10.2004, 20:34
- Re: Auszug aus dem neuen Duden... - So neu ist das nicht: - Ekki, 19.10.2004, 21:04
- Inwiefern ist das eine frohe Kunde fuer Unterhaltssklaven? n/t - Maesi, 19.10.2004, 22:17
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Peter,
19.10.2004, 18:22